Intensive Vorbereitung notwendig

01.04.15 08:30

Dax-Treasurer werden CFO

Von Markus Dentz

Treasurer aus Dax-Unternehmen übernehmen vermehrt CFO-Positionen. Doch Finanzchefs aus dem Treasury sind eher die Ausnahme als die Regel. Um das Zu ändern, ist ein gutes Talent-Management unabdingbar.

Der Weg nach oben ist beschwerlich - besonders wenn es über die Treasury-Abteilung hinausgehen soll.

Wavebreakmedia/Thinkstock/Getty Images

Der Weg nach oben ist beschwerlich - besonders wenn es über die Treasury-Abteilung hinausgehen soll.

Die Karriereoption CFO bleibt für Treasurer spannend. Erst kürzlich wechselten einige prominente Treasury-Chefs in diese Position. So übernimmt Henner Böttcher eine Position als CFO von Lehigh Hanson, einer Tochter von HeidelCement in Nordamerika. Zufälligerweise fast zeitgleich wechselt der langjährige Treasury-Chef der BSH Hausgeräte, Kai Schrickel, ebenfalls nach Nordamerika. „Der Wechsel ins operative Geschäft war für mich ein logischer Schritt nach 20 Jahren im Finance-Bereich“, sagt Schrickel Die Mehrheitsübernahme durch Bosch hat Schrickel genutzt, um die nächste Karrierestufe zu erklimmen.

Bereits im vergangenen Herbst hat Matthias Heiden den Schritt gewagt, CFO von SAP Deutschland zu werden. SAP suchte einen Nachfolger für den Deutschland-CFO Rouven Morato, der ein sechsmonatiges Sabbatical plante und danach eine neue Rolle im Konzern einnehmen wollte. Heiden bewarb sich für den Posten und machte das Rennen: „Das war die Chance, vom Stab wieder in das operative Geschäft zu wechseln und das, was ich als CFO im kleinen Schweden schon trainiert hatte, nun in Deutschland zu vertiefen“, sagt Heiden (siehe auch Titelgeschichte Print 1-2015).

Auch Lanxess-Treasurer Christoph Koch tritt in diesen Tagen seine neue Rolle als CFO an. Im Gegensatz zu den vorgenannten übernimmt er keine Rolle als Regional-CFO innerhalb des Konzerns, sondern wechselt in den Mittelstand: als CFO des wesentlich kleineren Chemieunternehmens Hüttenes-Albertus in Düsseldorf. Es lockte die gesamtkaufmännische Herausforderung: Koch wird  in der zweiköpfigen Geschäftsführung für die Finanzressorts Treasury, Controlling und Accounting verantwortlich sein. Hinzu kommen Recht und IT, aber auch Personal, Einkauf, Beteiligungen und Strategie. „Das ist der Reiz der neuen Aufgabe“, erklärt Koch seinen Wechsel gegenüber DerTreasurer. „Ich war zehn Jahre im Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank und über zehn Jahre im Treasury bei Lanxess. Jetzt war es an der Zeit, den nächsten Schritt als CFO zu machen.“

Treasurer als CFO eher die Ausnahme

CFO zu werden kann für einige der logische nächste Schritt auf der Karriereleiter sein. Allerdings sind CFOs mit Treasury-Hintergrund an der Spitze des Dax-80 (MDax und Dax) weiterhin die Ausnahme. Lediglich 3 Prozent haben nach einer Analyse von FINANCE im vergangenen Herbst, dem Schwestermagazin von DerTreasurer, diesen Background. Ein Großteil der CFOs stammt weiterhin aus dem Controlling, wie etwa beim jüngsten Wechsel bei Lanxess, wo Controlling-Chef Michael Pontzen Anfang April die Nachfolge von CFO Bernhard Düttmann antreten wird.

Allerdings hat ebenfalls nach der FINANCE-Erhebung inzwischen ein anderer Berufszweig dem Controlling, das vor wenigen Jahren mit 35 Prozent der Dax-80-CFOs noch klar führend war (heute 20 Prozent), den Rang abgelaufen. Berater von McKinsey & Co. übernehmen inzwischen häufiger den CFO-Posten. Ihr Vorteil: Sie haben bei vielen verschiedenen Mandanten Erfahrungen gesammelt, die sie für die Unternehmenssteuerung einsetzen können. „Manche Unternehmen wählen auch bewusst einen externen Kandidaten, um einen Kulturwandel herbeizuführen“, sagt Karl Markel, Geschäftsführer bei der Personalberatung Treasury Executives 53°.

Allerdings sieht er die Unternehmen in der Verantwortung, eigene Talente zu fördern. „Ein guter Treasurer oder Controller ist noch lange kein guter CFO, dieser Schritt bedarf einer intensiven Vorbereitung.“ Als CFO fielen rund 80 Prozent der Aufgaben als Treasurer weg, die Verantwortung für neue Bereiche kommt hinzu. Wer auf die CFO-Posten kommen will, muss das planen und sich coachen lassen, betont Markel. „Autodidakten, denen alles in die Wiege fällt, sind eher die Ausnahme.“

dentz[at]DerTreasurer.de