Der Rating-Markt wird von drei US-Playern dominiert.

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19.07.23
Finanzen & Bilanzen

Preispolitik der US-Ratingagenturen verärgert Treasurer

Regelmäßig steigende Preise für die Dienste der US-Ratingagenturen sorgen für Kritik von Treasurern. Die Alternative Scope kämpft derweil weiter um Akzeptanz bei Investoren.

Unmut unter Treasurern: Bei einigen Finanzverantwortlichen ist der Eindruck entstanden, dass die Ratingagenturen ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen, um an der Preisschraube zu drehen. „Wenn wir zurückblicken, dann gab es bei uns eine jährliche Preiserhöhung im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich über die vergangenen fünf bis zehn Jahre", stöhnt etwa ein Treasurer eines Dax-Unternehmens, der lieber anonym bleiben möchte.

Neben der Summe, die Ratingagenturen für die Bewertung eines Unternehmens insgesamt aufrufen, gibt es noch weitere Preiskomponenten, etwa die Kosten für die Bewertung von einzelnen Emissionen. Hier können je nach Volumen durchaus Beträge jenseits der Millionengrenze zusammenkommen. Aber auch ohne Bondemissionen bezahle der Konzern über Hunderttausend Euro pro Jahr, berichtet der Dax-Treasurer. In der Regel schlössen Corporates Verträge über zwei bis drei Jahre ab. So gelänge es, Sonderkonditionen auszuhandeln. Nichtsdestotrotz würden die Kosten regelmäßig steigen.

Moody’s erachtet eigenes Pricing als fair

Die US-Agenturen nutzen also ihre Macht zur Preissetzung aus. Mäßigung scheint nicht in Sicht, obwohl die börsennotierten Ratinghäuser stolze Umsatz- und Eigenkapitalrenditen verdienen. Konfrontiert mit den Fragen zum Pricing, antwortet ein Moody's-Sprecher relativ dürr: Moody's Investors Service überprüfe seine Preise in der Regel jährlich und erfülle „alle relevanten regulatorischen Anforderungen zur Gebührenfestsetzung und Gebührentransparenz".

Er fügt hinzu: „Unsere Vertreter stehen unseren Kunden jederzeit zur Verfügung, um etwaige Bedenken unserer Kunden zu besprechen." Diese Gespräche finden regelmäßig statt, doch die Ratingagenturen sitzen am längeren Hebel. S&P wollte die Anfrage von DerTreasurer überhaupt nicht kommentieren.

Alternative zu US-Ratingagenturen fehlt bislang

Das Problem: Trotz aller Vorstöße ist es bislang nicht gelungen, eine ernsthafte Alternative zu Standard & Poor's und Moody's – und mit Abstrichen Fitch – bei Corporate-Bond-Emissionen aufzubauen. Besonders infolge der Finanzkrise 2008, bei der Ratingurteile sich im Nachhinein als fehlerhaft herausgestellt hatten und Interessenskonflikte offenkundig wurden, waren viele Stimmen laut geworden, die mehr Wettbewerb im Ratingmarkt forderten.

Eine der wenigen hoffnungsvollen Initiativen ging und geht dabei von Scope aus. Die Berliner mit weiteren Büros in Frankfurt am Main, London, Madrid, Mailand, Oslo and Paris haben inzwischen rund 300 Mitarbeiter. Scope will eine europäische Alternative zu den US-Agenturen sein, etwa durch eine andere Methodik. Beim Umgang mit Pensionsrückstellungen, die von den US-Agenturen sehr ähnlich wie auslaufende Anleihen gesehen werden, gibt es beispielsweise Unterschiede.

Viele Dax-Adressen hoffen auf Scope

Zahlreiche Dax-Adressen holten in den vergangenen Jahren Ratings von Scope ein, um die Initiative zu stützen: Daimler (heute Mercedes-Benz Group), Merck und die Deutsche Lufthansa machen das heute noch. Linde, BASF und die Commerzbank weisen auf ihren Websites inzwischen kein Scope-Rating mehr aus. Mit Ceconomy, Henkel, Lanxess, Vonovia haben sich aber weitere Kunden hinzugesellt.

Ein Treasurer, der nicht namentlich genannt werden will, hält die Initiative von Scope zwar für sinnvoll, räumt aber auch ein, dass die Ratingagentur für Investoren wichtiger werden müsse. Was tut Scope dafür? Ein Sprecher betont, Scope habe seine Ratingabdeckung in den vergangenen Jahren „stetig erweitert". Derzeit rate Scope rund 300 Corporates international und 50 in Deutschland. In Bezug auf Non-financial Corporates habe Scope mittlerweile in Europa die dritthöchste Rating-Coverage, noch vor Fitch und dicht hinter Moody's, was auch ein Esma-Report belegt.

Deka stellt Sparkassen Scope-Ratings zur Verfügung

Allerdings berücksichtigt Scope dabei auch die Unsolicited Ratings, die ohne offiziellen Auftrag der Unternehmen entstehen. Ohne diese würde Scope noch hinter Fitch liegen. Der Sprecher von Scope betont zudem: „Immer mehr Investoren nutzen unsere Ratings." Erst kürzlich habe die Deka Bank, das Spitzeninstitut der Sparkassen, auf ihrer Plattform die Ratings von Scope für alle Sparkassen verfügbar gemacht.

Speziell in puncto Pricing wollen die Berliner eine Alternative für Emittenten und Investoren sein: „Neben dem Ausbau der Ratingabdeckung ist auch das transparente und attraktive Preismodell für die Nutzung unserer Ratings ein Grund, weshalb mehr und mehr Investoren unsere Ratings nutzen", sagt der Scope-Sprecher.

Doch all das nützt nichts, wenn die Unternehmen daneben auf die Ratings von Moody's und S&P zurückgreifen müssen. Bisher setzen Emittenten überwiegend Scope-Ratings zusätzlich zu ihren angestammten Corporate Ratings bei S&P und Moody's ein. Denn die großen US-Agenturen verfügen über einen langjährigen Track Record und eine hohe Reputation bei den Investoren. Aber auch diese stöhnen über hohe Kosten.

dentz[at]dertreasurer.de