DerTreasurer-Ratgeber – Folge 1

18.10.17 09:31

Ab wann sich ein Treasury lohnt

Von Sabine Paulus

In jedem Unternehmen muss die Liquidität gesichert, Zahlungen getätigt oder Finanzierungen gesichert werden. Ab wann lohnt sich eine eigenständige Treasury-Abteilung?

Ein eigenes Treasury ist nicht nur für Großunternehmen geeignet. Auch für Mittelständler kann es sich lohnen.

Claudio Ventrella/Thinkstock/iStock/Getty Images

Ein eigenes Treasury ist nicht nur für Großunternehmen geeignet. Auch für Mittelständler kann es sich lohnen.

In Unternehmen jeder Größenordnung gibt es Zahlungsein- und -ausgänge, Konten und Kreditverträge. Bei kleinen und mittleren Firmen übernimmt in der Regel der Geschäftsführer selbst oder ein Buchhalter die damit verbundenen administrativen Aufgaben. In größeren Unternehmen gibt es hierfür eine eigene Abteilung – das sogenannte Treasury.

Was ist Treasury überhaupt?

Laut einem Positionspapier des Verbands Deutscher Treasurer (VDT), in dem das Treasury funktional definiert wird, versorgt diese Abteilung alle Unternehmensbereiche mit Liquidität und gehört deshalb zu den Kernaufgaben der Unternehmensführung. Zentrale Aufgabe des Treasury ist es demnach die betriebliche Wertschöpfungskette zu finanzieren und die heutige und zukünftige Zahlungsfähigkeit in jeder erforderlichen Währung sicherzustellen.

Zudem steuert und verantwortet das Treasury auch die finanziellen Risiken des Unternehmens, heißt es in dem Positionspapier weiter. Damit ergeben sich drei Treasury-Kernfunktionen: Cash- und Liquiditätsmanagement, Finanzierung und finanzielles Asset Management sowie finanzielles Risikomanagement.

Viele kleine und mittelständische Unternehmen verorten diese spezifischen Treasury-Aufgaben zunächst bei Mitarbeitern in der Buchhaltung oder im Controlling. „Das Treasury ist die letzte Position im Finanzbereich, die mit einer Vollzeitstelle besetzt wird“, sagt Heinrich Degenhart, VDT-Vorstand und Professor für Finanzierung an der Leuphana Universität Lüneburg.

„Es ist deshalb nur verständlich, dass die kleineren Firmen zunächst auf das bestehende Personal zurückgreifen und es über Zusatzausbildungen weiterentwickeln und erst dann eine Vollzeitkraft einstellen, wenn das Fachwissen nicht mehr ausreicht und die Aufgaben nicht mehr nebenbei erledigt werden können“, sagt der VDT-Vorstand.

Faktoren, von denen der Aufbau eines Treasury abhängt

Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich eine solche Fachkraft oder gar eine eigene Treasury-Abteilung? Grundsätzlich ist es von drei Faktoren abhängig, ob ein Unternehmen ein Treasury aufbauen sollte: dem Internationalisierungsgrad, der Anzahl an Tochterunternehmen und der Anzahl an Bankverbindungen. „Je mehr Währungen, Standorte und Banken ein Unternehmen hat, desto schneller rechnet sich ein Treasury“, sagt Helmut Springer, Prokurist bei Reval, die spezielle Software für Finanzprozesse anbieten.

Neben diesen drei Faktoren spielt aber auch die Komplexität des Grundgeschäfts eine Rolle: Je komplexer das Grundgeschäft ist, um so niedriger ist auch der Umsatz, ab dem sich ein Treasury lohnt. Eine Treasury-Abteilung, bestehend aus ein bis zwei Fachkräften, kann sich demnach schon ab 100 Millionen Euro Umsatz rentieren. „Die meisten Unternehmen fangen jedoch erst bei 200 oder 300 Millionen Euro an, über solch eine Funktion nachzudenken“, sagt Treasury-Spezialist Axel Goedecke. Ab Jahresumsätzen von mehr als 500 Millionen Euro Umsatz ist eine Treasury-Abteilung heute Standard.

„Die Umsatzgröße allein ist aber kein Kriterium, um den Aufbau eines Treasury zu begründen“, sagt Matthias Hönert, Head of Group Treasury and Riskmanagement beim Familienunternehmen Brita. „Vielmehr ist dies unternehmens- und  themenspezifisch und abhängig davon, mit welcher Expertise man die Themen vorantreiben möchte.“

Vorteile einer eigenen Treasury-Abteilung

In der Regel sind der Überblick über die Liquidität im Unternehmen und ein professionelles Cash Management die primären Gründe ein Treasury zu etablieren. Diese Punkte waren auch für den Automobilzulieferer Elring Klinger ausschlaggebend ein Treasury aufzubauen.

