Viele Studenten wissen gar nicht, was ein Treasurer macht. Wie gelingt der Berufseinstieg ins Treasury?

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01.09.21
Persönlich & Personal

Wie der Berufseinstieg ins Treasury gelingt

Den einen Weg ins Corporate Treasury gibt es nicht. Wenn man sich für eine Karriere als „Schatzmeister“ interessiert, sollte man einige Punkte beachten. DerTreasurer verrät, wie der Sprung zu den Liquiditäts- und Währungsspezialisten gelingt.

Wer das Wort Treasury das erste Mal hört, dem sind oft Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Zu selten kommen selbst BWL-Absolventen mit den Spezialisten in Kontakt, die sich um die teils milliardenschweren Zahlungsströme von Unternehmen kümmern.

Bevor man sich entscheidet, Treasurer zu werden, sollte man sich daher ein genaues Bild machen, was dieser Beruf verlangt. Treasury-Spezialisten sind bei Konzernen und größeren Mittelständler dafür verantwortlich, dass stets genug Liquidität für das operative Geschäft vorhanden ist. Besonders Themen wie Zahlungsverkehr und Cash Management werden daher groß geschrieben.

Aber auch die Anlage vorhandener Gelder und dass sich diese vermehren, fallen in den Aufgabenbereich von Treasury-Spezialisten. Speziell in der derzeitigen Niedrigzinsphase ist dieser Aspekt besonders wichtig. Die Experten kümmern sich zusätzlich um Währungs- und Zinsrisiken und entwickeln Absicherungsstrategien (Hedging), die ihren Arbeitgebern im Zweifel hohe Kosten einsparen können.

Die Treasurer sind von ihrem Profil her die Banker der Unternehmen – von daher verwundert es nicht, dass zahlreiche erfolgreiche Treasurer vor ihrem Einstieg zumindest eine Banklehre absolviert haben.

Viele Treasurer haben Bankerfahrung

Der Wechsel aus der Bank ins Treasury ist besonders im frühen Stadium einer Berufskarriere häufig zu beobachten. „Die meisten Treasurer haben eine klassische Ausbildung bei einer Bank gemacht und sind dann ins Treasury gewechselt“, sagt Deniz Alkan, Executive Manager bei der Personalberatung Michael Page. Die Aufgabengebiete eines Bankers, der sich etwa mit FX- oder Zinsgeschäften beschäftigt, sind in Konzernen beinahe deckungsgleich. Dadurch müssten die Manager nicht lange eingearbeitet werden, was Unternehmen schätzten, so Personalexperte Alkan.

Anm. d. Red.: Dieser Artikel ist erstmals am 17. April 2018 erschienen und wird regelmäßig überarbeitet. Zuletzt wurde der Artikel am 1. September 2021 aktualisiert.

Beim Wechsel aus der Bank auf die Unternehmensseite ist trotzdem Vorsicht geboten. Der Schritt ist fachlich zwar naheliegend. Allerdings ticken Unternehmen anders als Banken, wie Personalberater immer wieder betonen.

Gerade in kleineren Treasury-Einheiten sind die Finanzmanager als Generalisten gefragt, die mit verschiedenen Treasury-Disziplinen jonglieren können, und weniger als Fachspezialisten. Auch Anteile aus dem Controlling oder der Buchhaltung fließen in die Arbeit ein, wodurch diese deutlich operativer ist als in einem Geldhaus. Banker sollten bei einem Wechsel daher darauf achten, dass sie sich mit einer industriegeprägten Unternehmenskultur identifizieren.

Studenten sollten Treasury-Praktika vorweisen können

Angehende Treasurer müssen aber nicht zwingend Bankerfahrung vorweisen. Der Sprung vom Studium ins Corporate Treasury ist dennoch schwierig, da es kaum passende Angebote gibt. Der Grund: Treasury hat an Hochschulen keinen hohen Stellenwert. Es wird selten spezifischer Tiefgang angeboten. Entsprechend schwierig ist es für Treasury-Abteilungen, guten Nachwuchs aufzutreiben.

„Um einen möglichst reibungslosen Einstieg zu haben, sollten angehende Treasurer ein Studium mit dem Schwerpunkt Kapitalmarkt, Risikomanagement oder Corporate Finance belegen“, rät Michael-Page-Experte Alkan. Auch für Mathematiker oder Physiker seien Konzerne grundsätzlich offen.

Vor einer Bewerbung als Junior Treasurer sollten Absolventen jedoch Praktika im Treasury absolvieren oder als Werkstudent arbeiten. Das zeige Interesse speziell für diesen Bereich, sagt Berater Alkan. „Das Praktikum muss nicht zwingend auf Unternehmensseite sein, es kann auch bei einer Bank absolviert werden.“ Wichtig sei lediglich, dass man mit Treasury-relevanten Themen wie Cashflow und Währungsmanagement in Kontakt komme.

Weiterbildungen unterstreichen Interesse am Treasury

Auch für bereits in Unternehmen tätige Manager – etwa in der Buchhaltung oder im Controlling – kann ein Wechsel ins Treasury interessant sein. Wichtig ist hier, dass man den Entwicklungswunsch mit seinem Chef bespricht und Eigeninitiative zeigt, erklärt Erich Schwinghammer vom Personaldienstleister Hays. „Ein solcher Schritt funktioniert meistens nur konzernintern. Externe Arbeitgeber stellen einen Manager ohne Treasury-Erfahrung eher selten ein.“

Um sich auf den Sprung ins Treasury vorzubereiten oder sein Know-how zu vertiefen, sollten bereits berufstätige Interessenten die zahlreichen Weiterbildungen nutzen. Insbesondere der Certified Corporate Treasurer, kurz CCT, vom Verband Deutscher Treasurer (VDT) ist im deutschsprachigen Raum hochangesehen. Aber auch die britische Association of Corporate Treasurer (ACT) oder die US-amerikanische Certified Treasury Professional (CTP) bieten Fortbildungen ebenso wie zahlreiche Unternehmensberatungen.

Treasurer kassieren ein gutes Gehalt

In Sachen Gehalt stehen Treasurer gut da, wie der „FINANCE-Gehaltsreport 2020“ erneut aufzeigte. Laut der befragten Personalberatungen können Junior Treasurer mit wenig Berufserfahrung auf Gehälter zwischen 40.000 und 60.000 Euro kommen, erfahrenere Kollegen verdienen bis zu 90.000 Euro, aber im Schnitt nicht weniger als 55.000 Euro. Als Senior Treasurer sind sogar Gehälter um die 130.000 Euro möglich.

Leiter von Treasury-Abteilungen kassieren laut der FINANCE-Erhebung mindestens 100.000 Euro, bei großen Mittelständlern sowie Dax-Konzernen sind aber durchaus über 200.000 Euro Jahresgehalt möglich, in Einzelfällen sogar noch mehr.

Wie setzt man einen Cash Pool auf? Wie findet man das beste TMS-System? Was ist eine gute Hedging-Strategie? Weitere einführende Treasury-Texte finden Sie auf der Themenseite Treasury-Ratgeber.

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