Der Autozulieferer Schlote muss eine Anleihe restrukturieren.

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07.02.24
Finanzen & Bilanzen

Zitterpartie um Schlote-Anleihe

Der Automobilzulieferer Schlote muss eine Anleihe restrukturieren. Sollten die Gläubiger den neuen Bedingungen nicht zustimmen, kann der Bond wohl nicht refinanziert werden.

Der Automobilzulieferer Schlote muss dringend eine Anleihe restrukturieren. Es geht um einen Bond mit einem Volumen von 25 Millionen Euro, der am 21. November dieses Jahres fällig wird.

Konkret will Schlote drei wichtige Punkte in den Anleihebedingungen anpassen. Der Gesamtnennbetrag der Anleihe soll um 50 Prozent auf 12,5 Millionen Euro durch Reduktion des Nennbetrags auf 500 Euro je Schuldverschreibung herabsetzt werden. Zusätzlich soll der Bond bis November 2033 verlängert und in eine Nullkupon-Anleihe umgewandelt werden.

Die Gläubiger sollen zudem auf ihr Kündigungsrecht verzichten und Marc Liebscher, Vorstandsmitglied der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, soll zum gemeinsamen Vertreter bestellt werden. Das geht aus einer Ad-hoc-Mitteilung des Autozulieferers vom 25. Januar hervor. Vom 9. bis zum 11. Februar sollen die Gläubiger über den Vorschlag abstimmen, für die erste Abstimmung ist ein Quorum von 50 Prozent erforderlich.

Für Schlote steht viel auf dem Spiel

Für das Unternehmen aus Harsum beginnt damit eine Zitterpartie. Die Restrukturierung der Anleihe, die nicht besichert ist, ist enorm wichtig für die Zukunft des Automobilzulieferers, zu dessen Kunden zum Beispiel VW oder ZF Friedrichshafen gehören.

Die Dringlichkeit zeigt ein Satz in der Mitteilung vom 25. Januar. „Sollten die Anleihegläubiger den vorgeschlagenen Beschlussgegenständen nicht zustimmen, bleibt die Gesellschaft zur Zahlung des Gesamtnennbetrags im November 2024 sowie der Zinsen verpflichtet und wäre gegebenenfalls auf eine gerichtliche Restrukturierungslösung angewiesen.“ CFO Michael Bormann fügt hinzu: „Dies könnte zum Beispiel ein Starug-Verfahren sein.“

Sollte das nötige Quorum in der ersten Abstimmung nicht erreicht werden, gibt es laut Bormann noch zwei weitere Gelegenheiten, bei denen die Gläubiger abstimmen können. Auf Nachfrage von DerTreasurer erklärt der CFO, „wenn die Gläubiger nicht zustimmen, können wir – Stand jetzt – die Anleihe bis dahin nicht zurückzahlen.“ Somit müsste das Unternehmen dann sehr wahrscheinlich ein Restrukturierungsverfahren einleiten.

Starug-Verfahren ist auch eine Option

Der CFO erhofft sich jedoch mit der frühen Ansprache der Investoren, solch einen Schritt zu verhindern. Und falls es doch dazu kommen sollte, zumindest ein vorinsolvenzliches Verfahren, sprich das Starug, anwenden zu können. „Wir suchen extra früh nach einer Lösung, um nachher nicht mit dem Rücken zur Wand zu stehen“, sagt Bormann.

Damit Unternehmen das Starug-Verfahren, das sich gut für eine rein finanzielle Restrukturierung eignet, anwenden können, dürfen sie nicht zahlungsunfähig sein. Das sei bei Schlote gegeben: „Das sind wir, wenn überhaupt, nur drohend im Hinblick auf die Fälligkeit im November“, so CFO Bormann gegenüber DerTreasurer.

Als Grund für die Misere nennt das Unternehmen die Folgen der Corona-Pandemie, die Energiekrise und gestiegene Zinsen. Auch die „deutlich hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Nachfrage“ im Bereich E-Mobilität drücke auf das Geschäft der Harsumer.

Schlote bekam WSF-Mittel

Neben der Anleihe hat Schlote im Finanzierungsmix auch bilaterale Kreditlinien und in der Corona-Zeit aufgenommene Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) von 45 Millionen Euro (27 Millionen Euro stille Beteiligung und 18 Millionen Euro Nachrangdarlehen). „Hier besteht zwar auch Handlungsbedarf, aber kein akuter Druck“, sagt Bormann. So wurden mit den Banken schon Kreditverlängerungen besprochen, die WSF-Mittel müssten erst „deutlich später“ zurückgezahlt werden. „Mit einem Gesamtpaket von Maßnahmen der Stakeholder einschließlich Kunden kann Schlote wieder auf Kurs gebracht werden“, so Bormann.

In den nächsten Jahren rechnet Schlote nach eigenen Aussagen mit einer Seitwärtsbewegung der Geschäftsentwicklung. Zum Halbjahr 2023 wies der Zulieferer einen Umsatz von 122 Millionen Euro aus, der Verlust (Ebit) lag bei 9 Millionen Euro. Im zweiten Halbjahr 2023 sollen sich die Zahlen laut Bormann nicht verbessert haben. Der gesamte Jahresabschluss 2023 wurde noch nicht veröffentlicht.

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