Mann + Hummel platziert erneut einen Green Schuldschein. Diesmal ist allerdings auch ein ESG-Link integriert.

Mann + Hummel

30.07.21
Finanzen & Bilanzen

Mann + Hummel setzt auf doppelt grünen Schuldschein

Mann + Hummel zapft erneut den Green-Finance-Markt an. Diesmal baut der Automobilzulieferer in den Green Schuldschein aber noch eine weitere Nachhaltigkeitskomponente ein.

Der Automobilzulieferer Mann + Hummel hat erneut den Schuldscheinmarkt angezapft und einen Green Schuldschein platziert. Angeboten wurden Tranchen mit Laufzeiten von drei bis zehn Jahren, die Investoren interessierten sich vor allem für die längeren Laufzeiten. 60 Prozent des Volumens fiel auf die Tranchen über sieben und zehn Jahre. Das Volumen lag mit 150 Millionen Euro um 50 Prozent über dem angestrebten Volumen von 100 Millionen Euro.
 
Es ist für Mann + Hummel bereits der dritte Green Schuldschein. Dabei handelt es sich um eine Art Darlehen, dessen Erlös nur für nachhaltige Zwecke eingesetzt werden muss. Dazu können auch Refinanzierungen zählen: Mann + Hummel will mit dem Erlös bestehende Finanzverbindlichkeiten ablösen. Den ersten grünen Schuldschein platzierte das Unternehmen 2017 (400 Millionen Euro), nur ein Jahr nachdem ein solches Instrument überhaupt genutzt wurde. Die Ludwigsburger gehören damit zu den Vorreitern im Bereich der nachhaltigen Finanzierung. Die nächste grüne Schuldscheintransaktion folgte 2019 (150 Millionen Euro), damals schon unter dem heutigen Treasury-Chef Dominik Paschinger.

Mann + Hummel baut ESG-Link in Schuldschein

Auch mit der aktuellen Transaktion begeht das Unternehmen Neuland. Neben der Ausgestaltung als Green Schuldschein baut Mann + Hummel zugleich einen ESG-Link in den Schuldschein ein. Bei solchen Schuldscheinen ist die Zinsmarge an das Erreichen bestimmter Nachhaltigkeitskennzahlen gekoppelt. Werden sie erreicht, können die Zinskosten sinken, bei Verfehlung steigen sie.

Reine ESG-linked Schuldscheine gibt es erst seit 2019, Dürr aus dem benachbarten Bietigheim-Bissingen platzierte als erster ein solches Papier. Weitere Emittenten waren beispielsweise Voith und Aurubis. Die Kombination von Green, also strikter nachhaltiger Mittelverwendung, und einem ESG-Link ist dagegen noch selten. Ein Beispiel für eine solche kombinierte Ausgestaltung ist beispielsweise der Green Bond des österreichischen Stromversorgers Verbund, der gleichzeitig einen ESG-Link integriert hatte.

Mann + Hummel will ESG-Link nachschärfen

Konkret funktioniert der Mechanismus bei Mann + Hummel so: Die Nachhaltigkeitsperformance des Unternehmens wird durch das Rating der Nachhaltigkeitsagentur Ecovadis gemessen. Verbessert sich das Rating, dann kann eine Senkung der Zinsmarge um 5 Basispunkte erfolgen. Verschlechtert es sich, so steigt der Zinssatz entsprechend. Welche konkreten Schwellenwerte sich das Unternehmen in Bezug auf das Rating gesetzt hat, ist nicht bekannt.

Mann + Hummel teilt jedoch mit, dass der Schwellenwert für das Auslösen der Zinsänderung nach fünf Jahren noch einmal verschärft werden soll. So soll ein Anreiz für eine „kontinuierliche und vor allem langfristige Verbesserung der Bemühungen“ geschaffen werden.

Mann + Hummel: etliche neue Investoren

LBBW, ING und Unicredit begleiteten die Transaktion federführend. Linklaters war als rechtlicher Berater aktiv und die Nachhaltigkeitsagentur Sustainalytics zertifizierte den Schuldschein. Rund 50 Investoren, Banken und institutionelle Investoren, beteiligten sich an der Transaktion. Nach Angaben von Mann + Hummel konnten „aufgrund der guten Kreditwürdigkeit sowie der nachhaltigen Ausgestaltung der Emission etliche neue Investoren gewonnen werden“.

Mit der Ausgestaltung eines nachhaltigen Schuldscheins liegt Mann + Hummel im Trend. Auch Unternehmen wie Jenoptik oder DIC Asset platzierten ähnliche Transaktionen – beide in Form von ESG-linked Schuldscheinen. Insgesamt hat der Schuldscheinmarkt 2021 aber einen schweren Stand und hat sich noch nicht von den Auswirkungen der Coronakrise erholt. Für viele Emittenten mit Investmentgrade bietet der Anleihemarkt derzeit deshalb attraktivere Konditionen. Das Volumen am Schuldscheinmarkt ist in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent zurückgegangen.

Koegler[at]derTreasurer.de

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