Das Treasury und die Einkauf-Abteilung arbeiten künftig mehr im Bereich SCF zusammen.

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17.09.21
Finanzen & Bilanzen

SCF: Treasurer müssen um ihre Rolle bangen

Neue Aspekte werden für das Treasury bei Supply Chain Finance wichtiger. Das Treasury könnte an Mitsprache verlieren.

Seit Ausbruch der Coronakrise rückt das Thema Supply Chain Finance (SCF) in den Fokus vieler Unternehmen. Nachdem in den vergangenen Monaten die Störungen in den Lieferketten größtenteils behoben werden konnten, sorgen nun Rohstoffknappheit und die grassierende Delta-Variante wieder für Herausforderungen. Das rückt den Blick auch wieder mehr auf die Lieferkettenfinanzierung.

„SCF ist gerade jetzt wieder das marktbestimmende Thema im Bereich Handelsfinanzierung. Für die Unternehmen wächst der Druck, sich hier intelligent aufzustellen“, beobachtet Michael Dietz, Global Head of Trade Finance Flow bei der Deutschen Bank. „Wir beobachten, dass Unternehmen bei strategischen Produkten ihre Lager aufstocken - entgegen einer Nutzung der Just-in-Time-Produktion.“ Dass aufgrund der weltweiten Lieferprobleme die Supply Chains lokaler aufgestellt werden, beobachtet Dietz indes nicht. „Wir nehmen keine großen Veränderungen wahr.“

Auch Einkauf will bei SCF mitsprechen

Anders ist das bei der Verantwortlichkeit innerhalb des Unternehmens. Hier beobachtet der Banker Verschiebungen zu Lasten des Treasury: „Bei vielen Unternehmen ist es inzwischen so, dass der Einkauf Mitspracherecht beim Thema SCF hat und nicht mehr nur das Treasury Entscheidungen trifft“, sagt Dietz.

Für den Einkauf sei SCF eine Option, mit dem hohen Kosten- und Margendruck umzugehen, der auf der Abteilung lastet, glaubt der Banker. Wenn der Einkauf Zulieferern längere Zahlungsziele anbieten könne, seien diese an anderer Stelle bereit, dem Abnehmer entgegenzukommen. „Damit das Treasury die Hoheit über SCF nicht verliert, ist es wichtig, dass es eine Koordinationsfunktion annimmt“, appelliert Dietz. Es gehe vor allem darum, andere Abteilungen beim Aufbau von Lieferantenfinanzierungsprogrammen einzubeziehen und mit Informationen zu versorgen. Das erfordere, dass das Treasury sich breiter aufstelle.

Dazu gehöre auch, das Thema ESG (Environmental, Social, Governance) zu berücksichtigen. Nachhaltigkeit spiele künftig eine immer wichtigere Rolle für Lieferketten, nicht zuletzt durch das neue Lieferkettengesetz. „Das Treasury sollte Investmentreize für Lieferanten entwickeln“, empfiehlt Dietz. Bei der Deutschen Bank würden schon etwa 20 Prozent der Firmenkunden mit ESG innerhalb der Lieferkette arbeiten.

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