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18.02.21
Finanzen & Bilanzen

88 potentielle Fallen Angel am Markt

Die Pandemie-Entwicklung sorgt weiterhin für viel Downgrade-Potential – und damit für viele Unternehmen, die zu gefallenen Engeln werden könnten. Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer.

Viele Unternehmen müssen derzeit um ihre Investmentgrade-Ratings (IG-Ratings) bangen: Im vierten Quartal hatten 88 Unternehmen laut einer Analyse der Ratingagentur Moody's weltweit das Potential, zu Fallen Angels zu werden. Sie befinden sich am untersten Ende des IG-Ratingspektrums, was bei Moody's der Einstufung Baa3 entspricht, und haben einen negativen Ausblick oder stehen „under review for a downgrade“. Damit lastet die Pandemie weiterhin stark auf den Bilanzen: Der bisherige Höchstwert bedrohter IG-Ratings lag im vergangenen Jahr bei 91 Unternehmen.

Das hat auch Folgen für die Anleihemärkte: Die 88 potentiell gefährdeten Unternehmen – darunter MTU Aero Engines und Südzucker – haben insgesamt etwa 474 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Schulden. Gegenüber dem Höchstwert im Frühjahr 2020 (593 Milliarden US-Dollar) ist der Wert zwar wieder deutlich gesunken. Im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen Jahre ist das potentielle Junk-Bond-Volumen aber immer noch stark erhöht.

Downgrade-Welle verlangsamt sich

Ein Hoffnungsschimmer: Die Zahl der Unternehmen, die an den Rand des High-Yield-Segments rutschen, verlangsamt sich. Im vierten Quartal sind sechs neue Namen dazugekommen. Im zweiten Quartal, als die Pandemie die Märkte mit voller Wucht erwischte, waren es ganze 40 Unternehmen.

Doch Entwarnung gibt es noch nicht: „Die erhöhte Anzahl an potentiellen gefallenen Engeln wird von einer ungleichmäßigen wirtschaftlichen Erholung und den weiter anhaltenden Folgen der Corona-Pandemie beeinflusst“, sagt Michael Corelli, Senior Vice President bei Moody's Investors Service. Moody's geht davon aus, dass die Zahl der möglichen Fallen Angels deshalb weiterhin auf hohem Niveau bleiben wird und weitere Unternehmen abrutschen werden. Im vierten Quartal sind fünf Unternehmen in das spekulative Ratingsegment gesunken. Einer der potentiellen deutschen Fallen Angels, der Maschinenbauer Voith, wurde im Februar auf Ba1 herabgestuft und ist damit zum gefallenen Engel geworden.

In vierten Quartal ist allerdings auch die Anzahl der Unternehmen gestiegen, die einen Aufstieg ins Investmentgrade-Segment geschafft haben: Insgesamt gab es im vierten Quartal sechs sogenannte Rising Stars. Den 88 möglichen Fallen Angels stehen derzeit allerdings nur 16 Häuser gegenüber, die einen Sprung ins Investmentgrade schaffen könnten. Von den potentiellen Aufsteigern kommen 50 Prozent aus Nordamerika. Bei den möglichen Absteigern hält sich der Raum EMEA dagegen mit Nordamerika und auch Asien-Pazifik in etwa die Waage.

Koegler[at]derTreasurer.de

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