Neue Grüne Transaktionen, aktuellen Entwicklungen in der ESG-Regulatorik: Alle News rund um Sustainable Finance finden Sie hier im Green-Finance-Ticker.

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18.01.22
Finanzen & Bilanzen

Green Finance: Knorr-Bremse schließt ESG-linked Loan ab

Knorr-Bremse schließt erstmals einen Kredit mit Nachhaltigkeitskomponente ab und die Helaba rechnet mit einem weiteren Wachstum bei ESG-Schuldscheinen. Diese und weitere News aus rund um ESG und den Finanzmarkt hier im Green-Finance-Ticker.

Update 18.1: Erster ESG-linked Loan für Knorr-Bremse

Das Münchener Unternehmen Knorr-Bremse hat seinen ersten Konsortialkredit abgeschlossen, der zudem an Nachhaltigkeitskriterien gekoppelt ist. Das Volumen beträgt 750 Millionen Euro. Konkret hat das Unternehmen als Messlatte der eigenen Nachhaltigkeitsleistung ein ESG-Rating von ISS Corporate Solutions gewählt. Derzeit liegt die Bewertung bei C+. Je nachdem, ob sich das Rating verbessert oder verschlechtert, kann die Kreditmarge sinken oder steigen. Deutsche Bank und Unicredit haben die Transaktion koordiniert.

Mit dem Kredit, der über fünf Jahre läuft und zweimal um jeweils ein Jahr verlängert werden kann, ändert das Unternehmen zudem auch seine Finanzierungsstrategie. „Mit der Konsortialfinanzierung erweitern wir unsere Instrumente für die Langfristfinanzierung und modifizieren unsere bisherige Strategie, die von kurzfristig zugesagten, bilateralen Kreditlinien in Kombination mit langfristigen Kapitalmarktinstrumenten geprägt war“, erklärt Frank Markus Weber, Finanzvorstand von Knorr-Bremse.

Update 14.1.2022: ESG-Schuldscheine im Aufwind

Die Helaba rechnet damit, dass 2022 mehr als 50 Prozent des Marktvolumens am Schuldscheinmarkt auf nachhaltige Schuldscheine entfallen wird. Damit sind sowohl projektgebundene Green Schuldscheine sowie ESG-linked Schuldscheine, also mit Zinskoppelung an ESG-Rating oder ESG-KPIs, gemeint. Damit dürfte die Marke von 10 Milliarden Euro Platzierungsvolumen überschritten werden. Als einen Treiber der Entwicklung sieht die Bank unter anderem die neuen Berichtspflichten zu Nachhaltigkeitsthemen, die auf viele Unternehmen zukommen.

Update 14.1.2022: Felix Schoeller Group begibt digitalen ESG-Schuldschein

Das Familienunternehmen Felix Schoeller Group hat einen digitalen Schuldschein mit ESG-Bezug platziert. Der Spezialpapierhersteller lässt sich bereits seit 2018 von der Nachhaltigkeitsagentur Ecovadis bewerten.

Der Schuldschein dient der allgemeinen Unternehmensfinanzierung und wurde über die Digitalplattform Finpair begeben. Das Fintech hat sich entschlossen, für jede abgeschlossene Transaktion 100 Bäume zu pflanzen. Weitere Details wie das Volumen oder die genaue Ausgestaltung des ESG-Bezugs sind nicht bekannt.

Update 12.1.2022: E.on platziert neuen Green Bond

Der Energiekonzern E.on ist ein Frequent Issuer am Gree-Finance-Markt. Nun hat das Unternehmen eine neue grüne Anleihe platziert. Der Bond über 800 Millionen Euro hat eine Laufzeit bis 2034 und wird mit 0,875 Prozent verzinst. Der Erlös dient „zur Finanzierung und/oder Refinanzierung berechtigter grüner Projekte gemäß Definition im Green Bond Framework von E.on“, heißt es.

Die aktuelle Emission besteht zudem noch aus einer herkömmlichen Anleihe über 500 Millionen Euro für allgemeine Unternehmenszwecke. Dieser Bond läuft bis 2026 und wird mit 0,125 Prozent verzinst.

Update 10.1.2022: Indus platziert ESG-linked Schuldschein

Es ist bereits das zweite Mal, dass Indus auf einen ESG-linked Schuldschein setzt. Das neue Papier hat ein Volumen von 56 Millionen Euro und besteht aus Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sieben und zehn Jahren. Gezeichnet wurde der Schuldschein nach Angaben des Unternehmens bei Investoren aus dem Sparkassensektor. Im September 2020 hatte die mittelständige Beteiligungsgesellschaft erstmals auf eine solche Transaktion gesetzt.

Als Messlatte für die Verzinsung des Schuldscheins hat sich Indus für das ESG-Rating entschieden, dass die Agentur ISS-ESG erstellt. Derzeit erhält das Unternehmen dort den Prime  Status und die Bewertung C+ im Bereich Corporate ESG Performance. Details darüber, wie sich das Rating für eine Verschiebung des Kupons verändern müsste und wie hoch der finanzielle Vor- oder Nachteil genau ausfällt, sind nicht bekannt.

Update 10.1.2022: Reconcept begibt neuen Green Bond

Reconcept, ein Unternehmen, das Erneuerbare-Energien-Projekte mit Investoren verbindet, emittiert einen neuen Green Bond. Das geplante Volumen des Papiers, das derzeit gezeichnet werden kann, wurde auf 15 Millionen Euro erhöht. 10,7 Millionen Euro davon sind nach Angaben des Unternehmens bereits gezeichnet. Der Bond läuft über sechs Jahre und wird mit 6,25 Prozent verzinst. Mit den Mitteln soll die Projektentwicklung im In- und Ausland vorangetrieben werden. Dazu zählen unter anderem Windenergieanlagen und Photovoltaikprojekte.

