Filmszene aus „Up in the Air“: Anna Kenndrick und George Clooney spielen smarte Kündigungsspezialisten.

Picture Alliance/Everett Collection

10.09.21
Persönlich & Personal

Aus diesen 4 Gründen werden Treasurer gefeuert

Auch der Treasury-Job kann zum Schleudersitz werden. Diese vier Gründe führen häufig zu Wechseln.

Manchmal kommt es sehr plötzlich, in anderen Fällen deutet es sich länger an. Immer aber ist es unangenehm, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Auch im Treasury-Bereich kommen Kündigungen immer wieder vor. Besonders vier Gründe spielen eine Rolle, wenn Treasurer gehen müssen.

Ein besonders handfester Grund sind fachliche Fehler. Diese können an zahlreichen Stellen passieren und viel Geld kosten: bei mangelhaften Kreditverträgen, bei überhöhten Risiken im Hedging, bei falschen Überweisungen im Zahlungsverkehr oder bei der Geldanlage. Zuletzt machte etwa der Fall Greensill Schlagzeilen, bei dem Finanzverantwortliche von Kommunen Kontrahentenrisiken falsch eingeschätzt hatten. „Im Treasury gibt es keine Fehlertoleranz“, sagt Karl Markel, Geschäftsführer bei der Personalberatung Treasury Executives 53°.

Aber auch ein Betrugsfall kann zum Stolperstein werden. Beispiel Leoni: Dem Autozulieferer aus Nürnberg wurden im Jahr 2016 bei einer Fake-President-Attacke 40 Millionen Euro gestohlen. Das Geld floss offenbar auf Konten in Hongkong und Singapur, wie der Konzern berichtete. Mit 5 Millionen Euro erhielten die Franken von der Vertrauensschadensversicherung nur einen Bruchteil der Summe zurück. Die personellen Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten.

Treasurer werden nach Übernahme „wegrationalisiert“

Vergleichsweise weniger spektakulär ist die Übernahme durch einen anderen Konzern. In fast jedem Fall steht dann das Treasury des Targets zur Disposition. „Speziell im Finanzbereich können über Übernahmen gut Synergien gehoben werden“, sagt Karl Markel. „Die Treasury-Stellen fallen dann oft weg.“ Das gelte besonders für die Leitungsfunktionen. Ausnahmen können Übernahmen im Ausland sein: Hier kommt es durchaus vor, dass Teile des Treasury-Teams an Bord bleiben, und das Finanzmanagement vor Ort übernehmen.

„In einigen Fällen entsprechen Treasurer nicht mehr den Anforderungen des Unternehmens.“

Karl Markel, Treasury Executives 53°

Weniger offensichtlich ist ein anderer Grund: Zwischen CFO und Treasurer stimmt die Chemie nicht. „Der CFO braucht einen verlässlichen und loyalen Treasurer“, sagt Karl Markel. Ist das Verhältnis nicht optimal, kann es schnell zum Bruch kommen. Am ehesten ist das der Fall, wenn ein Finanzvorstand wechselt. Der wahre (zwischenmenschliche) Grund wird in solch einem Fall verschleiert, vorgeschoben werden dann vermeintliche fachliche Verfehlungen, die bei einem exzellenten CFO-Treasurer-Verhältnis nie zum Stolperstein geworden wären.

Es gibt aber durchaus Beispiele von Treasurern, denen es gelingt, unter verschiedenen CFOs aktiv zu bleiben. Zu ihnen zählt Stadas Frank Seiler, der bereits seit 2009 als Vice President Corporate Treasury bei dem Generikahersteller aus Bad Vilbel aktiv ist. Er arbeitete unter verschiedene Finanzvorständen wie Helmut Kraft und Bernhard Düttmann - und blieb sogar nach der Übernahme durch die Private-Equity-Investoren Bain Capital und Cinven im Frühjahr 2017.

Der vierte Grund, warum Treasurer gehen müssen, hat es in sich. „In einigen Fällen entsprechen Treasurer nicht mehr den Anforderungen des Unternehmens“, sagt Karl Markel. Das könne etwa der Fall sein, wenn sich das Unternehmen dem Kapitalmarkt öffnet: Roadshows, Ratings, Bondemissionen benötigen einschlägige Erfahrungen und sind nicht jedermanns Sache. Aber auch hochgradiger Veränderungsdruck wie die digitale Transformation oder eine schwere Krise können die Herausforderung an einen Treasurer diametral verändern. Personalwechsel sind dann oft die Folge.

Dentz[at]derTreasurer.de

Die vier Gründe, warum Treasurer gefeuert werden

1. Fachliche Fehler
2. Position fällt Übernahme zum Opfer
3. CFO-Wechsel
4. Neue inhaltliche Anforderungen

Quelle: DerTreasurer