Der Green Schuldscheinmarkt wächst. Fünf Banken wollen nun mit dem Bundesverband Öffentlicher Banken, einen Marktstandard entwickeln.

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15.04.21
Finanzen & Bilanzen

Schuldschein-Platzhirsche tun sich zusammen

Der Bundesverband Öffentlicher Banken hat mit fünf Banken eine neue Marke für grüne Schuldscheine entwickelt. Damit wollen LBBW, Helaba, DZ Bank & Co. einen einheitlichen Qualitätsstandard setzen.

Der Green-Finance-Markt ist um eine Marke reicher. Der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) hat mit den vier Landesbanken BayernLB, Helaba, LBBW und NordLB sowie der genossenschaftlichen DZ Bank eine neue Marke für grüne Schuldscheine entwickelt. Mit der jetzt gestarteten Marke namens „Green Schuldscheindarlehen“ wollen die Banken und der Verband einen „grünen Qualitätsstandard für das weit verbreitete Instrument der Unternehmensfinanzierung“ setzen, teilten die Kreditinstitute und der Verband in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

„Es gab zwischenzeitlich viele Transaktionen [am grünen Schuldscheinmarkt, Anm. der Redaktion], die sich an individuellen KPIs orientieren. Dies führte zu einer schwierigen Vergleichbarkeit der einzelnen Transaktionen bezüglich der ESG-Kriterien“, erläuterte ein Sprecher des Bundesverband Öffentlicher Banken die Beweggründe für diese Initiative.

Was ein Schuldschein der VÖB-Marke erfüllen muss

Ein Schuldscheindarlehen, das zukünftig die VÖB-Marke trägt, diene ausschließlich der Finanzierung ökologischer Zwecke, heißt es in der Erklärung. Die Mittelverwendung orientiert sich demnach an den sechs Umweltzielen der EU-Taxonomie-Verordnung: Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltige Nutzung und der Schutz von Wasser und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und Ökosysteme sowie Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung.

„Die Taxonomie soll als Klassifizierungsrahmen im Corporate Schuldscheindarlehens-Markt etabliert werden“, sagte der VÖB-Sprecher weiter. „Damit wollen wir auch eine ,einheitliche Sprache‘ mit klar definierten Begrifflichkeiten fördern.“  Zukünftig könnten damit bestenfalls auch die Kosten von grünen Transaktionen sinken, da auf einen EU-Standard referenziert und die Qualität des „Grüns“ nicht individuell definiert und erläutert werden müsste.

Eine Drittpartei solle im Rahmen einer unabhängigen Bewertung den Taxonomie-Bezug der Mittelverwendung sicherstellen. Nachhaltigkeitsagenturen wie MSCI, Sustainalytics oder ISS ESG können Unternehmen beispielsweise im Rahmen einer Second Party Opinion bescheinigen, dass sie für grüne Transaktionen gerüstet sind. Außerdem sind die Schuldscheinemittenten, die einen grünen Schuldschein unter der neuen VÖB-Marke begeben, dazu verpflichtet, regelmäßig über die Verwendung der Mittel und die erzielten Wirkungen zu berichten.

Erste Transaktionen unter der neuen Marke erwartet der Bundesverband Öffentlicher Banken aufgrund des Bezugs zur Taxonomie-Verordnung im späteren Jahresverlauf 2021.

Grüne Schuldscheine gibt es seit 2016

Grüne Schuldscheine sind nicht neu, es gibt sie bereits seit fünf Jahren. Den ersten Schuldschein dieser Art hatte 2016 der Hamburger Windkraftanlagenbauer Nordex platziert. Schon bislang konnten die Emittenten eines grünen Schuldscheins den Emissionserlös nur für nachhaltige Projekte einsetzen. Zudem setzten sie oft auf eine externe Zweitmeinung, um Investoren die Einschätzung des Instruments zu erleichtern.

Allerdings gibt es bisher keine festgeschriebenen Regeln, wie ein grüner Schuldschein genau ausgestaltet sein muss. Die Emittenten orientieren sich an dem an grüne Anleihen angelehnten Marktstandard. Das möchte der Bundesverband Öffentlicher Banken gemeinsam mit der BayernLB, der Helaba, der LBBW, der NordLB und der DZ Bank nun ändern. Weltweit betrachtet machen Green Schuldscheine aber nur einen kleinen Anteil des Green-Finance-Marktes aus, da es sich hierbei um ein typisch deutsches Instrument handelt.

Mit der neuen Marke „Green Schuldscheindarlehen“ versuchen wesentliche Player des Schuldscheinmarkts nun einen Standard zu setzen. Gerade in dem jungen Markt für grüne Finanzierungen gibt es zwar viele Innovationen, aber noch relativ wenige klare Richtlinien.

Markt für grüne Schuldscheine wächst

Der Ansatz der fünf Banken kommt zur richtigen Zeit, denn der Anteil grüner Papiere an den Schuldschein-Neuemissionen nimmt stetig zu. „Im Jahr 2020 waren etwa 13 Prozent des neu emittierten Volumens grün“, sagte kürzlich Sebastian Knapp, Senior Originator bei der Helaba, zu unserer Schwesterpublikation FINANCE. Mit grün meint der Experte aber sowohl Green Schuldscheine als auch ESG-linked Schuldscheine, bei denen die Marge an Nachhaltigkeitskomponenten geknüpft ist. „Im ersten Quartal 2021 waren es fast 50 Prozent des Gesamtvolumens“, betont er. Dass sich die knapp 50 Prozent über das Gesamtjahr halten werden, glaubt Knapp zwar nicht. Doch rund ein Drittel des Schuldscheinvolumens könnte durchaus in Form von nachhaltigen Finanzierungen platziert werden.

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Zudem dürften die fünf Banken die neue VÖB-Marke „Green Schuldscheindarlehen“ weiter vorantreiben. Denn die vier Landesbanken BayernLB, Helaba, LBBW und NordLB sowie die DZ Bank sind im Schuldscheinmarkt die großen Marktplayer. Blickt man auf die League Tables der Banken, die im vergangenen Jahr Schuldscheintransaktionen begleitet haben, ist die LBBW mit mehr als 25 Prozent der Marktführer in diesem Bereich. Das geht aus einem Schuldschein-Update von Refinitiv hervor, das der Datenanbieter exklusiv für unsere Schwesterpublikation FINANCE aufbereitet hat und das Sie hier nach kurzer Registrierung kostenlos herunterladen können.

Die Helaba folgt demnach mit einem Marktanteil von knapp 16 Prozent auf Platz zwei, die BayernLB mit einem Marktanteil von 9 Prozent auf Platz vier und die DZ Bank mit einem Marktanteil von mehr als 6 Prozent auf Platz sechs. Die NordLB ist in den Top-Ten nicht vertreten.  Damit decken die Initiatoren über die Hälfte des Marktes (56 Prozent ohne NordLB) ab.

Paulus[at]derTreasurer.de