Sind die finanziellen Vor- oder Nachteile bei ESG-linked Schuldscheinen stark genug, um Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu bringen?

takasu - stock.adobe.com

07.07.22
Finanzen & Bilanzen

Step-ups bei ESG-Schuldscheinen zu gering?

Schuldscheine mit ESG-Link werden beliebter. Scope-Experte Sebastian Zank kritisiert allerdings, dass die finanziellen Incentives, die bei diesen Transaktionen festgelegt werden, zu gering ausfallen.

Der gute Start am Schuldscheinmarkt hat sich weiter fortgesetzt, der Markt ist weiterhin sehr aktiv. Das Volumen der angekündigten Deals liegt laut der Ratingagentur Scope bei rund 15 Milliarden Euro. Auch der ESG-Trend setzt sich laut Scope bei diesem Instrument fort. Das Volumen der Transaktionen mit einem Nachhaltigkeitsbezug habe in den ersten sechs Monaten bereits das Gesamtvolumen des vergangenen Jahres übertroffen. Insgesamt hatten 42 Prozent aller Schuldscheintransaktionen in diesem Jahr den Zahlen zufolge eine Nachhaltigkeitskomponente, waren also Green, Social oder Sustainability-linked. Zum Vergleich: Am Anleihemarkt waren es in diesem Jahr bislang laut Scope nur 32 Prozent.

Sebastian Zank, Managing Director für Corporate Ratings bei der Ratingagentur Scope, nennt als Beispiele etwa eine 800 Millionen Euro schwere Transaktion der belgischen Baumaterialfirma Etex, den ESG-linked Schuldschein des deutschen Duftstoffherstellers Symrise über 750 Millionen Euro sowie einen 655 Millionen Euro schweren Schuldschein des Baustoffproduzenten Holcim und ein 600-Millionen-Euro-Papier des Schweizer Energieunternehmens Axpo.


Schuldscheine am häufigsten an ESG-Ratings gekoppelt

Am häufigsten setzen die Emittenten auf die Ausgestaltung als Sustainability-linked Schuldschein. Dabei wird die Marge an eine oder mehrere Nachhaltigkeitskennzahlen gekoppelt. Das können individuelle Kennzahlen oder ESG-Ratings sein. Die meisten Emittenten setzen auf eine Koppelung an ein ESG-Rating einer externen Agentur.

Für den Scope-Experten Zank ist das nicht der ideale Weg. Er würde die Koppelung an messbare Nachhaltigkeitskennzahlen präferieren, da sie „mehr Substanz und Glaubwürdigkeit“ bieten und damit möglichen Greenwashing-Vorwürfen entgegenwirken.

Finanzielle Auswirkungen zu gering

Kritisch sieht Zank außerdem die geringen Kupon-Step-ups, die bei ESG-linked Transaktionen mit dem Verfehlen der festgelegten Nachhaltigkeitsziele einhergehen. „Wenn die meisten Deals nur eine Strafe von 2,5 bis 5 Basispunkten vorsehen, dann ist das nur 'Smoke and Mirrors', also sprichwörtliches Blendwerk.“ So geringe Summen würden letztlich keine relevanten Auswirkungen auf die Zinslast der Emittenten haben.

Auch am Bondmarkt gebe es ähnliche Probleme bei Sustainability-linked Transaktionen. Als positives Gegenbeispiel nennt Zank die Transaktion des Schweizer Versorgers Axpo, bei der der Step-up bei 25 Basispunkten liegen soll, wenn das ESG-Ziel verfehlt wird.

Koegler[at]derTreasurer.de