FINANCE

29.03.22
Finanzen & Bilanzen

Das war die zweite Green FINANCE

CFOs und Treasurer haben sich vergangene Woche auf der Digitalkonferenz Green FINANCE über alle aktuelle ESG-Themen ausgetauscht. Neben grünen Finanzierungsinstrumenten stand auch der wachsende Informationsdruck im Fokus.

Green Bonds, ESG-linked Loans und grüne Schuldscheine – der Markt für nachhaltige Finanzierungen hat sich inzwischen von der Nische zum Mainstream entwickelt. Das zeigt auch der Zuspruch, den die zweite „Green FINANCE“-Digitalkonferenz erfahren hat. Über 600 Teilnehmer – vor allem CFOs und Treasurer – wählten sich in das eintägige Digitalevent ein und folgten den zahlreichen Roundtables und Diskussionsrunden der Konferenz.

Zum Auftakt ging es gleich um ein besonders relevantes Thema: Den Run auf die ESG-Daten. Über die Herausforderungen beim Erfassen und Berichten von Nachhaltigkeitsdaten diskutierten LBBW-Banker Marco Göck und CFO Christian Dummler von Zeppelin. Basis für die Diskussion war die aktuelle Studie zu Green Finance, die LBBW und FINANCE gemeinsam durchgeführt haben.

Es folgten Praxisberichte aus ganz unterschiedlichen Branchen. Am Vormittag berichtete zum Beispiel CFO Mark Frese über die Nachhaltigkeitsbemühungen und Green Finance bei Hapag-Lloyd. Der Finanzchef gab an, dass Nachhaltigkeitsthemen inzwischen rund 30 Prozent seiner Tätigkeit ausmachten. Der Handlungsbedarf ist groß: Die Containerschiffe müssen modernisiert und spritsparender entwickelt werden – dafür benötigt die Reederei Finanzmittel. Um etwa Energiekosten zu sparen, hat Hapag-Lloyd mit einem syndizierten Green Loan Neubauten finanziert.

Für die Transformation legte die Traditionsreederei zudem einen Sustainability-linked Bond über 300 Millionen Euro auf. Und im Januar erst haben die Hamburger die revolvierende Kreditfazilität vertraglich verlängert – und dabei das Volumen von ursprünglich 360 auf 500 Millionen US-Dollar erhöht. „Unser Ziel bis 2030 ist es, die CO2-Intensität der gesamten Flotte um 30 Prozent zu senken im Vergleich zum Referenzjahr 2019“, sagte Mark Frese und fügte hinzu: „Bis 2045 möchten wir klimaneutral sein.“ Die Ziele sind eindeutig, indes ist der Weg noch alles andere als klar, denn viel muss noch in die Forschung und Entwicklung emissionsarmer Schiffe investiert werden.

Green FINANCE: Diskussion über Greenwashing-Gefahr

Beileibe nicht nur die Schifffahrt, sondern ganz viele Branchen beschäftigen sich derzeit mit Nachhaltigkeit und Green Finance. Eine Gefahr ist dabei immanent, nämlich die des Greenwashings. Mit dieser dunklen Seite von ESG setzte sich eine Diskussionsrunde auseinander. Ein Problem könne sein, dass Unternehmen sich Ziele setzten, die nicht ambitioniert genug seien, erklärte Tanguy Claquin, Global Head of Sustainability der Crédit Agricole.

Das führt direkt zu Green Finance, denn die Finanzierungen sind häufig an ESG-Ratings und eigene Nachhaltigkeitskennzahlen geknüpft. Ein Vorreiter bei einer solchen ESG-linked Transaktion ist der Anlagenbauer Voith aus Heidenheim. Deren Leiter Corporate Finance, Michael Hannig, machte klar, dass man sich an das Thema herantasten und Erfahrung sammeln müsse. Alexandra Themistockli, Head of Sustainability in der DACH-Region der SEB, erklärte, dass speziell Transparenz und der Purpose des Kapitaleinsatzes immer wichtiger würden.

Eine TED-Umfrage unter den Teilnehmern ergab, dass die Gefahr von Greenwashing als hoch angesehen wird. Speziell bei den Unternehmen der Realwirtschaft sieht die Mehrheit die größte Gefahr dafür, dass sie Aktivitäten umweltfreundlicher darstellen, als sie sind. Auf Rang zwei folgten die Asset Manager – hier kämpft etwa die DWS gegen die Anschuldigungen einer ehemaligen Mitarbeiterin, nicht genug in Sachen ESG unternommen zu haben. Banken hingegeben wurden in der TED-Umfrage fast nicht genannt.

Roundtables mit viel Praxisbezug

Viel Praxisbezug stand bei den Roundtables im Vordergrund: „Nachhaltigkeitsratings in Finanzierungen: Herausforderungen und Chancen“ mit CFO Matthias Breimhorst von der Felix Schoeller Group oder „Sustainable Supply Chain: So wirkt sich das Lieferkettengesetz aus“ mit Puma-Treasurer Frank Waechter. Auch Branchenthemen standen an wie etwa „Maschinen- und Anlagenbau: Enabler für eine nachhaltige Transformation“ mit dem Dürr-Treasurer Christian Aue.

Zum Abschluss der Konferenz lautete die Frage zudem: Wie muss sich der Green-Finance-Markt weiterentwickeln? Diese Frage stand im Fokus der Diskussionsrunde, an der die Treasurer Ulrich Borgstädt von Henkel, Dominik Paschinger von Mann+Hummel und Stefan Scholz von Continental teilnahmen. Mit ING-Banker Stefan Zeller blickten sie auf die mögliche Weiterentwicklung der grünen Finanzierungsinstrumente, etwa im Hinblick auf den Faktor S in ESG.

Kommt die Social-Welle?

Soziale Komponenten dürften neben Aspekten der Umwelt und der Unternehmensführung künftig an Bedeutung gewinnen. Continental hat beispielsweise schon eine soziale Komponente in den eigenen ESG-linked Loan eingebaut – die Quote von Frauen in Führungspositionen, wie Treasurer Stefan Scholz berichtete.

Darüber hinaus ging es auch in dieser Runde darum, wie wichtig Vergleichbarkeit und externe Zertifizierungen am Green-Finance-Markt sind und künftig noch sein werden. Auch das Thema EU-Regulierung, etwa die Taxonomie, wurde kritisch betrachtet.

In dem Bereich ist noch viel im Fluss, die genaue Ausgestaltung der regulatorischen Anforderungen ist in vielen Fällen noch offen. Doch sie dürfte die Finanzwelt noch Jahre beschäftigen. Aufgrund des großen Interesses soll es im kommenden Jahr wieder eine Green FINANCE Konferenz geben. Wann genau, werden wir Ihnen sobald wie möglich mitteilen.

koegler[at]dertreasurer.de

Konferenz verpasst? Mehr Infos zur Green FINANCE finden Sie hier.