Der Autokonzern Volkswagen hat am US-Kapitalmarkt Milliarden eingesammelt.

Volkswagen AG

22.05.20
Finanzen & Bilanzen

Volkswagen begibt milliardenschwere Yankee-Bonds

Der Autokonzern Volkswagen hat in der Coronakrise den US-Kapitalmarkt angezapft. Treasury-Chef Jörg Boche sammelte insgesamt 4 Milliarden US-Dollar ein.

Der Autobauer Volkswagen hat sich mitten in der Coronakrise Liquidität in Milliardenhöhe am US-Kapitalmarkt verschafft. In der vergangenen Woche platzierten die Wolfsburger Anleihen im Gesamtwert von 4 Milliarden US-Dollar. „Hervorzuheben ist, dass die Anleihemärkte in den USA und in Europa während der aktuellen Krise bislang sehr gut funktionieren“, sagt Jörg Boche, Leiter Konzern-Treasury von Volkswagen, zu DerTreasurer.  Damit leiste der Kapitalmarkt einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der wirtschaftlichen Herausforderungen durch Covid-19.

Die Anleiheemission auf dem US-Markt gliedert sich in vier Tranchen: Die zweijährige Tranche über 1,5 Milliarden US-Dollar wird mit 2,9 Prozent verzinst, die dreijährige Tranche über 1 Milliarde US-Dollar mit 3,125 Prozent. Die fünfjährige Tranche hat ebenfalls ein Volumen von 1 Milliarde US-Dollar und ist mit einem Kupon von 3,35 Prozent ausgestattet. Die 500 Millionen US-Dollar schwere zehnjährige Tranche hat einen Kupon von 3,75 Prozent.

Das frische Geld ist speziell für Volkswagens Aktivitäten in den USA vorgesehen: „Wir emittieren regelmäßig im US-Anleihemarkt, weil wir damit einen Teil des Finanzierungsbedarfs für unser Finanzdienstleistungsgeschäft in Nordamerika decken“, sagt Boche weiter.

Volkswagens Anleihen teurer als in Vor-Corona-Zeiten

Allerdings musste Volkswagen für das frische Geld diesmal deutlich tiefer in die Tasche greifen als bei einer Transaktionen in Vor-Corona-Zeiten. Zum Vergleich: Ende September 2019 musste der Autobauer für eine zweijährige Anleihe über 500 Millionen US-Dollar lediglich 2,5 Prozent (statt jetzt 2,9 Prozent) und für die dreijährige Tranche über 1 Milliarde US-Dollar 2,7 Prozent (jetzt 3,125 Prozent) als Kupon akzeptieren. Die fünf- und siebenjährige Tranchen über je 500 Millionen US-Dollar werden mit 2,85 Prozent (jetzt 3,35 Prozent) beziehungsweise 3,2 Prozent verzinst.

Trotzdem sei Volkswagen „mit der Emission sehr zufrieden“, betont Treasury-Chef Boche. „Die Nachfrage nach den einzelnen Tranchen war sehr hoch und die Spreads handelten in den ersten Tagen nach der Emission sehr stabil.“ Citigroup, Credit Agricole, Goldman Sachs, Mizuho Securities und Morgan Stanley haben die Transaktion begleitet.

Alle Anleihen werden von der Volkswagen AG garantiert und haben ein Rating von A3 bei Moody's und BBB+ bei S&P. Wegen der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise hatte die Ratingagentur S&P Ende März den Daumen für die deutschen Autobauer gesenkt und bei Volkswagen den Ausblick von stabil auf negativ reduziert. Die Branche stehe derzeit wegen der lahmenden Nachfrage stark unter Druck, begründeten die Analysten den Schritt. Anfang April folgte Moody’s und prüft das Rating seither für eine Herabstufung.

Corona-Pandemie sorgt für Einbruch bei Volkswagen

Die Gründe liegen auf der Hand: Die Pandemie hat die Verkaufszahlen von Volkswagen massiv einbrechen lassen. Im April gingen laut Unternehmensangaben weltweit 473.500 Fahrzeuge, also 45,4 Prozent, weniger an die Kunden als vor einem Jahr. Besonders stark war der Rückgang in Westeuropa. Dort fielen die Auslieferungen um mehr als drei Viertel auf 75.800 Einheiten. In Nordamerika halbierte sich der Absatz.

Die Wolfsburger reagieren darauf mit Kurzarbeit. Etwa ein Drittel der rund 80.000 Beschäftigten, für die in Deutschland bisher eine verringerte Arbeitszeit angezeigt wurde, seien noch nicht zurückgekehrt, heißt es in einem Interview mit dem Manager Arne Meiswinkel im VW Intranet, berichtete die FAZ vor einigen Tagen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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