Nachhaltigkeit wird bei den meisten Unternehmen inzwischen groß geschrieben. Wie wichtig die ESG-Faktoren für Emittenten und Investoren sind, zeigt eine aktuelle Studie der HSBC.

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14.10.20
Finanzen & Bilanzen

Green Finance: Emittenten verstärken ihren ESG-Fokus

Dass Corona den Trend zu nachhaltigen Finanzierungen nicht gebremst hat, ist an der Zahl der Transaktionen abzulesen. Nun zeigt eine Studie der HSBC, wie sehr sich der Faktor ESG längst in den Finanzabteilungen verankert hat.

Der Faktor Nachhaltigkeit und Green Finance ist im Mainstream angekommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter 2.000 Investoren und Emittenten, die die HSBC jährlich durchführt und DerTreasurer exklusiv vorliegt. Zu den Emittenten zählen neben Unternehmen auch staatliche Einrichtungen und Banken. Die Studie zeigt zudem deutlich, dass auch die Coronakrise den Trend zu einer höheren Gewichtung von Nachhaltigkeitsfaktoren nicht aufhält. Lediglich 1,5 Prozent aller Befragten, geben an, dass die Krise ihre ESG-Bemühungen dauerhaft gestoppt hätte. Bei etwas mehr als 9 Prozent der Investoren und 12 Prozent der Emittenten wurde das Thema „temporär“ auf Eis gelegt.

Dagegen gab mehr als die Hälfte der befragten Investoren und sogar drei Viertel der Emittenten an, dass die Pandemie „ihr Engagement für Umwelt, Soziales und Governance (ESG) verstärkt“ habe. Teilweise habe es auch zur Überzeugung geführt, „dass sie dem Thema bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hätten“, schreibt die HSBC.

Europäische Emittenten nehmen Nachhaltigkeit ernst

Dass Emittenten Umwelt und Sozialthemen laut der Umfrage als noch wichtiger empfinden als Investoren, zeigt sich auch in den europäischen Zahlen. 95 Prozent der Unternehmen halten diese Themen für sehr wichtig oder etwas wichtig. Bei den Investoren sind es nur 79 Prozent.

Während die europäischen Emittenten mit ihrem ESG-Commitment von 95 Prozent leicht über dem globalen Durchschnitt liegen, fallen die europäischen Investoren gegenüber dem globalen Schnitt ab. Weltweit werten 86 Prozent aller Investoren Umwelt- und  Sozialthemen als sehr wichtig oder etwas wichtig. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass dies auch daran liegen könnte, dass europäische Investoren bereits jetzt höhere ESG-Maßstäbe anlegen als Investoren in anderen Regionen.

Allerdings legt die Studie auch offen, dass rund ein Viertel aller europäischer Investoren keine unternehmensweite nachhaltige Anlagestrategie entwickeln will. Laut den Autoren sei die Zurückhaltung der deutschen Investoren mit 30 Prozent dabei am größten. Womöglich liegt der Grund auch darin, das ESG-Faktoren bei vielen europäischen Investoren ohnehin zur Analyse jeder Investmententscheidung zählen. In Europa geben das jedenfalls 39 Prozent aller Investoren an, weltweit sind es nur 31 Prozent.

Wertevorstellung treibt Unternehmen zu ESG

Es ist aber weniger die Investorenseite, die Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit animiert, sondern laut Studie deren eigener Antrieb. Mit 61 Prozent gibt die Mehrheit der Befragten an, dass es die eigenen Werte sind, die ihr Handeln treiben.

41 Prozent der Emittenten führen den Druck zudem auf Nichtregierungsorganisationen zurück, die sogenannten NGOs. Bei 36 Prozent der Befragten sind auch die eigenen Kunden als Motivation wichtig. Darüber hinaus erwarten ebenfalls rund 36 Prozent höhere Returns ihrer Investitionen, wenn sie dabei ESG-Faktoren berücksichtigen. Die Kapitalgeber und Investoren scheinen dagegen hier noch kein entscheidende Rolle zu spielen.

Investoren spüren regulatorischen Druck

Investoren hingegen spüren zunehmend den regulatorischen und den gesellschaftlichen Druck, sich mit ESG-Faktoren zu befassen. Der wichtigste Treiber für Anleger bleibt aber nach wie vor das Risiko-Rendite-Verhältnis. Und hier zeigt die Studie auch, dass ESG für Investoren längst kein reines Moralthema mehr ist. Knapp die Hälfte der Investoren gibt an, dass die Einbindung von Nachhaltigkeitsfaktoren ihr Risikoprofil verbessert und ihre Renditen erhöht.

Daniel Klier, Global Head Sustainable Finance der HSBC, begrüßt, dass ESG-Deals „zunehmend als ernstzunehmende Assetklasse“ und weniger als „Ausdruck des Engagements für soziale und ökologische Fragen“ bewertet werden. Das sei eine „positive Entwicklung“, denn der „langfristige Erfolg von ESG-Investments“ liege in der Fähigkeit, mit den bereits etablierten Anlagemöglichkeiten in Bezug auf Risiko und Rendite zu konkurrieren.

Koegler[at]dertreasurer.de

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