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24.07.20
Finanzen & Bilanzen

Deutsche Bank steigt bei Fintech Traxpay ein

Die Deutsche Bank will im Bereich Supply Chain Finance wachsen und beteiligt sich am Frankfurter Fintech Traxpay. Dessen Gründer und CEO Markus Rupprecht will weitere Banken an Bord holen.

Die Deutsche Bank steigt bei der Supply-Chain-Finance-Plattform Traxpay ein. Die Verträge wurden heute in Frankfurt unterzeichnet, wie die beiden Unternehmen soeben gegenüber DerTreasurer bekannt gaben. Zu den finanziellen Bedingungen des Deals äußerten sich die Parteien nicht. Dem Vernehmen nach hat sich Deutsche Bank aber mit einem Anteil von unter 10 Prozent bei dem Frankfurter Fintech eingekauft.

„Traxpay ist eine gute Ergänzung unseres Produktportfolios“, erklärt Daniel Schmand, Leiter für Handelsfinanzierung und Unternehmenskredite bei der Deutschen Bank im Gespräch mit DerTreasurer. „Wir werden damit zum Vollsortimenter im Bereich Supply Chain Finance.“ Man habe sich diverse Anbieter in dem Markt angeschaut. „An Traxpay hat uns sehr gut gefallen, dass sie von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit Banken ausgerichtet waren und sind - und Banken nicht als Wettbewerber sehen.“ 

Coronakrise sorgt für Boom bei Supply Chain Finance

Traxpay wurde bereits 2009 gegründet, hat sich damals aber zunächst auf B2B-Zahlungslösungen fokussiert. Vor etwa drei Jahren erfolgte dann der Strategieschwenk hin zur Lieferantenfinanzierung. Die Plattform bietet seither zwei verschiedene Spielarten an: Beim Dynamic Discounting setzt das Unternehmen eigenes Cash ein, um Unternehmen frühzeitig zu bezahlen. Beim Reverse Factoring springen Banken als Zwischenfinanzierer ein.

Im Zuge der Coronakrise wächst die Nachfrage nach Supply-Chain-Finance-Angeboten. Vor diesem Hintergrund ist auch das Investment der Deutschen Bank zu verstehen: „Liquiditätsversorgung steht derzeit bei vielen Unternehmen ganz oben auf der Agenda – und das wird auch so bleiben“, glaubt Schmand. Dank der Kooperation mit Traxpay könne man solche Programme künftig schneller aufsetzen.

Deutsche Bank will sich breiter aufstellen

Doch nicht nur für die Unternehmen wird die Optimierung des Working Capitals und die Sicherung der Lieferkette in Folge der Pandemie wichtiger. Auch für die Banken ist es aus Risikogesichtspunkten attraktiv, den Unternehmen Liquidität über kurzfristige Working-Capital-Linien zur Verfügung zu stellen. Sie erfordern eine geringere Kapitalhinterlegung als langfristige Kreditlinien.

Hinzu kommt, dass Unternehmen, die sich für die Einführung eines Supply-Chain-Finance-Programms entscheiden, immer häufiger proprietäre Bankenlösungen und multibankfähige Fintech-Angebote gegenüber stellen. Mit dem Einstieg bei Traxpay will die Deutsche Bank auch von letzterem Trend direkt profitieren. Vor kurzem gaben auch die Hypovereinsbank und das Fintech Taulia eine Partnerschaft bekannt - allerdings ohne Beteiligung.

„An Traxpay hat uns sehr gut gefallen, dass sie von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit Banken ausgerichtet waren.“

Daniel Schmand, Leiter Handelsfinanzierung und Unternehmenskredite, Deutsche Bank

Supply Chain Finance ist umkämpft

Traxpay wiederum erhofft sich vom Einstieg der Deutschen Bank einen wichtigen Impuls für seine Wachstumsziele: „Wir wollen der führende Anbieter im Bereich Supply Chain Finance in Europa werden und damit eine maßgebende Position im internationalen Wettbewerb einnehmen.“, kündigt Markus Rupprecht, Gründer und CEO von Traxpay an.

