Der Corona-Aufschlag für Unternehmen steigt. Neue Finanzierungen sind im Vergleich zu Ende März noch einmal teurer geworden.

Jakob Eich/Frankfurt Business Media

28.04.20
Finanzen & Bilanzen

Krisenverlauf lässt Corona-Aufschlag bei Banken und Debt Fonds steigen

Viele Banken und Debt Fonds sind trotz Coronakrise für neue Finanzierungen offen. Doch die Preise dafür sind in den vergangenen vier Wochen noch einmal deutlich gestiegen, zeigt eine aktuelle Umfrage.

Fast alle Banken und Debt Fonds sind trotz des immer noch schwierigen Marktumfeldes infolge der Coronakrise inzwischen wieder bereit, Unternehmen neue Finanzierungen zur Verfügung zu stellen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 30 Banken und 40 Debt Fonds, die die Finanzierungsberatung GCA Altium Ende April telefonisch durchführte.

Mehr Finanzierer für Finanzierungen offen als Ende März

Im Vergleich zur ersten Umfrage dieser Art, die GCA Altium am 25. und 26. März durchführte, ist nun ein weiteres knappes Fünftel der Banken offen für neue Finanzierungen. Insgesamt gaben 90 Prozent der befragten Kreditinstitute an, trotz des widrigen Marktumfeldes generell bereit zu sein, neue Finanzierungsprojekte einzugehen. Vor rund vier Wochen gaben das nur 71 Prozent der Banken an.

Auch die Debt Fonds sind nun wieder offener für neue Finanzierungsprojekte als dies Ende März der Fall war. 91 Prozent der Debt Fonds gaben bei der zweiten GCA-Altium-Umfrage an, für neue Finanzierungsprojekte bereit zu stehen. Im Vergleich zur ersten Umfrage der Investmentbank ist das noch einmal eine Steigerung um 13 Prozentpunkte.

„Diese positive Entwicklung im Vergleich zu den Ergebnissen von vor vier Wochen könnte dadurch ausgelöst worden sein, dass Deutschland und andere Staaten zaghafte Schritte aus dem Lockdown unternehmen“, schreiben die Studienautoren von GCA Altium. Die generelle Offenheit bedeutet aber nicht, dass die Banken auch in ein konkretes Finanzierungsprojekt einsteigen, ist aus anderen Finanzkreisen zu hören, die die Situation teilweise gedämpfter einschätzen.

Banken fordern in Coronakrise noch höhere Zinsmarge

Unternehmen müssen für diese neuen Finanzierungen im Durchschnitt jedoch noch tiefer in die Tasche greifen, als dies vor vier Wochen der Fall war. GCA Altium zufolge ist die „Corona-Risikoanpassung“ nicht verschwunden. „Sowohl Banken als auch Debt Fonds verlangen aufgrund der derzeitigen Situation im Schnitt einen Margenzuschlag von 50 bis 250 Basispunkten jährlich“, sagen die Experten der Investmentbank.

Bei einer vorrangig besicherten Finanzierung für ein Unternehmen aus einer attraktiven Branche mit einem guten Cashflow-Profil und einem Leverage von 3,5mal verlangt demnach ein Viertel der Banken eine Prämie von 350 bis 400 Basispunkten. Bei 61 Prozent würde die Marge bei 400 bis 450 Basispunkten liegen, bei 14 Prozent sogar noch darüber.

Damit ist die Zinsmarge, die Unternehmen inzwischen durchschnittlich für eine potentielle neue Bankfinanzierung bezahlen müssen, in den vergangenen vier Wochen noch einmal gestiegen. Denn Ende März hatten 61 Prozent der Banken von einem Unternehmen mit den gleichen Voraussetzungen lediglich eine Prämie von 350 bis 400 Basispunkten verlangt. Nur knapp ein Drittel hatte bereits damals eine höhere Marge von 400 bis 450 Basispunkten gefordert, 4 Prozent waren noch teurer.

Auch Debt Fonds erhöhen Margen

Auch einige der Debt Fonds haben ihre Zinsmargen nach oben angepasst. Genau die Hälfte von ihnen fordert von einem Unternehmen aus einer attraktiven Branche mit einem guten Cashflow-Profil und einem fünffachen Leverage für eine vorrangig besicherte Finanzierung eine Marge zwischen 700 und 800 Basispunkten. 45 Prozent der Befragten fordern sogar noch mehr. Zum Vergleich: Ende März hatten 59 Prozent der Debt Fonds von einem Unternehmen mit den gleichen Voraussetzungen für eine vorrangig besicherte Finanzierung eine Marge zwischen 700 und 800 Basispunkten, nur ein knappes Drittel war damals noch teurer.

