Bayer / Collage DerTreasurer

06.09.21
Finanzen & Bilanzen

„Glyphosat spielte praktisch keine Rolle”

Bayer hat seine bestehende Kreditlinie an Umweltziele geknüpft. Warum sich der Agrar- und Pharmakonzern gerade jetzt dazu entschlossen hat und wieso Bayer die Bereiche Soziales und Governance ausgeklammert hat, berichtet Sven Vorstius im Interview.

Dass Unternehmen ihre Kreditlinien an Nachhaltigkeitsziele knüpfen, gehört inzwischen fast schon zum guten Ton. Bei Neuabschlüssen von Revolving Credit Facilities (RCF) liegt die Quote der Kredite, die an ESG-Ziele gekoppelt werden, bei über 50 Prozent, schätzt Sven Vorstius, Head of Corporate Funding bei Bayer. Zunehmend ergänzen Unternehmen aber auch laufende Kreditlinien um Nachhaltigkeitskomponenten. Der Technologiekonzern Bosch ging jüngst etwa diesen Weg.

Bayer ist diesem Beispiel nun gefolgt, wie DerTreasurer bereits vor Abschluss der Transaktion erfahren hatte. „Nachdem wir im vergangenen Jahr unsere konzernweiten Nachhaltigkeitsziele finalisiert hatten, gab es für uns keinen Grund mehr zu warten“, berichtet Vorstius. Deshalb haben die Leverkusener ihren bis 2025 laufenden RCF über 4,5 Milliarden Euro vor Kurzem nachträglich um ESG-Ziele erweitert.

Bayer setzt nicht auf Bonus-Malus-Logik

Der Agrar- und Pharmakonzern muss künftig den Ausstoß von CO2-Emissionen verringern. Gelingt dies nicht, dann hat sich der Dax-Konzern im Rahmen der überarbeiteten Kreditdokumentation dazu verpflichtet, als Kompensation einen bestimmten Geldbetrag zu spenden. Konkret hat Bayer dafür seine in der Nachhaltigkeitsstrategie definierten CO2-Reduktionsziele auf Jahresbasis heruntergebrochen, erklärt Vorstius. Der Konzern hat sich vorgenommen, bis 2030 seinen eigenen CO2-Ausstoß um 42 Prozent zu reduzieren. „Dieses Ziel folgt einer Kurve, die wir eins zu eins im RCF hinterlegt haben.“ Geprüft werde jährlich, zudem gebe es noch eine zweite längerfristige KPI.

Zur Höhe der Strafzahlung, die Bayer leisten müsste, sollten die Treibhausgase nicht wie vorgenommen sinken, hält sich Vorstius bedeckt. Nur so viel: „Wir haben uns dabei an den Marktstandards der typischen Bonus-und-Malus-Logik orientiert, das war für die Banken wichtig.“ Die meisten Unternehmen vereinbaren mit ihren Banken, dass die Kreditmarge um einen bestimmten Prozentsatz sinkt oder steigt. Als Marktstandard haben sich hier zuletzt 2,5 bis 5 Basispunkte etabliert. Bayer wählte allerdings den selteneren Spendenansatz: „Uns hat nicht eingeleuchtet, warum die Bank eine höhere Marge erhalten sollte, wenn wir unsere Nachhaltigkeitsziele verfehlen. Es erschien uns sinnvoller, durch eine themenbezogene Spende zu kompensieren.“

Wieso Bayer keine Ziele aus den Bereichen Soziales und Governance in die Finanzierung integriert hat und warum Glyphosat in den Kreditverhandlungen laut Vorstius „praktisch keine Rolle spielte“, erfahren Sie im aktuellen E-Magazin 16/2021.

Buchholz[at]derTreasurer.de