Was versteht man unter Treasury? Treasurer sind wichtiger Teil eines jeden Unternehmens. Sie kümmern sich etwa um Cash Management und den Zahlungsverkehr.

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04.08.20
Persönlich & Personal

Was ist eigentlich Treasury?

Das Treasury gehört zu einer professionellen Finanzabteilung. Doch wie genau definiert sich der Beruf des Treasurer? Mittlerweile gibt es eine klare Vorstellung, welche Aufgaben Treasury-Experten in Deutschland haben.

Jedes Unternehmen, sei es auch noch so klein, hat einen Zahlungsverkehr, Konten und Darlehensverträge. Dennoch haben die KMUs in aller Regel keinen eigenen Treasurer. Buchhalter oder Geschäftsführer erledigen diese Aufgaben nebenbei. In großen Firmen gibt es hingegen in den allermeisten Fällen eine Treasury-Abteilung. Deren Zuständigkeit beschränkt sich allerdings teilweise auf Liquiditätsmanagement und Hedging.

Für die Finanzierung haben Konzerne, in Deutschland insbesondere diejenigen aus der Dax-Liga, eine eigene Corporate-Finance-Einheit, die Anleihen und Co. strukturiert. Manche Treasurer sind zudem für Versicherungen zuständig. Andere verantworten die Bereiche M&A oder Investor Relations.

Treasury: Das sind die Kernaufgaben

Diese Publikation hat von Beginn an implizit einen breiten Treasury-Begriff favorisiert, unter dem auch beispielsweise das Corporate Finance subsummiert wird. Dennoch ist klar: Eine schnelle Antwort auf die vermeintlich einfache Frage gibt es nicht.

Allerdings hat etwa der Treasury-Verband VDT in einem Positionspapier versucht, sich der deutschen Definition anzunähern und die oft fließenden Zuständigkeitsgrenzen zu definieren.

„Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, was die Aufgaben des Treasury sind“, sagt Heinrich Degenhart, der seit vielen Jahren dem VDT-Vorstand angehört. „Wir verspüren einen starken Zustrom von kleineren Unternehmen, die sich mit unseren Themen befassen, aber keinen eigenen Treasurer haben.“

Treasury-Abteilung kümmert sich um Liquiditätsplanung

Zahlreiche Punkte des VDT-Papiers sind Common Sense. Das zentrale Treasury-Ziel der Liquiditätssicherung wird niemand in Frage stellen. Auch dass sich daraus die Teilbereiche Cash & Liquidity Management, Financial Risk Management sowie Finanzierung & Financial Asset Management ableiten, bestreitet keiner – wobei zumindest die langfristige Geldanlage in der Praxis häufig an andere Abteilungen ausgelagert wird.

Das Treasury gehört laut VDT in jedem Fall zu den Kernaufgaben der Unternehmensführung. Zumindest diejenigen Unternehmen, in denen bislang nicht einmal die Position etabliert ist, dürften da schon aufhorchen. Man muss an dieser Stelle klar einwenden: Der Verband hat auch im eigenen Interesse das Ziel, den Treasury-Begriff weiter zu etablieren.

Wie Treasurer Versicherungen betreuen

Dabei gibt es durchaus einige kontroverse Punkte, gerade wenn es um die teils fließenden Grenzen zu anderen Abteilungen wie dem Controlling oder Rechnungswesen geht. In einigen Aspekten sieht es der VDT enger, als Treasury in der Unternehmenspraxis vorkommt.

Beispiel Versicherungen: Diese gehören dem Verband zufolge nur zu den Aufgaben des Treasurer, „wenn und soweit Risiken aus dem Finanzbereich versichert werden.“ Einige Treasury-Organisationen sind aber durchaus auch für die Versicherung operativer Risiken zuständig. Ein weiteres Beispiel ist M&A, das in manchen Fällen auch bei den Treasury-Verantwortlichen aufgehängt ist. Hier sieht das Papier den Treasurer eher als den Begleiter, etwa bei der Übernahmefinanzierung und der finanziellen Due Diligence.

Ist Working Capital Management eine Treasury-Aufgabe?


Ein anderer Aspekt ist das Working Capital Management, also die Bewirtschaftung des Betriebskapitals, das wiederum gerne im Controlling angesiedelt ist. Hier lautet die klare Aussage: „Working Capital Management gehört unter finanziellen Aspekten und als Teil der kurzfristigen Liquiditätssicherung zur Kernfunktion Cash & Liquidity des Treasury.“

Das Papier grenzt aber ab, denn „nur die Finanzierung des Working Capital“ sei eine Treasury-Aufgabe, nicht jedoch die Gestaltung der Bestände wie die Lagerbestandsoptimierung, das Kreditoren- und Debitorenmanagement.

Zusammenspiel mit Investor Relations

Der kontroverseste Punkt dürfte jedoch sein, ob auch die Kommunikation „mit allen Arten von Investoren zum Treasury-Framework“ gehört. In einigen Unternehmen laufen zwar die Fäden unter einem Leiter Treasury und Investor Relations zusammen. In vielen Unternehmen sind diese Felder jedoch strikt getrennt – ob sinnvoll oder nicht.

Eine große Rolle spielen Treasurer erfahrungsgemäß bei der Umsetzung von Börsengängen oder der Anleiheplatzierung („Creditor Relations“). Häufig ziehen sie sich danach aber zurück und überlassen die Investorenkommunikation, speziell mit Privatanlegern, gerne den IR-Kollegen. Es bleibt abzuwarten, wie die IR-Lobby auf den Vorstoß des VDT reagiert.

Das Treasury wird digitaler

Eher unbestimmt ist noch die strategische Rolle des Treasurers, die einige immer wieder fordern. Hier spielen die Auswirkungen der Digitalisierung, die viele Treasury-Funktionen gerade grundlegend verändert, eine gewichtige Rolle. Klar ist: Einfache manuelle Tätigkeiten werden entfallen und können von weniger Mitarbeitern erledigt werden. Das könnte letztlich dazu führen, dass Treasurer in eine wertschöpfendere und eben strategischere Rolle schlüpfen. 

Heinrich Degenhart vom VDT kommentiert: „Der Treasurer muss sich dem Thema selbstverständlich stellen und es vorantreiben, ohne dass die Digitalisierung zu seinen eigentlichen Aufgaben als Treasurer gehört.“ Zudem bilde sich der Berufszweig der Chief Digital Officers (CDO) heraus, der die Entwicklungen koordinieren soll.

Das VDT-Papier bietet auf jeden Fall einen guten Überblick darüber, was unter Treasury in Deutschland verstanden wird. Hinzu kommt: Es soll eine Art „Dachpapier“ sein, wie Degenhart es formuliert. Weitere ausdifferenzierte Positionspapiere zu den einzelnen Bereichen wie etwa Asset Management sind in Planung.

Dentz[at]derTreasurer.de

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Anmerkung der Redaktion: Dieser Text erschien zuerst am 6. Juni 2017.