„Wir wollen global eine einheitliche Kontenstruktur aufbauen und den Zahlungsverkehr, der bei uns im Rechnungswesen angesiedelt ist, für alle Regionen zentral von unserem Unternehmenssitz in Dettingen an der Erms aus steuern“, sagte Finanzvorstand Thomas Jessulat gegenüber DerTreasurer. „Dafür brauchen wir ein eigenes Treasury. Wir gehen zudem davon aus, dass die Anzahl unserer Konzerngesellschaften weiter steigen wird. Durch eine zentrale Steuerung bekommen wir eine bessere Transparenz der Zahlungsströme.“

Elring Klinger setzte 2016 rund 1,56 Milliarden Euro um und hat inzwischen 41 Tochtergesellschaften. Legt man die zuvor genannten Faktoren Internationalisierungsgrad, Anzahl an Tochterunternehmen und an Bankverbindungen zugrunde, ist der Automobilzulieferer sogar eher spät dran, ein eigenes Treasury aufzubauen. CFO Jessulat zufolge war ein eigenes Treasury für Elring Klinger aber zuvor nicht zwingend notwendig. Von der Finanzierung her sei das Unternehmen bilateral aufgestellt, und die spezifischen Treasury-Themen liefen im Tagesgeschäft der Finanzabteilung mit.

Treasurer bringen Spezialwissen ein

Abgesehen von einer zusätzlichen Transparenz, die ein Treasurer seinem Arbeitgeber bringen kann, verfügt er über Spezialwissen, das sonst nicht oder nur schwer im Unternehmen zu finden ist: „Ein Treasurer kennt sich auch bei Spezialfinanzierungen aus, die ein Unternehmen neben klassischen bilateralen Krediten nutzen kann, um seine Finanzierungsbasis zu verbreitern“, sagt Ralf-Jörg Weigold, derzeit Treasury-Spezialist beim Speziallogistiker J.F. Hillebrand aus Mainz.

Für exportgetriebene Unternehmen seien beispielsweise Hermes-gedeckte Exportkreditversicherungen interessant. „Aber auch alternative Finanzierungen wie Forfaitierungen oder Förderkredite helfen ein Unternehmen finanzierungsseitig gut aufzustellen“, ergänzt Weigold.

Auch in punkto Risikomanagement ist ein professionelles Treasury wichtig – Beispiel Brexit: Um satte 11 Prozent ist das britische Pfund im Sommer 2016 gegenüber dem Euro eingebrochen. Neben Hauptwährungspaaren wie Euro gegen US-Dollar waren auch andere Währungen wie der russische Rubel oder zunehmend der chinesische Renminbi in den vergangenen Jahren verstärkt volatil. „Ohne professionelles Währungsmanagement schlagen sich plötzliche Wechselkursveränderungen wie etwa nach dem Brexit-Votum direkt im Ergebnis nieder“, sagt Reval-Experte Springer.

Hinzu kommt: „Ohne klare Finanzrichtlinien und automatisierte Prozesse fällt es Betrügern deutlich leichter, größere Geldbeträge unbemerkt aus der Unternehmenskasse zu entwenden. Und ohne lückenlose Dokumentation, wackelt die Compliance, wenn die Prüfung durch den Wirtschaftsprüfer ansteht“, sagt Springer weiter.

Die vier Stufen eines Treasury

Wenn sich ein Unternehmen dazu entscheidet, eine professionelle Treasury-Abteilung aufzubauen, ist das meist ein längerer Weg. Der erste Schritt sei laut Hillebrand-Treasury-Chef Weigold häufig ein transaktionsgebundenes oder reaktives Treasury. „Im zweiten Schritt will ein Unternehmen dann aber mehr Transparenz bekommen und die Planungskomponente ausbauen“, sagt Weigold. Das sei dann ein „prospektives“ Treasury.

Die dritte Phase bei der Professionalisierung des Treasury ist dem Hillebrand-Treasurer zufolge die Prozessoptimierung. „Bei der Organisation einer Treasury-Abteilung ist die letzte Stufe erreicht, wenn das Treasury als Dienstleister im Sinne einer „Inhouse Bank“ im Unternehmen etabliert ist und in wesentliche Geschäftsentscheidungen einbezogen wird.“ Er spricht bei dieser Phase von einem strategischen Treasury.

Treasurer im Vergleich zu Controllern und Buchhaltern teurer

Allerdings hat die Spezialexpertise ihren Preis: Treasurer verdienen als Fachkraft mit Spezialwissen häufig mehr als beispielsweise Controller und Buchhalter. Im Mittelstand verdienen leitende Treasurer mit sechs bis neun Jahren Berufserfahrung zwischen 124.000 und 140.250 Euro brutto jährlich, geht aus der Gehaltsübersicht 2018 des Personalberaters Robert Half hervor. Ihre leitenden Kollegen aus der Buchhaltung, die über die gleiche Anzahl an Berufsjahren verfügen, kommen lediglich auf Gehälter von 72.500 bis 85.500 Euro. Ein Controllingchef verdient zwischen 83.000 und 98.000 Euro brutto jährlich.

Ein Treasurer rechnet sich aber für ein Unternehmen dann, wenn er in der Lage ist, die Kredit- und Bankgebühren deutlich zu senken und die Zahlungsströme besser zu steuern. Gelingt das, kann er dem Unternehmen bares Geld sparen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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