Marc Kagels bereitet das Treasury auf die Übernahme von Vitesco vor.

Foto: Schaeffler

18.01.24
Finanzen & Bilanzen

Schaeffler nimmt bei Vitesco-Übernahme nächste Hürden

Schaeffler hat für die Vitesco-Übernahme die ersten Anleihen seit drei Jahren platziert, wie Treasury-Chef Marc Kagels berichtet. Jetzt steht bei den Treasury-Abteilungen von Schaeffler und Vitesco ein Kennenlernen an.

Schaeffler hat zwei weitere Hürden auf dem Weg zur Übernahme von Vitesco genommen. Gleich zu Beginn dieses Jahres haben die Herzogenauracher Vitesco-Aktien in Höhe von 29,88 Prozent gezeichnet, sodass der gesamte Anteil der Holding nun 79,82 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte an Vitesco beträgt. Damit sei das ursprünglich angepeilte Ziel von 25 Prozent leicht übertroffen worden, erklärt der Schaeffler-Treasury-Chef Marc Kagels. 

Schaeffler hatte 94 Euro je Aktie geboten und somit wurde nun eine Summe in Höhe von 1,1 Milliarden Euro fällig. Diese hat der fränkische Zulieferer durch einen Bond in gleicher Höhe refinanziert. „Wir waren seit drei Jahren nicht mehr am Bondmarkt aktiv“, so Kagels. „Daher freuen wir uns umso mehr über die im Schnitt circa fünfeinhalbfache Überzeichnung der beiden Tranchen.“ Das Buch sei „enorm stabil” gewesen, selbst nach der Guidance, der Einengung der IPTs (Initial Price Thoughts).

„Bei unseren Anleihen haben wir gemerkt, der Markt ist konstruktiv, aber selektiv“, so das Fazit von Kagels. RWE ging in der gleichen Woche wie Schaeffler an den Markt, erreichte aber eine deutlich geringere Überzeichnung. Die Kupons der sogenannten Xover-Bonds von Schaeffler betragen 4,5 Prozent und 4,75 Prozent.

„Bei unseren Anleihen haben wir gemerkt, der Markt ist konstruktiv, aber selektiv.“

Marc Kagels, Schaeffler-Treasury-Chef

Update des EMTN-Programms

Die Anleihen hat das Team um Treasurer Kagels etwa sechs Wochen lang intensiv vorbereitet. „Wir mussten unser EMTN-Programm aktualisieren. Fast jeden Tag kamen neue Infos bezüglich des Deals herein“, berichtet Kagels. Zudem hat Schaeffler wegen der längeren Abstinenz vom Bondmarkt eine eintägige virtuelle Roadshow gemacht. „Die Fragen der Investoren kreisten vor allem um den Merger mit Vitesco und die Anleihebedingungen.“

Letztlich wurden beide Tranchen hauptsächlich von europäischen Investoren besonders aus Großbritannien und Frankreich gezeichnet. Die Gruppe der Asset Manager machten bei der zwei- und bei der fünfjährigen Tranche mit rund 80 Prozent den größten Anteil aus. „Wir sind nach den positiven Signalen von Ratingagenturen, Banken und Investoren sehr optimistisch, was den Deal angeht“, sagt Marc Kagels über den aktuellen Stand der Übernahme. Schaefflers Treasury-Chef ist guter Dinge, als er im DerTreasurer-Interview vom aktuellen Stand der Vitesco-Übernahme berichtet.

„Wir sind nach den positiven Signalen sehr optimistisch, was den Deal angeht.“

Marc Kagels, Schaeffler-Treasury-Chef

Hintergrund: Im Oktober 2023 hatte der Autozulieferer angekündigt, Vitesco übernehmen zu wollen. Kurz nach der Ankündigung folgte das Aufsetzen der Brückenfinanzierung in Höhe von 3,45 Milliarden Euro. „Beim Design der Brückenfinanzierung haben wir Rückhalt durch unsere Underwriter erhalten und konnten bei der Syndizierung unser Bankenkonsortium sinnvoll erweitern“, so Kagels. Die Finanzierung wurde von der Bank of America, BNP Paribas, Citibank und der Deutschen Bank zugesagt, die den Syndizierungsprozess als Bookrunner begleitet haben.

Treasurys bereiten Merger vor

Jetzt steht ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Übernahme an. Das Schaeffler- und Vitesco-Treasury loten Gemeinsamkeiten aus. „Wir planen, die Finanzierungsstrukturen schon vor dem Merger auf diesen Schritt vorzubereiten“, so Kagels. Dafür werde man sich ansehen, was Schnittmengen und Unterschiede in den Treasurys seien, darunter zählten das TMS-System, wie die Liquiditätsplanung gemacht werde und wie beispielsweise Währungssicherung durchgeführt werde.

„Wir wollen herausfinden, wer macht was besser. Ich finde das sehr spannend“, so der Schaeffler-Treasurer, der sich in diesen Tagen mit Vitesco-Treasury-Chef Peter Bauschke austauscht. „Es ist jetzt auch noch zu früh, um zu sagen, wie die gemeinsame Treasury-Abteilung einmal aussehen wird“, erklärt Kagels. 

Bei der Fusion geht es auch um Posten im fusionierten Konzern. Bislang ist nur bekannt, dass der derzeitige Finanzchef von Schaeffler, Claus Bauer, CFO des fusionierten Unternehmens wird.