China: Daimler platziert Onshore-Renminbi-Bond

02.05.14 08:02

Daimler: „Relativ hoher Aufwand für Panda-Bond lohnt sich“

Von Sabine Paulus

Kurt Schäfer, Head of Treasury von Daimler, spricht mit DerTreasurer über die Herausforderungen des ersten Panda-Bonds eines ausländischen Emittenten in China.

Kurt Schäfer, Head of Treasury bei Daimler, über den Panda-Bond des Autobauers

Daimler

Kurt Schäfer verantwortet seit Ende vergangenen Jahres das globale Treasury des Stuttgarter Autobauers Daimler. Er hat es von Michael Mühlbayer übernommen, der Ende November 2013 in den Ruhestand gegangen ist.

Ein Novum am chinesischen Kapitalmarkt: Als erstes ausländisches Unternehmen hat der Autobauer Daimler vor kurzem eine einjährige Onshore-Renminbi-Anleihe über 500 Millionen Renminbi (umgerechnet rund 60 Millionen Euro) begeben, wie DerTreasurer berichtete. Der Kupon liegt bei 5,2 Prozent.

Der sogenannte Panda-Markt ist erst seit vergangenem Dezember auch für internationale Unternehmen geöffnet. Zuvor war es nur chinesischen Unternehmen vorbehalten, in Festlandchina einen Bond zu begeben. Gemeinsam mit der Bank of China und begleitet von den chinesischen Finanzaufsichtsbehörden hat sich Daimler mit diesem Schritt eine neue Refinanzierungsquelle am chinesischen Kapitalmarkt erschlossen.

Als Vorreiter hatte Daimler auch einige Herausforderungen zu bewältigen: „Der schwierigste Teil waren im Vorfeld, die Maßgaben der verschiedenen Regulierungsbehörden in China zu verstehen und diese auch im konstruktiven Dialog weiterzuentwickeln“, sagt Kurt Schäfer, seit Ende vergangenen Jahres Head of Treasury von Daimler. „Da die chinesischen Behörden hier auch nach internationalen Best-Practice-Ansätzen gesucht haben, konnten wir zu einem für beide Seiten vernünftigen Ergebnis kommen.“

Schäfer von Daimler: „Aufwand für chinesisches Rating begrenzt“

Für einen Onshore-Renminbi-Bond sind im Vergleich zu einem Dim-Sum-Bond (Offshore-Renminbi-Anleihe) wesentlich aufwendigere regulatorische Genehmigungsprozesse erforderlich. Zusätzlich zu den Genehmigungen der Regulierungsbehörde SAFE und der PBoC ist beispielsweise die Registrierung mit NAFMII nötig. Zudem muss ein ausländischer Emittent zusätzlich Übersetzungen ins Chinesische, einen Vergleich der IFRS-Kennzahlen mit dem lokalen Rechnungslegungsstandard PRC GAAP durch einen Wirtschaftsprüfer und eine Dokumentation, basierend auf chinesischem Recht, vorweisen.

Auch ein lokales chinesisches Rating ist notwendig. Doch der Ratingprozess war für Daimler dem Treasury-Chef zufolge keine große Herausforderung: „Beim Rating wurde auf allgemein zugängliche Informationen zurückgegriffen, weshalb der Aufwand begrenzt war“, sagt Schäfer zu DerTreasurer. „Wir haben die Bestnote AAA erreicht.“

In dem gesamten Prozess hat Daimler das hauseigene Treasury Center in Peking sehr geholfen, das alle Treasury-Aktivitäten des Konzerns in China durchführt. Die ausschließlich chinesischen Mitarbeiter sind Teil der globalen Treasury-Organisation und kooperieren eng mit dem Treasury-Team der Zentrale. „Ohne diese Kombination aus zentraler Risikosteuerung und lokaler Marktkompetenz hätten wir die Transaktion nicht gestemmt“, betont Daimler-Treasury-Chef Schäfer.

Daimler sieht einige Vorteile im Panda-Bond-Markt

Im Vergleich zu einer Offshore-Renminbi-Anleihe bietet ein Panda-Bond einige Vorteile. Zum Beispiel können die Emittenten eine breitere Investorenbasis ansprechen. Dazu zählen etwa kleinere chinesische Banken und Fondsmanager, die nicht in eine Offshore-Anleihe investieren können. „Wir sehen die Vorteile des Panda-Marktes darin, dass wir langfristig ein wesentlich höheres Angebots- und Nachfragevolumen erwarten als in Hongkong“, sagt Schäfer. „Das liegt daran, dass die Volkswirtschaft der Volksrepublik China und das verfügbare Vermögen, das Anlegemöglichkeiten sucht, wesentlich größer als in Hongkong sein wird.“

Aus diesem Grund dürften sich in diesem Jahr noch andere internationale Emittenten an den Panda-Markt vorwagen – trotz der höheren Kosten. Auch Daimler hätte im Dim-Sum-Markt in Hongkong eigenen Angaben zufolge einen günstigeren Zinssatz als am Panda-Markt erzielen können. „Allerdings spielen neben den Kosten der Mittelaufnahme auch andere Kriterien eine Rolle“, sagt Schäfer.

„China ist für unsere Produkte einer der wichtigsten Märkte, und wir sehen noch weiteres erhebliches Potential für unsere Fahrzeuge in der Zukunft. Daher möchten wir unseren wachsenden Finanzbedarf langfristig in diesem Land decken und damit auch zu einer Öffnung und Verbreiterung des Kapitalmarktes dort beitragen. Wenn Sie so wollen, haben wir langfristige und strategische Gründe einem kurzfristig attraktiveren Deal vorgezogen.“ Bislang hat sich Daimler in China, wo der Stuttgarter Autobauer rund 10 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet, über herkömmliche Bankdarlehen finanziert.

Daimler benötigt neun Monate für Panda-Bond-Platzierung

Die Transaktion kam nicht über Nacht zustande, da viele Dinge erst geklärt und besprochen werden mussten. Der gesamte Prozess habe von den ersten Diskussionen bis hin zum Abschluss rund neun Monate gedauert. „Aus unserer Sicht lohnen sich der lange Vorlauf und der relativ hohe Aufwand, da wir den Zugang zum lokalen Kapitalmarkt als wichtigen Bestandteil unserer Finanzstrategie sehen“, sagt Schäfer. „Insofern ist die Transaktion eine Zukunftsinvestition in unser China-Geschäft.“

Daimler geht davon aus, dass sich der chinesische Kapitalmarkt in Zukunft stark entwickeln wird. Nach Schätzungen der Ratingagentur Standard & Poor's könnte der Bond-Markt in China in diesem Jahr auf 13,8 Billionen US-Dollar anwachsen und damit die USA überholen.

Paulus[at]derTreasurer.de