Breiteres Angebot für Firmenkunden in China: Die Unicredit hat mit der ICBC eine Kooperation geschlossen.

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26.10.20
Finanzen & Bilanzen

Unicredit will mit ICBC in China wachsen

Bislang ist die Unicredit für deutsche Unternehmen in China eher nicht die Bank der Wahl. Das soll sich nun dank einer Kooperation mit der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) ändern.

Die Unicredit und die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) wollen künftig im Firmenkundengeschäft zusammenarbeiten. Eine entsprechenden Kooperationsvereinbarung haben die beiden Banken kürzlich abgeschlossen, wie sie nun mitteilten. „Die Kooperation lebt bereits“, sagt Holger Frank, der das Unicredit International Center bei der Hypovereinsbank (HVB) leitet. Erste Deals seien schon in der Pipeline.

Konkret geht es um gemeinsame Angebote in den Bereichen Global Transaction Banking, Debt Capital Markets, Finanzierung und M&A. Während die Unicredit ihr Netzwerk in Deutschland, Italien und Osteuropa in die Kooperation einbringt, steuert die ICBC ihre Reichweite in China und Asien bei. Die ICBC hat eigenen Angaben zufolge weltweit 7,6 Millionen Firmenkunden und ist Marktführer in China. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie die größte Bank der Welt.

Unicredit stieß in China an Grenzen

China ist der zweitgrößte Handelspartner der Eurozone. Für deutsche Exporteure ist das Reich der Mitte inzwischen sogar zum wichtigsten Markt geworden. Damit gewinnen auch lokale Finanzierungen sowie Angebote rund um Zahlungsverkehr, Cash und Währungsmanagement in China für deutsche Unternehmen an Bedeutung. In diesen Bereichen stoßen ausländische Banken immer wieder an Grenzen, da die Regulatorik für manche Tätigkeiten lokale Banken vorschreibt.

„Dort, wo wir an unsere Grenzen stoßen, weil beispielsweise aus regulatorischen Gründen eine lokale Bank eingebunden sein muss, können wir nun auf die ICBC zurückgreifen“, erklärt Frank. Die Kooperation sei aber nicht exklusiv. „Wir können auch mit anderen lokalen Banken in China zusammenarbeiten, wenn das ein Firmenkunde möchte.“ Die italienische Großbank ist in Schanghai und in Hongkong mit einer Filiale vertreten, in Peking mit einer Repräsentanz.

ICBC soll bei Zahlungsverkehr unterstützen

Wie die Kooperation konkret aussehen soll, zeigt etwa ein Beispiel aus dem Zahlungsverkehr: So können Firmenkunden der Unicredit beispielsweise nun bei denjenigen Kontotypen, die in China nur von lokalen Banken angeboten werden dürfen, auf eine Filialbank der ICBC zurückgreifen. Dazu zählen etwa Konten für die Gehaltsabwicklung oder zur Eigenkapitalverwaltung.

Zudem kann die ICBC in China als RMB-Clearer agieren. „Bei allen Instrumenten in lokaler Währung in China hat die ICBC als lokale Bank Vorteile“, sagt Frank. Beim FX-Geschäft im Handel sei sie zusammen mit der Bank of China sogar Marktführer.

ICBC kann Funding bei Krediten übernehmen

In der Finanzierung sind ebenfalls Vorteile zu heben: „Wenn eine deutsche Firma beispielsweise einen bilateralen Kredit in China braucht und die ICBC das Unternehmen nicht gut kennt, dann könnte man sich überlegen, dass die Unicredit das Kreditrisiko trägt und die ICBC das Funding übernimmt“, erläutert Frank ein weiteres Beispiel der Zusammenarbeit. In diesem Fall würde die ICBC dann das HVB-Kreditrisiko in ihren Büchern tragen.

Aber auch bei einem syndizierten Kredit könnten die Firmenkunden der Unicredit laut dem Banker von der „Strahlkraft“ der ICBC auf andere chinesische Banken profitieren. „Dadurch kann das Konsortium durch weitere asiatische Banken erweitert werden.“ Hinzu kommt, dass die Unicredit nun künftig das Renminbi-Funding über die ICBC darstellen kann. „Das ist für uns günstiger als bisher und wir können die Kostenersparnis an unsere Firmenkunden weitergeben“, erläutert Frank. Auch bei der Außenhandelsfinanzierung seien Kooperationen denkbar.

Paulus[at]derTreasurer.de