Axel Tillmann leitet bereits seit 2006 Treasury und Corporate Finance bei der Lufthansa.

Lufthansa

05.10.21
Finanzen & Bilanzen

Lufthansa: „Die Gespräche liefen nicht konfliktfrei“

Kaum ein Unternehmen hat die Coronakrise so schwer gebeutelt wie die Lufthansa. Nun könnte ein Befreiungsschlag durch eine Kapitalerhöhung gelingen. Corporate-Finance-Chef Axel Tillmann berichtet über die Krisenfinanzierung der Airline.

In der zweiten Septemberhälfte hat die Lufthansa eine wichtige Finanztransaktion gestartet: Die angeschlagene Airline will sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung 2,14 Milliarden Euro beschaffen. Bis Anfang Oktober können Anleger neue Aktien erwerben. Mit dem Emissionserlös aus der Kapitalerhöhung will die Lufthansa die beiden stillen Einlagen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) bis Ende dieses Jahres zurückzahlen.

Die Transaktion soll im immer noch schwierigen Umfeld kein Drahtseilakt werden. Deshalb lässt sich die Airline die Kapitalerhöhung von einem Konsortium aus 14 Banken vollständig garantieren. Darüber hinaus hat eine Reihe von Fonds von Blackrock ein Sub-Underwriting über insgesamt 300 Millionen Euro abgeschlossen.

Bei Abschluss der Transaktion werden die Nettoverbindlichkeiten des Konzerns sich „wesentlich verringern“. Damit könnte mittelfristig sogar wieder ein Investmentgrade-Rating erreichbar sein - derzeit stehen die Bonitätsnoten bei Ba2 (Moody's) und BB- (S&P), nur Scope sieht die Lufthansa jetzt schon im Investmentgrade mit BBB-.

Tillmann: Banken mussten Airline-Exposure reduzieren

Das wäre ein wichtiger Erfolg nach einem heftigen Finanzierungsmarathon infolge der Corona-Pandemie. „Natürlich war es anstrengend; ein solches Black-Swan-Event war für uns alle neu“, erklärt Axel Tillmann, der bereits seit 2006 die Treasury- und Corporate-Finance-Aktivitäten der Airline leitet, in der neuen Printausgabe von DerTreasurer. „Die Gespräche mit unseren 35 bis 40 Banken liefen nicht konfliktfrei.“ 

Die Geldhäuser mussten ihr Exposure in der Airline-Branche insgesamt deutlich reduzieren. „Da war es für mein Team und mich wichtig, dass wir die Stärken der Lufthansa innerhalb des Sektors herausstellen, damit die Banken uns weiterhin unterstützen“, berichtet Tillmann aus den Gesprächen.

„Bei der Wandelanleihe hatten wir Glück mit dem Timing.“

Axel Tillmann, Lufthansa

Auch Glück spielte bei der Airline-Rettung eine Rolle, etwa bei der Platzierung einer Wandelanleihe im Herbst 2020. „Da hatten wir Glück mit dem Timing, weil Biontech ausgerechnet einen Tag vor der Platzierung die Zulassung für seinen Impfstoff erhalten hatte“, sagt Tillmann. „In diesen Schub hinein haben wir die Wandelanleihe platziert.“ Wenig später folgten ein Straight Bond über 1 Milliarde Euro und im Jahr 2021 weitere Anleihen.

Das gesamte Interview ist in der aktuellen Printausgabe von DerTreasurer erschienen.

Dentz[at]derTreasurer.de

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