Heraeus

16.10.13
Persönlich & Personal

„Den FX-Schock vermeiden“

Der Ausweis von FX-Effekten im internen Ergebnis von Konzernen ist oftmals kompliziert und aufwändig. Beim Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus hat man sich daher entschlossen, FX-Effekte im internen Ergebnis außen vor zu lassen. Ein Projektbericht.

Für Treasurer international agierender Großkonzerne ist die Behandlung von FX-Effekten im internen Reporting ein steter Quell von Schwierigkeiten. Beim Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus ist das nicht anders. Wie viele Unternehmen auch berechnen die Hanauer neben dem externen ein internes Ergebnis, mit dem der Erfolg der Geschäftseinheiten gemessen wird.

„Bisher haben wir FX-Effekte in beiden Ergebnisgrößen ausgewiesen“, erklärt Thomas Frank, Leiter Corporate Treasury bei Heraeus. Doch sechs Geschäftsfelder und weltweit 115 Gesellschaften machen diese Praxis kompliziert. Denn die entstandenen FX-Effekte müssen nicht nur verursachungsgerecht zugeordnet werden, die Adressaten müssen das Reporting auch noch verstehen. „Zurzeit können wir das wegen der Komplexität der Materie aber nicht in der gewünschten Granularität leisten“, berichtet Frank.

Signifikante FX-Effekte bei Heraeus

Vor diesem Hintergrund stand die Frage im Raum, ob FX-Effekte auch weiterhin im internen Ergebnis ausgewiesen werden sollten oder eben nicht. Die Entscheidung ist für Heraeus von zentraler Bedeutung, da Wechselkursveränderungen vor allem in den Hauptwährungen US-Dollar und japanischer Yen signifikante FX-Effekte in den internen Ergebnissen der Geschäftseinheiten verursachen können. „Wir sprechen da von Größenordnungen jenseits der 10-Prozent- Marke, bezogen auf das EBIT eines Geschäftsbereichs“, sagt Frank.

Prinzipiell gibt es das Geschäftsmodell von Heraeus her, FX-Effekte im internen Ergebnis außen vor zu lassen. „Da wir überwiegend im kurzfristigen Vertragsgeschäft tätig sind, ist ein internes Hedging nicht zwingend notwendig“, erklärt Frank. Denn bei einem Teil der Geschäfte kann Heraeus die Preise an das jeweilige Währungsumfeld anpassen. In diesen Fällen ist das FX-Risiko per se überschaubar. Und bei den Geschäften, bei denen das nicht möglich ist, ermöglicht Hedging zwar Planungssicherheit der künftigen FX-Cashflows. Allerdings garantiert diese Planungssicherheit nicht immer einen positiven Ergebnisbeitrag.

Deutliche Arbeitsentlastung im Treasury

Bei der Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile überwogen aus Sicht der Treasury-Abteilung die Argumente, die für eine Beendigung der bisherigen Praxis sprachen. „Unter dem Strich führt die Nichtberücksichtigung von FX-Effekten im internen Ergebnis zu einer signifikanten Arbeitsentlastung und Komplexitätsreduktion im Treasury. Die Zeit, die wir bislang benötigten, um FX-Effekte auf hunderte Geschäftseinheiten im Heraeus-Konzern aufzuteilen, können wir uns sparen. Künftig wird lediglich die Gesamtposition der FX-Effekte zentral für den Konzern analysiert und optimiert“, fasst Frank zusammen.

Sogar das komplette Weglassen von internen Sicherungsgeschäften mit Tochtergesellschaften scheint möglich. „Allerdings steht für diese Entscheidung noch die steuerliche Prüfung aus“, so Frank. Ein positiver Bescheid brächte eine weitere Entlastung für das Treasury: Differenzen im internen und externen Ergebnis der Töchter könnten dann reduziert werden, und Meldepflichten gemäß der europäischen Derivateverordnung Emir für Intercompany- Geschäfte wären obsolet.

Geschäftseinheiten profitieren ebenfalls

Doch auch die Geschäftseinheiten profitieren von dem Projekt. „Im internen Reporting werden lediglich die zu Tageskursen umgerechneten Umsätze und Kosten ausgewiesen – ohne jegliche FX-Effekte. Das vereinfacht den Ergebnisbericht und reduziert den Erklärungsbedarf“, prognostiziert Frank. Darüber hinaus sorgt die neue Praxis für den (gewünschten) Druck auf das lokale Management, das Wechselkursrisiko durch Währungsklauseln in den Verträgen abzuwälzen und mögliche Produktionsverlagerungen frühzeitig zu managen. „Die Geschäftseinheiten werden dadurch sehr viel agiler, was die Optimierung von Währungsrisiken oder Preisverhandlungen angeht. Der jährliche Schock, wenn das ERP-System auf den neuen FX-Budgetkurs umstellt, entfällt“, so Frank.

 

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