Am Galaabend der Structured FINANCE verleiht DerTreasurer-Redakteurin Antonia Kögler den Award „Treasury des Jahres 2022“.

F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn & B. Hartung

09.12.22
Finanzen & Bilanzen

Structured FINANCE meldet sich mit voller Kraft zurück

Zahlreiche Treasury-Themen standen im Mittelpunkt der 18. Structured FINANCE. Rund 2.000 Teilnehmer erleben Kongressmesse in Stuttgart – unser Rückblick.

Nach zwei Corona-geprägten Ausnahmejahren meldete sich die Structured FINANCE mit voller Kraft im bewährten Format zurück. Rund 2.000 Teilnehmer besuchten vergangene Woche die Kongressmesse im ICS in Stuttgart. Die zwei Konferenztage waren gespickt mit Themen, die CFOs und Treasurer derzeit bewegen. Auch das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan bei der Fußball-WM konnte die Stimmung nicht trüben. In einer ausgedehnten Mittagspause fand erstmals auf der Structured FINANCE ein Public Viewing statt.

Im Zentrum der Kongressmesse stand aber der Austausch zwischen Finanzentscheidern und Dienstleistern. Viele Unternehmen plagen hohe Energiekosten, Lieferkettenprobleme und Rezessionsängste. Daneben beobachten sie steigende Zinsen und geopolitische Krisen mit Sorge. Es ist die Zeit der Finanzleute, die das Geld im Unternehmen zusammenhalten müssen.

Finanzierungsumfeld deutlich eingetrübt

Auf Finanzierungsseite wird diese Aufgabe herausfordernder: Eine starke Eintrübung hatte jüngst etwa das Treasurer-Panel gezeigt. In den vergangenen drei Monaten habe sich der Finanzierungsmarkt verschlechtert, gaben 58 Prozent der Befragten an. Spezialfinanzierungen wie High Yield Bonds, Term Loan B oder Leveraged Loans standen zeitweilig gar nicht zur Verfügung. Unternehmen ohne Investmentgrade oder mit abrutschenden Kennzahlen tun sich schwer.

Ein Flächenbrand im Firmenkundengeschäft ist deshalb aber nicht zu erwarten. Stand jetzt sind die Banken aktiv, wie auch eine Umfrage unter den Teilnehmern der Structured FINANCE zeigte: Wie hat sich das Verhältnis zwischen Banken und Kunden in der Krise verändert? 10 Prozent der abstimmenden Teilnehmer gaben an, das Verhältnis sei schlechter geworden. 27 Prozent haben eine Verbesserung bemerkt, für 67 Prozent hat sich demnach nichts geändert. Das zeigt: Besonders stark von Energiekrise, Rezession, Probleme bei Lieferketten & Co. betroffene Unternehmen merken eine Eintrübung. Für die meisten hat sich aber nichts verändert.

CFOs setzen auf Flexibilität

Eine CFO-Diskussionsrunde zum Start der Konferenz zeigte zudem: Flexibilität bei der Wahl der Finanzierungsinstrumente ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Deshalb war es für die Teilnehmer auch so wichtig, sich abseits der bisher eingesetzten Tools umzuschauen. Die langjährigen Beziehungen zu den Hausbanken bleiben aber weiterhin eminent wichtig: In der Krise finanzieren speziell diese Institute im Zweifel weiter, und man muss das eigene Geschäftsmodell nicht immer wieder neu erklären.

Die Diskussion brachte zudem spannende Entwicklungen zutage: Daimler-Truck-Vorstand Jochen Goetz attestierte den US-Banken „höheren Risikoappetit“. JP Morgan, Goldman Sachs, Citi und Bank of America sind in der Offensive. Sie können mit starken Bilanzen wuchern, die sie im gehobenen Mittelstand, aber auch bei Mega-Deals einsetzen. 

Speziell bei den Mega-Deals wie etwa dem Börsengang von Porsche müssen sich die deutschen Banken in die zweite Reihe stellen. Auch bei KraussMaffei setzte CFO Jörg Bremer bei der Refinanzierung des Term Loans mit Standard Chartered maßgeblich auf eine asiatische Bank. Für die Finanztransaktion tauschte Bremer auch das Treasury-Team aus, um die Transaktion mit den richtigen Spezialisten zu lösen.

Geopolitik bleibt auch 2023 wichtiger Faktor für CFOs und Treasurer

Ein wichtiges Thema für die CFOs und Treasurer wird die Geopolitik bleiben, das wurde in vielen Gesprächen auf der Konferenz deutlich – im Roundtable „Finanzmarkt trifft Politik mit Peer Steinbrück“. Aber auch im On-Stage-Interview zum Abschluss der Konferenz trafen der ehemalige Kanzlerberater Horst Teltschik und die NATO-Expertin Stefanie Babst aufeinander. 

Während Teltschik einen stärkeren Akzent auf Diplomatie legte, gleichzeitig aber die russische Aggression klar verurteilte, plädierte Stefanie Babst sehr für stärkere Waffenlieferungen in die Ukraine. Für den Fall der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen China und Taiwan rechnet Bapst damit, dass sich der US-Fokus deutlich dorthin und weg von der Ukraine verschieben werde.

Auch 2023 wird sehr stark durch Geopolitik geprägt sein, die Risiken bleiben hoch – CFOs und Treasurer müssen sich damit auseinandersetzen. Und diese Themen werden wieder auf der Structured FINANCE diskutiert. Die findet 2023 etwas früher als in diesem Jahr statt: am 18. und 19. Oktober. 

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