René Benko war das Glück lange hold. Doch mit der Zinswende kam seine Signa Holding unter die Räder.

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06.12.23
Finanzen & Bilanzen

Signa-Insolvenz: ein Ende mit Schrecken

Der Immobilien- und Handelskonzern Signa ist pleite. Die Schuld für das Schlamassel liegt bei René Benko, doch auch vielen Banken und Investoren haben zu lange nicht genau hingeschaut. Ein Kommentar.

Der Traum von einer rettenden Geldspritze ist ausgeträumt: Die Signa Holding musste Ende November Insolvenz in Eigenregie anmelden. Das überraschte kaum mehr, denn das Reich des österreichischen Immobilienmoguls René Benko wankte in den vorangegangenen Wochen zuvor schon gewaltig. Tochtergesellschaften wie Signa Sports United (SSU), ein Online-Sporthändler mit Sitz in Berlin, waren da bereits in die Pleite gerutscht. 

Über die Zukunft der Gruppe wird nun spekuliert, vieles ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Wie geht es weiter mit den bekannten Signa-Beteiligungen, etwa an Galeria, ehemals Karstadt und Kaufhof, oder dem Kaufhaus des Westens (Kadewe). In Hamburg ist Signa zudem am Bau des Hochhausprojekts Elbtower beteiligt. 

Kampf um eine Geldspritze verloren

Bis zuletzt kämpfte die Signa Holding um einen Überbrückungskredit, der wohl 600 Millionen Euro hätte umfassen müssen. Trotz eifriger Verhandlungen mit Investoren kam dieser nicht zustande, wohl auch weil in den kommenden Jahren milliardenschwere Fälligkeiten drohen. Die scharfe Zinswende hat dem Immobilienkonzern das Leben schwer gemacht: Finanzierungskosten schossen nach oben, Vermögenswerte verloren dagegen dramatisch an Wert.

Im Fokus der Aufmerksamkeit steht nun der österreichische Architekt des Firmenimperiums Signa, René Benko. Der Selfmade-Millionär hatte mit seinem Kurs beim Aufbau der Immobilien- und Handelsgruppe lange Fortüne. Wegbegleiter beschreiben den aus einfachen Verhältnissen stammenden Innsbrucker als Menschenfänger. Wenn es sein musste, griff er zu hemdsärmeligen Methoden – und mehr. Er wurde schon einmal wegen Korruption verurteilt. Auch wegen der Rettung von Galeria mit Staatsgeldern wurde sein Unternehmen zuletzt immer misstrauischer beäugt. 

„Die Finanzindustrie hat sich wieder nicht mit Ruhm bekleckert.“

Hat die Finanzaufsicht geschlafen?

Kritische Fragen müssen sich aber auch andere gefallen lassen. Die Finanzaufsicht ließ Benko lange gewähren, obwohl Signa eine intransparente Struktur hatte. Erst Anfang 2023 fragte die EZB bei Banken nach, wie groß ihr Engagement bei dem Firmengeflecht denn ausfiele. So eine Nachfrage der Zentralbank nach einem einzelnen Unternehmen tut übrigens keinem gut – vermutlich war es zu diesem Zeitpunkt aber ohnehin schon zu spät, um Signa zu retten.

Jetzt zeigt sich nach und nach, wie viel Geld bei Banken im Feuer steht: In Österreich sind es bei RBI wohl über 700 Millionen Euro, in der Schweiz bei Julius Bär über 600 Millionen. Und auch deutsche Geschäfts- und Landesbanken haben Signa viel Geld geliehen. BayernLB, Helaba, LBBW, NordLB, Aareal Bank und die Deutsche Pfandbriefbank gehören zu den kreditgebenden Banken (hier eine aktuelle Übersicht).   

Nun müssen sich Anwälte und Restrukturierer durch das Finanzierungsgeflecht wühlen, was Insider als alles andere als einfach beschreiben. Klar ist schon jetzt: Wie schon beim Skandal rund um Wirecard, bei dem schon lange Gerüchte über den Zustand der Firma im Raum standen, hat sich die Finanzindustrie wieder nicht mit Ruhm bekleckert.

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