Damit hat sich die Lage bei den Debt Fonds zwar tendenziell ähnlich wie bei den Banken entwickelt. In Relation zu den Banken haben aber weniger Debt Fonds ihre Preise nach oben angepasst, was auch daran liegen könnte, dass die Fonds bereits im März ihre Preise deutlich nach oben geschraubt hatten.

Zudem sieht GCA Altium Potential, dass sich diese Preisentwicklung ziemlich schnell relativieren kann. „Sehr attraktive Unternehmen“ hätten kürzlich schon „Finanzierungen auf einem Vor-Corona-Preisniveau“ abschließen können, schreibt die Frankfurter Investmentboutique.

Mehrheit setzt bei Covenants auf Maßnahmenmix

Im Hinblick auf die Gestaltung der Financial Covenants gibt es laut GCA Altium immer noch nicht „die eine Antwort“. Die Mehrheit der Finanzierer setzt dabei nach wie vor auf eine Reihe von Maßnahmen. Bei den Banken hat sich die Anzahl derer, die auf ein kombiniertes Maßnahmenpaket zurückgreift sogar um 36 Prozentpunkte auf 82 Prozent erhöht. Mehr Headroom, Holiday-Perioden, die vom Closing an länger als 12 Monate dauern, und spezielle Corona-Anpassungen bietet hingegen inzwischen keine der befragten Banken mehr an. Die Anzahl der Kreditinstitute, die die Financial Covenants auf Vorkrisenniveau belassen haben, ist im Vergleich zu Ende März allerdings um 14 Prozentpunkte gesunken.

„Banken und Debt Fonds verlangen derzeit im Schnitt einen Margenzuschlag von 50 bis 250 Basispunkten jährlich.“

GCA Altium

Auch in diesem Punkt zeigt sich bei den Debt Fonds ein anderes Bild: Die Anzahl der Debt Fonds, die auf ein kombiniertes Maßnahmenpaket zurückgreift, ist um 15 Prozentpunkte gesunken und liegt nun bei 59 Prozent der befragten Fonds. Die Anzahl der Debt Fonds, die für die Financial Covenants ein Vorkrisenniveau als Maßstab nehmen und keine Anpassungen vorgenommen haben, liegt inzwischen sogar bei 32 Prozent. Das sind 10 Prozentpunkte mehr als Ende März.

Großteil der Debt Fonds sehen KfW-Hilfskredite skeptisch

Auch die KfW-Hilfskredite beurteilen die beiden Kreditgebergruppen sehr unterschiedlich: „Ähnlich zu unseren März-Ergebnissen unterstützen die Banken jetzt einhellig die KfW-Hilfskredite“, heißt es in dem Report von GCA Altium. Die Stimmung bei den Debt Fonds habe sich hingegen verändert. 65 Prozent der Debt Fonds würden inzwischen nicht die Ausweitung einer Super Senior Revolving Credit Facility durch das KfW-Programm unterstützen. Vor vier Wochen hatten lediglich 37 Prozent der befragten Fonds einen solchen Schritt skeptisch gesehen.

„Die Debt Fonds sehen solch einen Schritt als starken Beitrag ihrerseits an.“ Für sie komme das erst als letztes Mittel in Frage, wenn die Shareholder frisches Eigenkapital zur Verfügung gestellt hätten, erläutern die Studienautoren die Sichtweise der Debt Fonds.

Finanzierungsmarkt könnte langsam wieder anziehen

Und auch diesmal gibt es noch eine gute Nachricht zum Schluss: „Die meisten Finanzierungsparteien berichten uns, dass sie, auch wenn der Deal-Flow nur sehr begrenzt ist, im Moment selektiv an neuen Finanzierungen arbeiten und dort bereits in einem fortgeschrittenen Stadium sind“, berichten die GCA-Altium-Experten. Banken und Debt Fonds seien optimistisch, in den kommenden vier Wochen eine Verpflichtungserklärung oder einen syndizierten Kreditvertrag unterschreiben zu können. Der Umfrage zufolge sind die Debt Fonds mit 86 Prozent sogar noch optimistischer als die Banken (71 Prozent).

Paulus[at]derTreasurer.de

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