Die neue Strategie der Commerzbank hat einige Folgen für das Firmenkundengeschäft.

Commerzbank AG

04.02.21
Finanzen & Bilanzen

Commerzbank: Das ändert sich für Firmenkunden

Die Commerzbank beschließt eine neue Strategie bis 2024. Diese enthält auch einschneidende Änderungen für Treasurer und CFOs.

 

Der Aufsichtsrat hat getagt: Spät am gestrigen Abend kam die Meldung zur neuen Commerzbank-Strategie für die kommenden drei Jahre. Einige Eckdaten dazu waren bereits in der vergangenen Woche durchgesickert. Nun hat auch das oberste Gremium die Vorstandsbeschlüsse gutgeheißen. Bei allem steht im Vordergrund, dass die Bank mehr Gewinne schreiben will, wie auch der seit Jahresbeginn amtierende CEO Manfred Knof betont: „Die neue Strategie schafft die Voraussetzung für eine nachhaltig profitable Commerzbank.“

Der Handlungsbedarf ist unübersehbar: Nach vorläufige Zahlen schließt die Bank das Geschäftsjahr 2020 mit einem operativen Ergebnis von minus 233 Millionen Euro ab, unter dem Strich steht ein Verlust von fast minus 2,9 Milliarden Euro. Negativ zu Buche dürften dabei auch Abschreibungen auf Kredite für den skandalträchtigen Zahlungsdienstleister Wirecard geschlagen haben. Einziger kleiner Lichtblick: Trotz des Verlusts bleibe die harte Kernkapitalquote mit 13,2 Prozent per Ende 2020 weiter „über den Anforderungen“, erklärte die Bank.

In den vergangenen Jahren hat die Bank unter dem ehemaligen Chef Martin Zielke immer wieder versucht, den Turnaround einzuleiten. Indes gelang dieser nicht, gut ablesbar am Aktienkurs der Bank: In den vergangenen drei Jahren hat er sich auf derzeit rund 5,60 mehr als halbiert. Die ersten Ankündigungen der neuen Strategie, nach der rund 10.000 Stellen gestrichen werden und die Zahl der Filialen von 790 auf 450 sinken sollen, wurden an der Börse wohlwollend aufgenommen. Speziell das Festhalten an den Filialen war dem ehemaligen CEO Zielke immer wieder vorgeworfen worden. Die Bank will insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Kosten bis 2024 einsparen.

Update am 11. Februar: Wie die Commerzbank heute mitteilt, sollen weitere 190 Filialen noch im laufenden Jahr geschlossen werden. Mehr als 80 Prozent des Stellenabbaus soll bis Ende 2023 umgesetzt werden. Für 2021 ist ein positives operatives Ergebnis geplant, 2024 soll es bei 2,7 Milliarden  Euro liegen. „Wir wollen nachhaltig profitabel werden und unsere Zukunft als eigenständige Kraft im deutschen Bankenmarkt selbst gestalten", erklärt CEO Manfred Knof in einer Mitteilung.

Commerzbank rückt Profitabilität in den Vordergrund

Das dürfte auch bei Firmenkunden für Aufsehen sorgen. Denn für deutsche CFOs und Treasurer spielt die Commerzbank eine herausragende Rolle, wie etwa eine letztjährige Umfrage unserer Schwesterpublikation FINANCE zeigte. Für viele ist sie wichtigste Hausbank und im Kreditgeschäft sowie im Mittelstand führend.

An der Spitze des Firmenkundengeschäfts hat sich bereits zum Jahreswechsel eine Änderung vollzogen: Der langjährige Commerzbanker Michael Kotzbauer hat das Ressort vom ehemaligen ING-Banker Roland Boekhout übernommen, der die Bank nach nur einem Jahr im Amt wieder verlassen hat. Nun ändert sich auch für die Firmenkunden einiges. Setzte die Bank in den vergangenen Jahren primär auf Kreditwachstum, liegt der Akzent jetzt klar auf einer höheren Profitabilität. Dabei will die Bank noch stärker auf das Management der risikogewichteten Aktiva (RWA) setzen.

Firmenkundengeschäft stärker automatisieren

Das äußert sich darin, dass sich die „individuelle Betreuung von Unternehmen“ künftig auf diejenigen Kunden fokussieren soll, bei denen „ein komplexer Beratungsbedarf“ bestehe und dies „profitabel möglich“ sei. Das bedeutet auch, dass die Commerzbank „bei weniger komplexen Fällen ein Direktangebot für Firmenkunden mit einem standardisierten Produkt- und Beratungsbedarf“ aufbauen will. Dies dürfte speziell kleinere und mittelständische Unternehmen treffen, weniger Topkunden aus Konzernen und dem gehobenen Mittelstand.

