Dürr sorgt für eine erneute Premiere am Green-Finance-Markt und nutzt einen Zinsswap mit Nachhaltigkeitskomponente.

Dürr AG

25.09.20
Finanzen & Bilanzen

Green Finance: Dürr setzt auf ESG-linked Zinsswap

Als Pionier bei grünen Finanzierungen ist Dürr bereits bekannt. Nun hat der Maschinen- und Anlagenbauer eine Wandelanleihe platziert und dabei erstmals einen Zinsswap mit einer Nachhaltigkeitskomponente gekoppelt.

Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr erweitert sein Spektrum an grünen Finanzierungen. Die Bietigheim-Bissinger haben eine Wandelanleihe mit Nachhaltigkeitskomponente platziert, die nach eigenen Angaben mehrfach überzeichnet war. Das Volumen der Transaktion beträgt 150 Millionen Euro. Der Bond läuft über 5,3 Jahre und wird mit 0,75 Prozent verzinst. Die Wandlungsprämie liegt bei 40 Prozent.

Begleitet wurde die Emission von BNP Paribas, LBBW und Unicredit. Der Erlös soll für allgemeine Unternehmenszwecke, die Refinanzierung von Verbindlichkeiten und künftige M&A-Deals genutzt werden.

Dürr schließt Derivat mit ESG-Link ab

Den Faktor Nachhaltigkeit hat das Unternehmen in einer separaten Transaktion folgendermaßen eingebaut: Dürr hat mit der Unicredit einen Zinsswap abgeschlossen, um sich gegen das Zinsänderungsrisiko der Finanzierung abzusichern. Dieser Zinsswap ist wiederum an Dürrs Nachhaltigkeitsrating gekoppelt, das die Agentur Ecovadis erteilt. Verbessert sich das Rating nicht in einem bestimmten Umfang, so muss das Unternehmen einen festen Betrag an die Unicredit zahlen.

Details zu den konkreten Zielen oder der Summe, die zu zahlen wäre, sind nicht bekannt. Der Betrag soll nachhaltigen Projekte zugutekommen, und nach Angaben der Bank zu 100 Prozent an die Projekte fließen, und nicht als Profit bei der Bank verbleiben. „Indem sie die Wandelanleihe über den Zinsswap mit einer Nachhaltigkeitskomponente koppelt, unterstreicht die Dürr AG erneut ihre Vorreiterrolle bei nachhaltigen und innovativen Finanzierungen“, sagt Jan Kupfer, Corporate & Investment Banking-Vorstand der Hypovereinsbank.

Dürr mit erneuter Green-Finance-Premiere

Dürr hatte bereits im Sommer 2019 als erstes Unternehmen einen ESG-linked-Schuldschein abgeschlossen. Die Verzinsung dieses Papiers ist wie der Zinsswap an das Rating der Nachhaltigkeitsagentur Ecovadis gekoppelt. Wenige Wochen später zog Dürr den Mechanismus zudem in einen Konsortialkredit über 750 Millionen Euro ein.

Bei Unternehmen außerhalb Deutschlands gab es bereits erste Derivate-Transaktionen mit Nachhaltigkeitskomponente. Die ING gab im vergangenen Sommer beispielsweise den Abschluss des nach eigenen Angaben weltweit ersten „Sustainability Improvement Derivate“ mit einem niederländischen Unternehmen bekannt. Der Markt ist entsprechend jung: „Bislang stecken ESG-gebundene Derivate zur Absicherung von Zins- oder Währungsrisiken weltweit noch in den Kinderschuhen. Während es ESG-Komponenten im Grundgeschäft zum Beispiel bei Anleihen, Schuldscheinen oder Krediten ja durchaus schon verbreitet sind, sind ESG-Vereinbarungen in der derivativen Komponente wirklich etwas sehr Neues“, kommentiert Gerhard Biasi, Leiter Investment Banking für Firmenkunden bei der Hypovereinsbank.

Die Bank selbst hat ebenfalls bereits erste Erfahrungen auf dem Gebiet gemacht. In Italien schloss die Unicredit einen ähnlichen Swap im Zusammenhang mit einem ESG-linked-Loan für den Hochgeschwindigkeitszugbetreiber Italo ab.

Rating versus KPIs

Auch bei Swaps sind viele verschiedene Ausgestaltungen möglich, wie man sie auch am Markt für ESG-linked Loans oder Schuldscheinen sieht. Neben der Koppelung des Zinssatzes an ein Nachhaltigkeitsrating wären auch individuell vereinbarte Kennzahlen denkbar. Die Unicredit führt beispielhaft die Reduktion von CO2-Emissionen an.

Koegler[at]derTreasurer.de

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