Delivery Hero könnte das frische Geld für den Einstieg in Gorillas gebrauchen.

Delivery Hero

24.09.21
Finanzen & Bilanzen

Delivery Hero sammelt über 1 Milliarde Euro ein

Delivery Hero platziert Wandelanleihen. Das frische Geld könnten die Berliner in den nächsten Deal einfließen lassen. Das sind die Details.

Der Online-Essenslieferant Delivery Hero hat über zwei Wandelanleihen 1,25 Milliarden Euro platziert. Die Bonds wurden bei institutionellen Investoren platziert. Die erste Anleihe über 750 Millionen Euro ist mit 1 Prozent verzinst und läuft bis April 2026. Die zweite mit 2,125 Prozent verzinste Tranche über 500 Millionen Euro läuft bis März 2029. Die Verzinsung liegt nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa-AFX „am oberen Ende der Vorstellung des Delivery-Hero-Managements“.

Zudem gab daraufhin der Aktienkurs des Dax-Unternehmens nach – die Wandlung der Aktien kann mittelfristig zu einer höheren Aktienanzahl führen. Das Unternehmen kann die Anleihen vom 30. September 2024 (erste Tranche) an und vom 30. September 2025 (zweite Tranche) an unter bestimmten Voraussetzungen in Aktien umwandeln. Dabei soll der anfängliche Wandelpreis beider Tranchen 183,12 Euro betragen, was einer Prämie von 40 Prozent auf den Referenzpreis entspricht.

Das frische Geld wollen die Berliner „für allgemeine Unternehmenszwecke sowie zum Ergreifen von sich möglicherweise bietenden attraktiven Investitionsmöglichkeiten verwenden“, heißt es in einer Mitteilung von Freshfields, die das beteiligte Bankenkonsortium um JP Morgan, Morgan Stanley und Unicredit als Joint Global Coordinators sowie HSBC als weiteren Bookrunner rechtlich beraten hat.

Delivery Hero hat Interesse an Gorillas

Konkret dürfte damit der Einstieg in den Online-Essenslieferdienst Gorillas gemeint sein. Denn Ende August hieß es in mehreren Medienberichten, dass Delivery Hero Interesse an dem Start-up haben soll. Gorillas ist seit Mai 2020 am Markt aktiv und verspricht, Lebensmittel zu Supermarktpreisen in nur zehn Minuten nach Hause zu liefern. Der Zeitpunkt eines Einstiegs bei Gorillas könnte günstig sein, denn Delivery Hero würde eine Schwächephase nutzen: Noch im Frühjahr hoffte Gorillas, in der anstehenden Finanzierungsrunde mit 5 Milliarden Euro bewertet zu werden. Nun stehen lediglich 2 Milliarden Euro im Raum.

Mit den Wandelanleihen hat Delivery Hero sich eine günstige Akquisitionsfinanzierung gesichert. Bisher hat der Essenlieferdienst keine Gewinne erzielt. Mit dem Zeitpunkt kommt Delivery Hero einer möglichen Entscheidung der Zentralbanken zuvor, die Geldpolitik leicht zu straffen.

Delivery Hero würde mit der Übernahme von Gorillas auch wieder verstärkt an den deutschen Markt zurückkehren. Einen Aufschwung im Markt könnte der Lieferdienst gut gebrauchen, die jüngsten Halbjahreszahlen waren tiefrot. Unter dem Strich schlug ein Verlust von 918,1 Millionen Euro zu Buche. Ein Jahr zuvor fiel das Minus mit knapp 448 Millionen Euro nur etwa halb so groß aus. Operativ machte Delivery Hero von Januar bis Ende Juni einen Verlust (bereinigtes Ebitda) von 350,8 Millionen Euro. Der Essenlieferdienst ist stark auf Umsatzwachstum und die Gewinnung neuer Marktanteile ausgerichtet.

s.backhaus[at]dertreasurer.de