Wie läuft Treasury in Dubai?

Irina Schmidt - stock.adobe.com

08.03.21
Persönlich & Personal

„Wir haben das Treasury auf der grünen Wiese aufgebaut“

Benjamin Koch war drei Jahre lang Transformationsleiter in Dubai und hat dort bei der Unternehmensgruppe Al Futtaim die Digitalisierung vorangetrieben. Das sind seine Erfahrungen.

Umgeben von der Wüste und riesigen Malls hat Transformationsleiter Benjamin Koch für das Unternehmen Al Futtaim aus Dubai gearbeitet. Dreieinhalb Jahre war er für die Digitalisierung und Transformation der Treasury- und Finanzabteilung verantwortlich. Anfang des Jahres zog es ihn aus familiären Gründen zurück nach Deutschland, wo der frühere Horvath-Berater nun bei der Finanz- und Treasury-Beratung Convista angefangen hat.

Frisch in Deutschland angekommen, zieht Koch ein Fazit: „In Deutschland ist der Reifegrad im Treasury und der Wissensgrad der Mitarbeiter im Schnitt höher, in Dubai ist man dafür offener für neue Ansätze.“ Es gebe dort eine „hohe Investitionsfreude“ in neue Technologien, hat Koch festgestellt: „Das liegt nach meiner Beobachtung weniger an den finanziellen Möglichkeiten in der Golf-Region als vielmehr daran, dass man im Arbeitsumfeld weniger Berührungsängste mit neuen Lösungsansätzen und digitalen Tools hat, die aus dem privaten Alltag bereits bekannt sind.“

Wie Al Futtaim APIs einführte

Allerdings sei der Nachholbedarf zum Teil auch groß. „Weil Arbeitskräfte vergleichsweise billig sind, spielte die Digitalisierung für lokale Unternehmen lange keine Rolle“, sagt Koch. Manuelle Prozesse seien die Regel gewesen. „Wir haben das Treasury auf der grünen Wiese aufgebaut. Bei Al Futtaim gab es weder eine richtige Systemlandschaft noch Struktur, man arbeitete vorwiegend mit Excel. Diesen technologischen Nachteil haben wir genutzt, um alles neu anzugehen“, berichtet Koch.

So hat das Familienunternehmen, das rund 40.000 Mitarbeiter beschäftigt, neben SAP S/4 HANA auch offene Schnittstellen (APIs) eingeführt. Besonders durch die Coronakrise und den Lockdown in Dubai, der kurz nach dem ersten in Deutschland ausgerufen wurde, wurden APIs wichtiger. „Es war der beste Weg, um Daten mit den Banken elektronisch auszutauschen“, berichtet Koch.

Denn viele Inlandsbanken hätten lange keinen Swift-Anschluss gehabt, einen internetbasierten Kanal wie Ebics gibt es in Dubai nicht. „Wir haben uns dann mit der Citibank zusammengetan, die für uns API-Lösungen entwickelt, harmonisiert und standardisiert hat“, erklärt der Ex-Transformationsleiter. Über die Lösung konnten dann mehrere Banken angebunden werden und auch Dokumente digital ausgetauscht werden. Koch geht davon aus, dass APIs auch in Deutschland immer relevanter werden – vor allem im Bereich Trade Finance und Electronic Bank Account Management (eBam).

Cash Pooling in Dubai

Doch es gab auch Hürden im Treasury bei Al Futtaim, die vor allem mit der politischen Situation zu tun hatten. „Das Familienunternehmen hat eine enorme Anzahl an Konten bei lokalen Banken“, sagt der Berater. Die Zahl zu reduzieren wäre der erste Reflex jedes Treasurers, um die Effizienz zu erhöhen. Doch das sei politisch nicht möglich gewesen. „Das hat uns gezwungen, innovative Lösungen im Bereich Bankenkommunikation und Cash Management zu finden“, räumt Koch ein.

Hinzu kommt: Von Krisen wie dem Währungsverfall in Ägypten im Jahr 2016 oder der Blockade von Katar im Jahr 2017 war Al Futtaim, das unter anderem Ikea-Filialen betreibt und Toyota-Fahrzeuge vertreibt, stark betroffen: „Wir konnten einige Wochen lang kein Kapital aus Katar rausholen“, erinnert sich Koch, der 2017 gerade frisch zu dem Unternehmen gestoßen war. Das habe zu einer Sensibilisierung in Sachen Echtzeit-Visibilität von Kapital- und Cash-Beständen geführt: „Zu der Zeit hatten wir unser Real-time Dashboard noch nicht, weshalb wir nicht wussten, wie viele Mittel in Katar festsitzen.“ Das Thema habe in der Konsequenz an Bedeutung gewonnen, Katar sei in den Cash Pool eingebunden und ein globales Risiko-Reporting aufgesetzt worden.

s.backhaus[at]dertreasurer.de

 

 

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