SGL Carbon will nach einer Restrukturierungsphase wieder wachsen.

SGL Carbon

30.05.23
Persönlich & Personal

„Haben um die Konditionen hart gerungen“

Treasury-Chef Uli Wittenborn konnte eine RCF refinanzieren. Damit beendet der Treasurer die Restrukturierungsphase von SGL Carbon.

Ende März hat der Carbonfaserspezialist SGL Carbon eine Refinanzierung über „Amend & Extend“ abgeschlossen. Damit konnte SGL einen Kredit über 175 Millionen Euro, der eigentlich Anfang nächsten Jahres fällig gewesen wäre, bis 2026 verlängern. An der Refinanzierung war neben CFO Thomas Dippold vor allem auch Treasury-Leiter Uli Wittenborn beteiligt, der das Unternehmen schon seit langem begleitet. Wittenborn war bereits 2009 bei SGL und arbeitete bis 2016 im Group Treasury. Danach zog es ihn für eine Zwischenstation zu United Internet. Im April 2020 kehrte er zu SGL zurück und übernahm die Leitung des Group Treasury.

Die Refinanzierung der Revolving Credit Facility (RCF) war für Wittenborn und sein Team keine einfache Aufgabe. Angesichts der gestiegenen Zinsen und der Tatsache, dass SGL auch nach der erfolgreichen Restrukturierung immer noch ein Rating im spekulativen Bereich hat, haben CFO Dippold und Wittenborn mit den Banken um die Konditionen „hart gerungen“, erzählen beide im Gespräch mit DerTreasurer.

Neben den Konditionen sei auch viel über die neue Struktur des Kredits diskutiert worden. „100 Millionen Euro in der RCF dienen nun als Liquiditätspuffer für allgemeine Unternehmenszwecke, die weiteren 75 Millionen Euro dürfen wir als Term Loan zur Refinanzierung von Kapitalmarktverbindlichkeiten nutzen“, sagt Wittenborn. Insbesondere der Term Loan könne nun bei anstehenden Refinanzierungen eingesetzt werden. Zudem seien beide Kreditlinien erstmals an ESG-Ziele gekoppelt worden. Auch wirke sich das externe Rating von SGL nun positiv auf die Kreditkosten aus, wenn eine gewisse Ratingnote erreicht werde.

Treasury hat Pensionslast deutlich reduziert

Für Wittenborn ist die Refinanzierung der letzte Baustein einer mehrjährigen Restrukturierung. „Als ich im April 2020 zu SGL zurückgekommen bin, hatte Moody's das Unternehmen auf Caa1 heruntergestuft. Mein Ziel war also eindeutig, dass sich SGL schnell wieder besser entwickeln muss“, sagt er. In dem Jahr fing auch das neue Führungsteam um CEO Torsten Derr und CFO Thomas Dippold bei SGL an. Zusammen entwickelten sie einen Restrukturierungsplan mit entsprechenden Maßnahmen.

Besonders in einem Bereich konnte Wittenborn das Problem der hohen Verschuldung deutlich reduzieren: Wesentliche Bausteine der Pensionszusagen wurden optimiert. „Vorher hatte SGL vielfältige Pensionspläne und auch immer noch Defined Benefit Zusagen, die wir erstmal analysieren und dann auch anpassen mussten“, so der Treasurer. Um das Thema der betrieblichen Altersvorsorge zu harmonisieren und finanziell zu optimieren, führte das Treasury mehrere Maßnahmen durch.

So wurden zum Beispiel die Betriebsrenten weltweit harmonisiert und Durchführungswege angepasst. Zudem wurden Risikoleistungen auf Basis der SGL-eigenen Daten neu gerechnet und Kapitalwahloptionen für Rentenzusagen eingeführt. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen in Frankreich und den USA gewesen.

SGL Carbon: Leverage Ratio hat sich entspannt

Dort habe SGL – im damaligen Negativzinsumfeld – Kleinstpensionen an Lebensversicherer verkauft. „Das hatte für beide Seiten einen positiven De-Risking-Effekt, weil für SGL das ‚Langlebigkeitsrisiko‘ rausgenommen wurde und die Mitarbeiter nunmehr ihre Leistungen durch den Versicherer erhalten“, erläutert Wittenborn. Das Projekt sei sehr aufwendig gewesen. Wittenborn und Dippold sind zu einigen der 30 weltweiten Standorte gereist, um den Mitarbeitern die neuen Strukturen zu erklären. „Das ist ein sehr sensibles Thema, da spielt die richtige Kommunikation eine entscheidende Rolle“, sagt Wittenborn.

Dass SGL die Pensionsschulden abbauen musste, machten dem Management damals vor allem die Ratingagenturen deutlich, erinnert sich der Treasurer. Durch die verschiedenen Schritte habe das Treasury die Pensionslast von netto 340 Millionen Euro auf 200 Millionen Euro senken können. „Das hat auf der finanziellen und bilanziellen Seite sehr viel Druck rausgenommen. Die steigenden Zinsen haben natürlich auch geholfen“, so Wittenborn.

Zur weiteren Entschuldung wurden auch Maßnahmen wie die Erhöhung eines flexiblen Factoringprogramms, Working-Capital-Optimierungen und Verkäufe von nicht betriebsnotwendigen Grundstücken umgesetzt. Auf der operativen Seite wurde durch strikte Einsparungen das Ziel, über 100 Millionen Euro im Jahr nachhaltig einzusparen, erreicht. Das hat die Leverage Ratio zusätzlich entspannt. Ende 2022 wies SGL eine Leverage Ratio von 1,0 aus.

s.backhaus[at]finance-magazin.de