Der Risikomanager - ein Berufsbild im CFO-Bereich

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07.05.14
Persönlich & Personal

Der Risikomanager - ein Berufsbild im CFO-Bereich

Risikomanager müssen kritisch sein, wenn sie einen guten Job abliefern wollen. Welche Voraussetzungen sonst noch mitzubringen sind und mit welchem Gehalt ein Risikomanager rechnen kann, zeigt dieser Ratgeber.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat Unternehmen zweierlei Dinge gelehrt: Zum einen, dass auch das unwahrscheinlichste Ereignis eintreten kann und zum anderen, dass man darauf auch vorbereitet sein sollte. Es ist die Aufgabe des Risikomanagers sich mit allen Arten von Risiken im Unternehmen zu beschäftigen: Neben Finanzrisiken wie Zins-, Währungs-, Rohstoff- und Kontrahentenrisiken müssen Risikomanager auch die strategische Risiken, die Compliance-Risiken und die Risiken des operativen Geschäftsbetriebs im Blick haben.

Es geht dabei aber nicht nur um die Identifikation und das Management von Einzelrisiken, sondern auch und vor allem um die aggregierten Gesamtrisiken des Unternehmens in einer immer schnelllebigeren und komplexeren Umwelt.

Der Risikomanager hat eine sehr wichtige Stellung im Unternehmen. Das zeigt sich auch in seiner Hierarchie im Unternehmen. Er berichtet entweder direkt an den Vorstand und informiert ihn über Chancen und Gefahren der Geschäftstätigkeit oder er agiert selbst auf C-Level-Ebene und damit auf Augenhöhe mit CEO und CFO.

In vielen Unternehmen der Realwirtschaft ist der CFO, neben den Finanzen, für das Risikomanagement zuständig. Peter Sielmann, CFO der Neumann Kaffee Gruppe ist 2012 beispielsweise für sein vorbildliches und stringentes Risikomanagement zum CFO des Jahres gekürt worden. Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne, Linde-CFO Georg Denoke und ThyssenKrupp-Finanzvorstand Guido Kerkhoff haben bei den Dax-CFOs unter anderem auch den CRO-Hut auf.

Denn im Gegensatz zu den Kreditinstituten und Finanzdienstleistern, die oft einen spezialisierten CRO auf Vorstandsebene angesiedelt haben, beschäftigt kein einziger der im Dax gelisteten Industriekonzerne ein Vorstandsmitglied, das sich ausschließlich um das Risikomanagement kümmert.

Risikomanager müssen Simulationsverfahren kennen

Voraussetzung für eine Tätigkeit als Risikomanager ist oftmals ein betriebswirtschaftliches Studium. Doch das allein reicht nicht aus. „Ein Risikomanager braucht spezielle Zusatzkenntnisse im Finanzierungsbereich und bei quantitativen Verfahren wie Simulationsverfahren, Rating- und Bewertungsverfahren“, sagt Werner Gleißner, der unter anderem dem Präsidium des Bundesverbandes der Ratinganalysten und Ratingadvisor angehört.

Der größte Engpass liege im Bereich von Simulationsverfahren. „Hier gibt es noch großen Nachholbedarf bei den Risikomanagern“, sagt Gleißner weiter. Ohne Simulation gebe es keine Risikoaggregation und ohne Risikoaggregation keine Möglichkeit, den Gesamtrisikoumfang zu berechnen und eine Bedrohung des Unternehmens zu erkennen.

Gerade mittelständische Unternehmen nutzen bislang selten Simulationsverfahren oder das Konzept der Szenariotechnik. „Häufig scheuen kleinere und mittelständische Unternehmen den Aufwand, die Szenariotechnik einzuführen“, sagt Harald Vogelsang, CFO der Unternehmensgruppe Weidmüller. Doch die Mühe lohnt sich, ist er sich sicher.

