Gezeitenwechsel im Treasury von ABB: Urs Arnold verlässt den Schweizer Industriekonzern nach 20 Jahren. Ihn ersetzen soll Jani Relander.

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25.07.22
Persönlich & Personal

Treasury-Chef von ABB verabschiedet sich

ABBs langjähriger Treasury-Chef Urs Arnold hat seinen Posten aufgegeben. Seinen Nachfolger hat der Industriekonzern in Finnland gefunden.

Wechsel an der Spitze des Treasury von ABB: Urs Arnold hat den Schweizer Industriegiganten vor wenigen Tagen verlassen, wie er im Karrierenetzwerk Linkedin bekanntgegeben hat. Er werde erstmal eine Pause einlegen. „Ich habe alle Facetten von ABB gesehen und möchte mich in den kommenden Monaten eher privaten Interessen zuwenden“, erklärt der 58-Jährige diesen Schritt gegenüber DerTreasurer.

ABB hat bereits einen Nachfolger für Arnold gefunden: Neuer Treasury-Chef ist Jani Relander, der seit 2018 für den Telekommunikationskonzern Nokia als Head of Corporate Finance & Tax und Group Treasurer aktiv war. Das hat ein Sprecher von ABB gegenüber DerTreasurer mitgeteilt. Relander war ab 2000 für die Finnen tätig und seit 2011 Group Treasurer für Nokia.

Urs Arnold hat das Treasury von ABB aufgebaut

Sein Vorgänger Urs Arnold kam Anfang der 2000er als interner Berater zu den Schweizern – kurz vor dem spektakulären Asbestskandal, der den Konzern Milliarden kostete und fast in die Pleite trieb. 2011 stieg er dann zum Group Treasurer von ABB auf. Diesen Posten hatte er bis zuletzt inne.

Er hat das Treasury bei ABB mit seinem Team in den vergangenen zwei Jahrzehnten maßgeblich geprägt. Die nach dem Asbestskandal folgende Restrukturierung bezeichnet Arnold im Rückblick als ein Highlight seiner Karriere. „Wir haben bei ABB eine Liquiditätsplanung eingeführt, mussten 2002 und 2003 unsere Bilanz restrukturieren und in diesem Zuge ein große Kapitalerhöhung sowie zahlreiche Kapitalmarkttransaktionen durchführen.“ Nur so konnte die Industrieikone die Pleite abwenden. „Wir waren völlig überschuldet. Es hat Jahre gedauert, bis wir bei den Ratingagenturen wieder ins Investmentgrade gekommen sind.“

Stolz ist Treasurer Arnold auch auf einen riesigen Carve-out: 2020 verkaufte ABB seine Anteile am Stromnetzgeschäft (Power Grid) für knapp 7,8 Milliarden US-Dollar Euro an den japanischen Joint-Venture-Partner Hitachi. Für den Käufer spaltete man das Treasury für diese Einheit ab, das Projekt umfasste mehr als 60 Länder und rund 60 Mitarbeiter des ABB-Treasury. „Hitachi hatte keine Treasury-Strukturen außerhalb Japans. Das war definitiv ein großes Projekt“, berichtet Arnold.

Schwere Momente in langer Treasury-Karriere

Ein großer Wermutstropfen in Arnolds ABB-Karriere war im Jahr 2017 ein Skandal in der südkoreanischen Tochtereinheit von ABB: Ein Mitarbeiter dort veruntreute rund 100 Millionen US-Dollar. Dazu soll der verdächtigte Treasurer laut damaliger Angaben von ABB Unterlagen gefälscht und mit Dritten zusammengearbeitet haben. „Das war mein Lowlight. Immerhin haben wir danach die Mittel bekommen, um unsere Prozesse zu verbessern und unser Cash Management neu aufzubauen und zu zentralisieren“, sagt Arnold hierzu rückblickend.

Was nun als nächstes kommt, weiß Arnold noch nicht. Er wolle der Treasury-Welt aber erhalten bleiben, sagt er. „Das ist das, was ich gelernt habe. Ich werde hier dann auch gerne mein Wissen einbringen.

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