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12.05.20
Persönlich & Personal

Coronakrise überlagerte Strategieprojekte im Treasury

Wegen der Coronakrise haben sich Finanzierungsbedingungen so sehr verschlechtert wie zuletzt in der Finanzkrise, zeigt das aktuelle Treasurer-Panel. In der Folge haben sich die Prioritäten im Treasury verschoben – zumindest vorübergehend.

Die Corona-Pandemie hat viele deutsche Unternehmen im März plötzlich und mit voller Wucht erwischt. In der Folge haben sich auch die Prioritäten in vielen Treasury-Abteilungen schlagartig verschoben: Während Liquiditätssicherung zur mit Abstand größten Herausforderung wurde, rückten Treasury-IT-Themen vorübergehend in den Hintergrund. Das legt das aktuelle Treasurer-Panel nahe, für das DerTreasurer in Kooperation mit der Deutschen Bank von Mitte März bis Anfang April 72 Finanzverantwortliche aus der DACH-Region befragt hat.

Demnach haben sich die Finanzierungsbedingungen für 42 Prozent der befragten Unternehmen in den vergangenen drei Monaten verschlechtert. Das ist ein hoher Wert, der nur zu Zeiten der Finanzkrise im Jahr 2009 getoppt wurde: Damals gaben 59 Prozent in der April-Umfrage beziehungsweise 43 Prozent in der Oktober-Umfrage 2009 an, dass sich die Finanzierungssituation für ihr Unternehmen in den zurückliegenden drei Monaten verschlechtert habe.

Seither überwog in jeder Erhebung der Anteil der Treasury-Chefs, die sich über verbesserte Konditionen freuen durften. Die Coronakrise hat diesen langjährigen Trend nun schlagartig beendet.

Große Herausforderungen im Cash Management

Im Rahmen der Umfrage waren die Befragten zudem aufgefordert, die drei Treasury-Bereiche zu nennen, in denen sie aktuell die höchsten Herausforderungen sehen. Drei Viertel der Befragten nannten dieses Mal Cash Management und Liquiditätssteuerung – ein Plus von 13 Prozentpunkten gegenüber dem vorangegangenen Panel, das im Herbst 2019 erhoben wurde. Den größten Sprung machte mit einem Plus von 17 Prozentpunkten aber das Risikomanagement. Dieses zählen 45 Prozent der Befragten zu den drei Treasury-Bereichen, in denen es aktuell die größten Herausforderungen gibt.

Im Vergleich dazu rückten Treasury-IT-Themen in den Hintergrund: Die Treasury-IT rangiert mit 11 Prozent nur noch auf Platz 7 der Bereiche, in denen es aktuell die größten Herausforderungen gibt. Zuvor stufte etwa immer die Hälfte der Befragten die IT regelmäßig als Top-3-Thema ein. 

Eine Erklärung für diesen Absturz dürfte sein, dass strategische Projekte nun auf Eis liegen, weil die Treasury-Kapazitäten während der Coronakrise an anderen Stellen benötigt werden und die Aufmerksamkeit des Top-Managements auf der Krisenbewältigung liegt. Klar ist aber, dass bei weitem nicht alle IT-Probleme plötzlich gelöst oder Digitalprojekte erfolgreich umgesetzt sind.

Corona wird Digitalisierung mittelfristig forcieren

Inzwischen gibt es erste Anzeichen dafür, dass sich die Lage normalisiert und im Treasury der Alltag ein Stück weit wiederkehrt: „In den ersten Wochen der Krise lag der Fokus der Unternehmen ganz stark auf dem Liquiditätsmanagement. Wir beobachten allerdings, dass es in den vergangenen ein bis zwei Wochen eine langsame Rückkehr in Richtung Normalität gab“, sagt Ole Matthiessen, Head of Global Cash Management bei der Deutschen Bank.

Die Treasury-Abteilungen hätten sich nun auf die Krise eingestellt. „Jetzt wird sich der Trend zur Digitalisierung eher noch forcieren.“ Diese Meinung teilen auch andere Treasury-Experten wie Regina Deisemann vom Verband Deutscher Treasurer.

Auch Banken digitalisieren wegen Corona

Viele Banken mussten in der Coronakrise sehr viele Prozesse sehr schnell automatisieren, um auch aus dem Home Office handlungsfähig zu sein. Die Deutsche Bank habe beispielsweise in weiteren 15 Ländern eine Lösung zur digitalen Signatur ausgerollt, so Matthiessen: „Das war zwar ohnehin geplant, unter anderen Umständen hätten wir es aber nicht so schnell geschafft.“

Auf die Frage, was vom Pragmatismus der Banken nach der Coronakrise bleibe, entgegnet der Banker, man müsse zwar „an der einen oder anderen Stelle vielleicht noch etwas nachschärfen“. „Doch ein Großteil der bisher implementierten Prozesserleichterungen wird unseren Kunden dauerhaft zur Verfügung stehen bleiben“, beteuert Matthiessen.

„Wir beobachten eine langsame Rückkehr in Richtung Normalität.“

Ole Matthiessen, Head of Global Cash Management bei der Deutschen Bank

Ein eher langfristiges Digitalisierungsthema ist dagegen Echtzeit-Treasury. Wie wichtig es den Befragten ist, ihr Cash Management in Echtzeit steuern zu können, und was aus Sicht der Treasurer die größten Hürden sind, das erfahren Sie im vollständigen Panel, das Sie hier herunterladen können.

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