Das ist eine Ansage, schließlich ist der Markt für Lieferantenfinanzierung hart umkämpft: In dem Segment positionieren sich diverse Fintechs als Plattformanbieter. Dazu gehören unter anderem Taulia, CRX Markets, Crossinx, Cflox und C2FO. Ein klarer Marktführer kristallisiert sich dabei noch nicht heraus.

Traxpay hat sechs Abnehmer auf der Plattform

Traxpay hatte im Februar 2019 mit dem Lebensmittelhändler Edeka den ersten namenhaften Kunden für seine Plattform gewonnen. Derzeit nutzen nach Angaben des Fintechs sechs Unternehmen auf der Abnehmerseite die Plattform, 1.600 Lieferanten sind angebunden. Das über die Plattform abgewickelte Volumen habe in den vergangenen 18 Monaten bei 1 Milliarde Euro gelegen. „Wir sind vorsichtig optimistisch dank der Kooperation mit der Deutschen Bank bis zum Jahresende auf 2 Milliarden Euro zu kommen“, sagt Rupprecht. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank unterhält eigenen Angaben zufolge weltweit 600 Supply-Chain-Finance-Programme mit 30.000 angebundenen Lieferanten.

Es gibt aber noch einen zweiten Grund, weshalb sich das Fintech mit der Deutschen Bank einen Investor an Bord geholt hat: „In Gesprächen mit Kunden kam immer wieder die Unsicherheit zum Vorschein, wir lange sich die neuen Player halten können“, so Rupprecht. „Wir denken, dass wir diese Unsicherheit mit dem Einstieg eines kapitalstarken Partners nun stark minimiert haben.“

Commerzbank stieg bei Traxpay aus

Allerdings soll die Partnerschaft nicht beschränkt auf die Deutsche Bank bleiben. So will Traxpay weitere Banken als Investoren an Bord holen. „Die ersten Gespräche laufen bereits“, so Rupprecht. Die Deutsche Bank ist Schmand zufolge „absolut offen für weitere Investoren“. Die einzige Voraussetzung sei, dass man den Grundgedanken einer offenen Plattform teile.

Neben der Partnerschaft mit der Deutschen Bank unterhält Traxpay Vertriebskooperationen mit der NordLB und der LBBW. Die Partnerschaft mit der Commerzbank wurde derweil im vergangenen Herbst beendet, wie Rupprecht bestätigte. Damals gab es einen Management-Buy-out bei dem Fintech. Rupprecht und einige Vorstandskollegen stockten ihre Anteile auf, prominente Investoren wie die Commerzbank, die Software AG oder Earlybird gingen von Bord.

„In Gesprächen mit Kunden kam immer wieder die Unsicherheit zum Vorschein, wir lange sich die neuen Player halten können.“

Markus Rupprecht, Gründer und CEO bei Traxpay

Mit dem frischen Kapital will Traxpay vor allem sein Produktsortiment erweitern und neue Mitarbeiter anheuern. So sei etwa geplant, das Dynamic Discounting Angebot auch kleineren Unternehmen zugängig zu machen und ein Factoring-Programm aufzulegen. Auch in den Ausbau von Nachhaltigkeitskomponenten will das Fintech investieren. Seit April bietet Traxpay die Integration von ESG-Faktoren bei der Lieferkettenfinanzierung an.

Buchholz[at]derTreasurer.de

Lieferkettenfinanzierung war lange ein Nischenthema, doch die Coronakrise rückt das Thema in den Fokus. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite Supply Chain Finance.

Neben Traxpay werden auch andere Fintechs für Finanzabteilungen interessanter. Mehr erfahren Sie auf der Themenseite Fintechs im Treasury.

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