In Zeiten von Corona gewinnt Supply Chain Finance an Bedeutung, wie eine neue Studie zeigt.

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19.10.20
Finanzen & Bilanzen

Supply Chain Finance: Treasurer bevorzugen Plattformen

Eine aktuelle Umfrage unter Treasurern zeigt die Bedeutung von Plattformen im Supply Chain Finance. Banken haben dies erkannt und kooperieren verstärkt mit Fintechs.

Die Coronakrise hat die Liquiditätslage zahlreicher Unternehmen unter Stress gesetzt. Wie eine aktuelle Umfrage von DerTreasurer und Traxpay zeigt, stimmen die befragten 125 Treasurer und Finanzchefs mehrheitlich (54 Prozent) der Aussage zu, dass ihr Liquiditätsmanagement „noch Optimierungsbedarf“ hat.

Die Finanzabteilungen haben auf die Ausnahmesituation mit verschiedenen Mitteln reagiert: Sie verbesserten Transparenz und Forecast des Cashflows und erstellten Extremszenarien, um Cash-Bedarf zu ermitteln. Daneben haben sie neue Bank- und Kapitalmarktfinanzierungen abgeschlossen, bestehende Bankkredite gezogen sowie die Bestände im Umlaufvermögen reduziert.

Ein weiteres Mittel, um das Working Capital zu stabilisieren, ist zudem, die Zahlungsziele bei Lieferanten zu verlängern. Das ist aber nicht unproblematisch, denn speziell für kleinere Lieferanten können solche Maßnahmen schnell das Aus bedeuten. Deshalb ist in Zeiten von Corona Supply Chain Finance (SCF) interessant, denn es kann Abhilfe schaffen. „Wir spüren, dass die Nachfrage nach Supply-Chain-Lösungen seit Beginn der Krise stark gestiegen ist“, sagt Markus Rupprecht, CEO von Traxpay, bei dem seit diesem Jahr die Deutsche Bank als Gesellschafter engagiert ist. Den Fintech-Anbieter, der unter anderem mit Edeka zusammenarbeitet, erreichen seither zahlreiche Anfragen.

„Die Nachfrage nach Supply-Chain-Lösungen ist seit Beginn der Krise stark gestiegen.“

Markus Rupprecht, CEO, Traxpay

Supply Chain Finance rückt ins Blickfeld

Warum ist das Instrument gerade jetzt spannend? Entlang der klassischen Lieferkette – Einkauf, Produktion, Distribution – werden mit Hilfe von SCF alle Geld-, Finanztransaktions- und Informationsflüsse prozessseitig koordiniert. Aktuell nutzt gut ein Viertel der befragten Unternehmen diese Möglichkeit, unter den Großunternehmen mit über 1 Milliarde Euro Jahresumsatz sogar schon fast die Hälfte. Für weitere 35 Prozent der Befragten ist die Einführung von SCF in ihrem Unternehmen interessant. Unter den kleineren Unternehmen, die bislang nur selten mit SCF arbeiten (7 Prozent), trifft das sogar auf gut die Hälfte zu.

Den Implementierungsaufwand darf man aber nicht unterschätzen, denn Einkauf/Beschaffung, Treasury, Buchhaltung/Rechnungswesen sowie IT und Rechtsabteilung müssen eng kooperieren. Oft ist damit ein mittelgroßes IT-Projekt verbunden, und die Lieferanten müssen angebunden werden -  das kann Monate dauern. Die Befragten, die bereits Supply-Chain-Finance-Lösungen nutzen, sind trotz des Aufwands zum Großteil (rund 60 Prozent) von deren Mehrwert überzeugt. Ein Befragter schreibt: „Wir können die Lieferanten damit erfolgreich unterstützen.“ Die zusätzliche Dienstleistung würde von den Suppliern „als Mehrwert“ angesehen. Zudem finanzierten Banken „gern“ kurzlaufende Forderungen.

Warum speziell Plattformen so gefragt sind, erfahren lesen Sie nach dem Login im vollständigen Artikel im E-Magazin 19-2020.

Dentz[at]derTreasurer.de

Die gesamten Studienergebnisse finden Sie hier.