Der Pharmakonzern Cheplapharm setzt eine neue Finanzierung auf.

lizaelesina - stock.adobe.com

11.02.22
Finanzen & Bilanzen

Cheplapharm setzt auf Term Loan B und neue RCF

Nach dem verschobenen Börsengang setzt der Pharmakonzern Cheplapharm auf einen Term Loan B und einen neuen Kredit. Das Greifwalder Unternehmen fährt einen aggressiven Kurs.

Der Börsengang ist verschoben, dafür setzt das Pharmaunternehmen Cheplapharm einen neue Finanzierung auf. Ursprünglich wollte das Greifswalder Unternehmen im Februar an die Frankfurter Börse gehen. Der IPO wurde jedoch laut Unternehmen wegen der volatilen Situation an den Aktienmärkten verschoben.

Nun musste eine neue Finanzierung her. Diese umfasst einen Term Loan B und einen revolvierenden Kredit. Der Term Loan B hat ein Volumen von 1,48 Milliarden Euro und ist in drei Tranchen bis 2029 fällig – eine der drei Tranchen wurde in US-Dollar aufgenommen.

Mit dem langfristigen Darlehen soll ein bereits existierender Term Loan B4 über 980 Millionen Euro, der 2025 fällig wird, abgelöst werden. Die übrigen 500 Millionen Euro werden dazu genutzt um einen Teil eines revolvierenden Kredits mit einem Volumen von 253 Millionen Euro zurückzuzahlen. Mit dem übrigen Geld werden kürzlich abgeschlossene Akquisitionen bezahlt. 

Ende 2021 hatte Cheplapharm Akquisitionen in Höhe von 355 Millionen Euro abgeschlossen – diese umfassen die zwei Produktportfolien von Astellas und Sanofi. Darüber hinaus hatte der Konzern endgültige Vereinbarungen über Investments in Höhe von 565 Millionen Euro getroffen. CFO Jens Rothstein kündigte kürzlich in einem FINANCE-Interview sogar an, 2021 und 2022 insgesamt 1,25 Milliarden Euro in Zukäufe zu investieren.

Cheplapharm rechnete mit 750 Mio. Euro von IPO

Das Pharmaunternehmen will zudem einen bestehenden revolvierenden Kredit mit einem über sechs Jahr laufenden Kredit über 450 Millionen Euro ablösen. Mit der neuen Finanzierung aus Term Loan B und dem Kredit kompensiert das Greifswalder Unternehmen den verschobenen Börsengang. Cheplapharm hatte mit Einnahmen von 750 Millionen Euro durch den IPO gerechnet. Damit sollte der Kauf weiterer Pharmaprodukte finanziert und ein Teil der Schuld von 2,45 Milliarden Euro abgebaut werden.

Damit fährt das Unternehmen aber einen aggressiven Kurs: Die neue Finanzierung aus dem Term Loan B und dem revolvierenden Kredit bewertet Moody‘s mit dem Rating B2, also tief im spekulativen Bereich. Die Ratingagentur begründet dies damit, dass die Relation von bereinigter Bruttoverschuldung zu Ebitda zwischen dem 4,5- and 5,5fachen liege. Zugute komme den Greifswaldern, dass sie vergangene Akquisitionen gut in das Unternehmen integrieren konnten. Das bereinigte Ebitda liege 2021 bei 650 Millionen Euro, wodurch der Leverage vom 7,1- (2020) auf das 4,5fache gefallen sei. 

Helfen sollte Cheplapharm auch die Tatsache, dass das Unternehmen ein breites therapeutisches und geographisches Spektrum abdeckt. Zudem hat das Pharmaunternehmen einen starken Cashflow aus dem operativem Geschäft und freien Cashflow, welches durch die Asset-light-Strategie des Unternehmens gestützt wird.

Cheplapharm ist ein Familienunternehmen mit Hauptsitz in Greifswald. Der Konzern vertreibt Medikamente und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 793 Millionen Euro (September 2021). Cheplapharm feierte sein Kapitalmarktdebüt im Jahr 2018 mit einem Term Loan B. Im Jahr 2020 kam ein siebenjähriger High-Yield-Bond in Höhe von 500 Millionen Euro hinzu.