Knorr-Bremse baut einen ESG-Link in sein Supply-Chain-Finance-Programm ein.

Foto Knorr-Bremse

16.12.22
Finanzen & Bilanzen

Knorr-Bremse will ESG-Themen in der Lieferkette vorantreiben

Knorr-Bremse baut einen ESG-Link in sein Supply-Chain-Finance-Programm ein. Das Unternehmen setzt dabei auf zwei unterschiedliche Bewertungen.

Nachhaltige Lieferkettenfinanzierungen verbreiten sich weiter. Nun hat Knorr-Bremse, ein Hersteller von Bremssystemen und Anbieter von Systemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge, gemeinsam mit der Deutschen Bank einen ESG-Link in sein globales Supply-Chain-Finance-Programm eingebaut. An dem Programm, das seit rund 15 Jahren besteht, sind hunderte von Lieferanten beteiligt.

Mit dem Einbau des ESG-Links setzt das Unternehmen einen finanziellen Anreiz für Lieferanten, ihre ESG-Ratings zu verbessern. „Verbessert sich das ESG-Rating können unsere Lieferanten durch die Deutsche Bank von deutlich besseren Konditionen im Rahmen unseres Supplier-Early-Payment-Programms profitieren“, erklärt Senior Treasurer Rainer Gerstung von Knorr-Bremse. 

„Gleichzeitig gibt es auch einen Malus – wer etwa keine ESG-Bewertung einholt, wird langfristig schlechtere Konditionen erhalten“, erklärt er. Es gebe allerdings eine Übergangsfrist, bis dieser Mechanismus greife. Geprüft werde einmal im Jahr, ob es eine Ratingveränderung gegeben habe. Danach würden die Konditionen der Lieferantenfinanzierung entsprechend angepasst. 

Knorr-Bremse setzt auf NQC-Bewertung

In Absprache mit der Deutschen Bank hat Knorr-Bremse als Bewertungsmaßstab die Ratings von Ecovadis und NQC gewählt. Die Ratings der Agentur Ecovadis, die auf die Supply Chain fokussiert ist, werden häufig für Sustainability-Links in Lieferkettenfinanzierungen verwendet. Auch Henkel nutzt dieses Rating für ein nachhaltiges Supply-Chain-Finance-Progamm. Die Bewertung von NQC, einem Anbieter von Risiko- und Sorgfaltspflicht-Management in der Lieferkette, wurde bislang noch nie in einem solchen Programm eingesetzt. 

„Wir haben uns dafür entschieden, diese Bewertung in das Programm einzubauen, da sie in der Automobilbranche sehr verbreitet ist und wir bei Knorr-Bremse unsere Lieferanten schon seit Jahren dazu auffordern, den Fragebogen von NQC auszufüllen“, erklärt Gerstung. Ein weiterer Vorteil sei, dass eine Bewertung durch NQC keine Kosten für den Lieferanten mit sich bringe. „Wir wollen das Programm dadurch auch für kleinere Lieferanten attraktiv machen“, so der Treasurer.  

Mehraufwand beim Aufsetzen des SSCF

Für Deutsche Bank und Knorr-Bremse ist durch den erstmaligen Einsatz dieser Bewertung aber auch ein deutlicher Aufwand entstanden. „Wir mussten dafür sorgen, dass unsere finanzielle Anreizstruktur fair ist – unabhängig davon, ob ein Lieferant sich für ein Rating von Ecovadis oder NQC entscheidet“, erklärt Anil Walia, der bei der Deutschen Bank das Thema verantwortet. Durch den Einbau von zwei Ratings sei das Programm deutlich flexibler für Lieferanten, speziell in der Automobilindustrie. 

Mit dem Aufsetzen des Sustainability-linked Supply-Chain-Finance-Programm haben Knorr-Bremse und Deutsche Bank zur Jahresmitte begonnen. Nun ist die ESG-Komponente aktiv, erste Lieferanten werden nun darüber informiert. „Wir machen das in Wellen, damit wir die Lieferanten nach und nach in das Programm einordnen können“, erklärt Treasurer Gerstung. 

Knorr-Bremse setzt auf Green Finance

Für Knorr-Bremse ist die klare strategische Entscheidung gefallen, nachhaltige Finanzierungsinstrumente einzusetzen, um die eigene ESG-Transformation voranzutreiben. Das Unternehmen hat zu Jahresbeginn einen ESG-linked Loan abgeschlossen und im Herbst erstmals einen Sustainability-linked Bond emittiert. 

Koegler[at]derTreasurer.de