Daneben kündigt die Commerzbank an, ihre Produktpalette zu verschlanken und weiter zu digitalisieren. Was dies im Einzelnen bedeutet, ließ das Geldhaus allerdings zunächst offen.

Klarer ist hingegen, dass das Investmentbanking weiter an Bedeutung verlieren wird, was die Commerzbank mit der Formulierung umschreibt , man werde das Geschäft „stärker auf die Anforderungen der Firmenkunden konzentrieren“. Dies betreffe speziell das Eigenkapitalmarktgeschäft (ECM) sowie die Begleitung von Fusionen und Übernahmen (M&A). Diese Dienstleistungen sollen künftig exklusiv Firmenkunden der Bank mit entsprechendem Beratungsbedarf, etwa bei der Unternehmensnachfolge, angeboten werden.

Für den Aktienhandel und -vertrieb sowie das Aktienresearch würden Kooperationen geprüft, erklärte die Bank. Ein kompletter Verkauf des Aktienhandels wie bei der Deutschen Bank stehe dem Vernehmen nach aber eher nicht zur Diskussion. Die Deutsche Bank hatte ihr Firmenkundengeschäft mit Einführung ihrer Unternehmensbank im Jahr 2019 ebenfalls neu ausgerichtet.

Commerzbank will sich aus 15 Ländern zurückziehen

Besonders im Ausland will die Commerzbank kürzen: So will sich die Bank aus 15 internationalen Standorten zurückziehen, zwei Filialen sollen in lokale Repräsentanzen gewandelt werden. Welche Standorte dies genau betrifft, ließ die Mitteilung der Bank offen. Laut Informationen von DerTreasurer werden vor Ort noch Gespräche mit Regulatoren, Mitarbeitern und Kunden geführt, bevor die Maßnahmen breit an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Insgesamt werde die Bank künftig in knapp 40 Ländern präsent sein. Der Plan sieht zudem vor, dass die Bank international Backoffice-Funktionen in regionalen Serviceeinheiten bündelt und das Korrespondenzbanken-Portfolio optimiert.

Die Änderung der Commerzbank-Strategie hat es damit durchaus in sich, wie ein weiterer Punkt zeigt. Sie will sich auf deutsche Mittelständler und Großkunden fokussieren. Auslandskunden sollen nur dann betreut werden, wenn sie einen Geschäftsbezug zu Deutschland haben oder wenn sie in „ausgewählten Zukunftsbranchen“ tätig sind. Damit wirft die Bank die erst vor rund anderthalb Jahren verkündete Strategie um, im europäischen Ausland stärker mit dortigen Firmen wachsen zu wollen.

Wichtig für Treasurer im Exportgeschäft: Ihrer „Verantwortung als starker Finanzierungs- und Absicherungspartner für deutsche Firmen bei Import- und Exportgeschäften rund um den Globus“ will die Bank eigenen Aussagen zufolge treubleiben.

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Tiefgreifender Umbau auch bei Unternehmenskunden

Nach den zahlreichen Strategieanpassungen der vergangenen Jahre dürfte dies der umfangreichste Ansatz sein, mit dem der neue Chef Manfred Knof an mehreren Stellen eine radikale Abkehr von der bisherigen Strategie vollzieht. Das ist aber auch dringend notwendig: Bereits seit Monaten stand die Bank unter Druck ihrer Aktionäre, wobei dort besonders die Bundesrepublik Deutschland und der aktivistische Investor Cerberus eine maßgebliche Rolle spielen.

Neben den Anpassungen im Firmenkundengeschäft will die Commerzbank das Privat- und Unternehmerkundengeschäft „tiefgreifend umbauen“. Ziel sei eine „attraktive Kombination aus leistungsstarker Direktbank und erstklassigem Beratungsangebot“. Dazu soll besonders die Comdirect stärker mit der Beratungskompetenz der Commerzbank zusammengeführt werden.

Besonders die personellen Einschnitte für die Bank sind umfangreich. Dafür hat der Vorstand eine „Regelungsabrede mit dem Gesamtbetriebsrat“ der Commerzbank geschlossen. Diese sieht eine grundsätzliche Vereinbarungen zur Gestaltung des Transformationsprozesses in der AG Inland vor. Ziel sei es, für „frühestmögliche Klarheit und Transparenz über Betroffenheit, Zeitabläufe und Perspektiven“ zu sorgen. Es werde angestrebt, bereits bis zur Hauptversammlung Anfang Mai die notwendigen Rahmenregelungen – Rahmen-Interessenausgleich und Rahmen-Sozialplan – mit dem Gesamtbetriebsrat abzuschließen. Bis dahin dürften auch einige praktischen Folgen der neuen Strategie für Firmenkunden konkreter sein.

Dentz[at]derTreasurer.de

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