Der Cash Manager – ein Berufsbild im Finanzbereich

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29.04.14
Persönlich & Personal

Der Cash Manager – ein Berufsbild im Finanzbereich

Das Cash Management ist ein wichtiger Teilbereich des Treasury. Doch welche Kenntnisse muss ein Cash Manager mitbringen und mit welchem Gehalt ist in diesem Beruf zu rechnen? Diese und andere Fragen beantwortet dieser Ratgeber.

Sepa – die Einführung des Euro-Zahlungsverkehrs hat besonders die Cash Manager von Unternehmen umgetrieben, und tut es noch. Mit dem Sepa-Projekt ist ein wichtiger Teilbereich des Treasury ins Rampenlicht gerückt. Mitarbeiter, die sich um diesen Bereich im Unternehmen kümmern, haben drei zentrale Aufgabengebiete: Die kurzfristige Liquiditätsplanung und -steuerung, die Disposition liquider Mittel sowie die Gestaltung der Zahlungsströme.

Für Unternehmen ist es essentiell, den Überblick über die aktuelle Liquiditätsposition zu haben, Liquiditätsdefizite müssen gedeckt und Überschüsse angelegt werden. Zudem wollen die Firmen ihren Zahlungsverkehr möglichst kostengünstig gestalten, weshalb das Thema Bankgebühren auf der Agenda der Cash Manager ganz weit oben steht. Gerade bei Fremdwährungstransaktionen berechnen Banken Preise und Kurse, die zum Teil weit über den Interbankennotierungen liegen.

Die Preisverhandlungen mit Banken sind eine weitere interessante Aufgabe im Cash Management. Martin Postweiler, derzeit VP Product and Client Services beim Cloud-Zahlungsverkehrsanbieter TIS in Walldorf, weiß noch aus seiner Zeit als Cash Manager der Deutschen Lufthansa: „Gerade weil sich Preisstrukturen in vielen Ländern und über Banken hinweg oft deutlich unterscheiden, kann das schon eine spannende Herausforderung werden.“

Cash Manager gibt es vorwiegend in Großunternehmen

Die Position des Cash Manager findet sich aber nicht in jedem Treasury. Vorwiegend große Unternehmen aus Dax und MDax sowie Firmen vergleichbarer Größe in Familienhand haben eigene Cash Manager angestellt. Bei den kleineren Unternehmen übernimmt häufig der Treasurer oder Sachbearbeiter die Aufgaben des Cash Managers mit. Ein gutes Zahlenverständnis, analytisches Denkvermögen sowie Genauigkeit sind die Grundvoraussetzungen für diesen Beruf.

Bei internationalen Unternehmen sind gute Englischkenntnisse unerlässlich, um mit internationalen Tochtergesellschaften kommunizieren zu können. „Im Zuge von M&A-Transaktionen ist zudem häufig Fingerspitzengefühl im Projektmanagement gefragt, wenn es um die schnelle und reibungslose Anbindung neuer Konzerngesellschaften ans zentrale Cash Management geht“, sagt Postweiler.

Seit der Finanzkrise hat das Liquiditätsmanagement in den Unternehmen an Bedeutung gewonnen. Immer mehr Unternehmen arbeiten seither daran, ihre Trapped-Cash-Quote – also die Liquidität, auf die die Mutter keinen Zugriff hat,  – zu reduzieren. Cash Pooling ist dabei ein wichtiges Mittel.

Insbesondere die Möglichkeit, die chinesischen Tochtergesellschaften in das globale Cash Management einzubinden, treibt viele Cash Manager derzeit um, denn China erlaubt seit kurzem beispielsweise das grenzüberschreitende Cash Pooling für Unternehmen mit Sitz in der Freihandelszone.

Sepa: Kraftakt für Cash Manager

Der Weg ins Cash Management beginnt in der Regel wie bei Treasurern auch mit einem abgeschlossenen betriebswirtschaftlichen oder wirtschaftswissenschaftlichen Studium. Eine Bankausbildung hilft, die Mechanismen der Geld- und Finanzmärkte zu verstehen, um mit den Zahlungsströmen und den Liquiditätspositionen vertraut zu werden.