„In den Krisenjahren 2008 und 2009 mussten wir mit anschauen, wie unser Umsatz von 533 Millionen Euro auf 401 Millionen Euro einbrach“, erinnert sich Vogelsang. „Deshalb haben wir uns Ende 2009 gefragt, wie wir unter dem Eindruck dieses unsicheren und komplexer werdenden Marktumfeldes sowohl unsere Antizipationsleistung als auch unsere Reaktionsqualität würden verbessern können. Da war die Szenariotechnik für uns genau richtig.“

Risikomanagement-Skills oft im CFO-Bereich zu finden

Neben Simulationsverfahren sollten sich Risikomanager noch mit mathematisch-statistischen Methoden, den verschiedenen Verfahren der Unternehmensbewertungen sowie der Kalkulation operativer Risiken und der Risikomodellierung auskennen.

„Die wesentlichen Kompetenzen, die ein guter Risikomanager braucht, findet man oft beim CFO oder seinen Mitarbeitern: Prozessverständnis, analytische und finanzmathematische Grundkenntnisse und ein breites Verständnis des Geschäftsbetriebs“, sagte Uwe Herre, Partner bei PwC, zu der DerTreasurer-Schwesterpublikation FINANCE. Das mag einer der Gründe sein, warum das Risikomanagement oft in den Händen des CFOs ruht.

Aber auch bei der Ausbildung zum Risikomanager ist das finanzspezifische Fundament nicht zu leugnen. Es kann nach dem Studium der Betriebswirtschaft hilfreich sein, noch eine Weiterbildung zum Chartered Financial Analyst (CFA) oder zum Financial Risk Manager (FRM) zu absolvieren. Der Berufsverband der Analysten, Anlageberater und Asset Manager (DVFA) und die Universität Augsburg bieten beispielsweise Zertifikatskurse zum Risikomanager an.

Risikomanager müssen die größten Kritiker sein

Doch neben all den fachlichen Kenntnissen braucht ein Risikomanager eine entscheidende persönliche Eigenschaft: „Ein Risikomanager muss bereit sein, auch Konflikte im Unternehmen auszutragen, da er kritische Analysen zu anstehenden Entscheidungen vorlegen muss, die nicht immer auf Begeisterung stoßen werden. Durch dieses kritische Hinterfragen liefert der Risikomanger den Mehrwert für das Unternehmen“, sagt Gleißner. Der Rest sei Formsache. Solche kritischen Äußerungen sind allerdings auch oder gerade gegenüber dem CFO und CEO zu vertreten, was eine starke Persönlichkeit erfordert.

All diese Voraussetzungen – egal ob fachlicher oder persönlicher Natur – bringen Berufseinsteiger aber nur sehr selten mit. So verwundert es nicht, dass es Risikomanager auf Juniorlevel so gut wie nicht gibt. Häufig haben sie vorher schon einige Jahre im Auditbereich, in der Revision oder im strategischen Controlling gearbeitet.

Das spiegelt sich auch im Gehalt wieder: Der Lohn eines Risikomanagers startet bei etwa 60.000 Euro und kann beim Leiter bis zu 200.000 Euro betragen. Weitere Karrieremöglichkeiten sind Leiter Strategie, Leiter Business Development oder Leiter M&A.

Risikomanager haben zudem gute Jobaussichten: Ihre Stellen gibt es in Großunternehmen, in Banken und Versicherungen. Im Mittelstand nimmt der Controller oftmals die Tätigkeiten des Risikomanagers in Personalunion wahr.

Wie wichtig solch eine Position im Unternehmen ist, haben die Unternehmen schmerzhaft in der Finanz- und Wirtschaftskrise gelernt. Das hat die Position der Risikomanager gestärkt und dafür gesorgt, dass sie „über die letzten Jahre an Bedeutung gewonnen haben“, wie der Personaldienstleister Fricke Finance & Legal erklärt.

Paulus[at]derTreasurer.de

Was Risikomanager verdienen können

Risikomanager: 60.000 bis 70.000 Euro
Senior Risikomanager: 70.000 bis 90.000 Euro
Leiter Risikomanagement: 90.000 bis 120.000+. Bis zu 200.000 Euro sind möglich.

Quellen: Michael Page, Hays, Fricke Finance & Legal

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