Update 3.1.2022: S Immo platziert grüne Anleihe

Das Immobilienunternehmen S Immo begibt einen Green Bond über 50 Millionen Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren. Der Bond, der mit 1,25 Prozent pro Jahr verzinst wird, enthält eine Aufstockungsoption. Die Vermarktung des Papiers läuft aktuell. Die Transaktion wird von der Erste Group Bank als Sole Lead Manager und Bookrunner begleitet. 

Der Green Bond ist nicht der erste seiner Art für das österreichische Unternehmen. „Moderne und energieeffiziente Immobilien mit höchsten Standards sind nicht nur in Bezug auf eine nachhaltige Wertentwicklung unseres Portfolios wesentlich, sondern auch im Sinne des Umweltgedankens. Mit der erfolgreichen Anleiheemission werden wir unser Wachstum in genau diesem Bereich fortsetzen“, kommentiert CEO Bruno Ettenauer die Transaktion. 

Update 1.1.2022: EU-Kommission will Gas und Atom in Taxonomie aufnehmen

Die EU-Kommission hat zum neuen Jahr den Plan bekanntgegeben, die Energieerzeugung aus Gas und Atomkraft in die EU-Taxonomie aufzunehmen. Die Kommission argumentiert, diese Formen der Energieerzeugung könnten einen Beitrag zum Übergang hin zu erneuerbaren Energien sein. Darüber hinaus sollen die Transparenzvorgaben angepasst werden, sodass Investoren erkennen können, ob Atom- oder Gasaktivitäten enthalten sind. 

Der Streitpunkt darüber, ob gerade Atomenergie in die Taxonomie aufgenommen wird, war lange bekannt. Vor allem Frankreich votiert dafür, Deutschland ist dagegen. Die nun just zum Jahreswechsel bekanntgegebene Entscheidung hat sofort harsche Kritik ausgelöst. Atomenergie als nachhaltig zu deklarieren, sehen viele als Greenwashing an. Dass die Pläne der Kommission aber noch gestoppt werden, gilt als unwahrscheinlich. Dafür müssten 20 der 27 Mitgliedsstaaten widersprechen. 

Update 29.12.2021: Neumann Kaffee schließt neues Master Credit Agreement ab

Die Neumann Kaffee Gruppe hat ein Master Credit Agreement über 1 Milliarde Euro neu gefasst. Dabei hat das Unternehmen ESG-Elemente in die Vereinbarung eingebaut, die sich an der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens orientieren. Details zu den ESG-Aspekten sind jedoch nicht bekannt. 

Darüber hinaus hat das Unternehmen einen Mechanismus in die Vereinbarung eingebaut, die eine bevorzugte Umstellung von US-Libor auf den neuen Zinssatz-Term Sofr ermöglicht, ohne dass dafür weitere Vertragsanpassungen notwendig sind. Laut der Kanzlei Linklaters, die das Bankenkonsortium bei der Transaktion beraten hat, ist das Unternehmen damit eines der ersten im Markt. 

Kreditgeber waren 13 internationale Banken, darunter Deutsche Bank und Rabobank als ESG Coordinators. Commerzbank war als Borrowing Base Monitoring Agent tätig. 

Update 21.12.2021: Baywa begibt ESG-linked Schuldschein

Erstmals hat der Münchener Mischkonzern Baywa einen ESG-linked Schuldschein abgeschlossen. Das Papier hat ein Volumen über 350 Millionen Euro. Im Mittel liegt die Laufzeit bei 6,3 Jahren und der durchschnittliche Zinskupon bei 1,15 Prozent. Die Tranchen liegen zwischen fünf und zehn Jahren. Nach Angaben des Unternehmens war das Papier mehrfach überzeichnet.

Als ESG-Link setzt die Baywa ein Nachhaltigkeitsrating der Agentur MSCI ein, welches derzeit bei AA liegt. Damit nutzt der Konzern die gleiche Messlatte wie bereits im September bei der ersten ESG-linked Konsortialfinanzierung des Unternehmens. Mit dem Erlös des Schuldscheins sollen vor allem die Schuldscheine aus den Jahren 2021 und 2022 refinanziert werden. 

Baywa-Treasurer Uwe Falk erklärt, dass mit dem Abschluss des Schuldscheins nun mehr als 50 Prozent aller Fremdmittel im Portfolio des Unternehmens durch grüne und nachhaltige Finanzprodukte abgedeckt werden. Die Münchener hatten zuvor schon einen Green Bond genutzt. Die aktuelle Transaktion wurde von Commerzbank, DZ Bank und LBBW begleitet. 

Update 21.12.2021: Grüne Garantielinie für Siemens Gamesa

Siemens Gamesa Renewable Energy hat ihre erste grüne Garantielinie über 200 Millionen Euro abgeschlossen. Die Linie vereinbarte der Hersteller von Off- und Onshore-Windkraftanlagen mit der RBI. „Bei Siemens Gamesa konzentrieren wir uns darauf, in allen Bereichen immer nachhaltiger zu werden, und diese Vereinbarung ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Diese Garantielinie wird unser Onshore-, Offshore- und Servicegeschäft und damit unsere Kunden und die globale Energiewende unterstützen“, sagte Gonzalo Onzain, Head of Capital Markets and Bank Relations zu der Transaktion. 

Die Mittel aus der Garantielinie sollen für grüne Projekte, wie Windkraftanlagen genutzt werden. Die förderwürdigen Projekte und ihre Umweltauswirkungen wird das Unternehmen in einem jährlichen Green Report dokumentieren, heißt es seitens der Bank. 

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