Auch IT-Kenntnisse werden immer wichtiger: Die Automatisierung im Cash Management steigt, viele Unternehmen wollen in den kommenden Jahren weiter standardisieren und automatisieren. „IT-Kenntnisse sowohl im ERP-System auf der Buchhaltungsseite als auch im Treasury-Management-System sind unerlässlich“, sagt auch Karl Markel, Geschäftsführer des Personaldienstleisters treasury executives 53°.

Wie wichtig solch ein Wissen ist, war auch bei der Umstellung auf einen einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, die sogenannte „Single Euro Payments Area“, kurz Sepa, zu spüren. Denn trotz der Bankwurzeln und der guten Kontakte zu den Kreditinstituten war die Umstellung auf Sepa für viele Unternehmen ein Kraftakt, manche sind noch mitten in der Umsetzung.

Einige Unternehmen haben die Sepa-Umstellung auch genutzt, um ihren Zahlungsverkehr neu zu strukturieren. Dazu gehörte auch der Spezialglashersteller Schott, der in den vergangenen Jahren einiges in seinem Cash Management und im Zahlungsverkehr umgestellt hat: „Die anstehende Sepa-Umstellung war 2010 der Auslöser, dass wir unseren weltweiten Zahlungsverkehr komplett überdacht haben“, erinnert sich Ralf-Jörg Weigold, Leiter Corporate Treasury und Financing bei Schott. Der Druck der Sepa-Regulierung und die damit verbundenen neuen Fragestellungen hätten geholfen, Strukturen aufzubrechen und den Zahlungsverkehr im Treasury zu bündeln.

Payment Factory als nächster Schritt der Zentralisierung

Manche Firmen denken auch über eine Payment Factory als zentrale Zahlungsplattform nach, da darüber auch die Prozesse anderer Abteilungen zentralisiert und standardisiert werden. „Gemeinsam mit Shared Service Centern und einer Inhouse-Bank [Abwicklung des konzerninternen Zahlungsverkehrs, Anm. d. Red.] ist eine Payment Factory die logische Weiterentwicklung“, sagt Postweiler.

Erfolgreich abgeschlossene Projekte helfen den damit betrauten Cash Managern in der Karriereentwicklung. In der Treasury-Abteilung des Unternehmens können Cash Manager im Laufe der Zeit ihre Aufgabenbereiche ausweiten und bis zum Leiter Treasury aufsteigen.

Wie die anderen Treasury-Mitarbeiter auch verdienen Cash Manager gut: „Einsteiger und Professionals mit Berufserfahrungen unter fünf Jahren werden sich mit einer tariflichen Eingruppierung zufriedengeben müssen“, sagt Markel von treasury executives 53°. „Die Fortgeschrittenen unter den Cash- und Liquiditätsmanagern bringen aber Spezialwissen mit, das sich nicht in zwei oder drei Jahren aneignen lässt.“ Erfahrene Cash- und Liquiditätsmanager seien oftmals zehn Jahre und länger im Geschäft.

Dieses Spezialwissen und lange Berufserfahrung erhöhen den Marktwert eines Cash Managers – wie in anderen Berufsgruppen auch – deutlich. „Unternehmen entlohnen erfahrene Cash- und Liquiditätsmanager oft außertariflich und begründen diesen Schritt mit den Spezialkenntnissen, der Mitarbeiterverantwortung und der Projekterfahrung“, sagt Markel. Ein Leiter Cash Management kann bis zu 130.000 Euro brutto im Jahr verdienen.

Paulus[at]derTreasurer.de

Was Cash Manager verdienen können

Cash Manager: 45.000 bis 60.000 Euro
Senior Cash Manager: 60.000 bis 75.000 Euro
Leiter Cash Management: 80.000 bis 130.000 Euro

Quellen: Fricke Finance & Legal und Hays

Weitere einführende Treasury-Texte finden Sie auf der Themenseite Treasury-Ratgeber.

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