Interview über die Aufgaben der Treasurer.

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17.07.14
Persönlich & Personal

„Der Treasurer geht beim CFO ein und aus“

Über die sich wandelnde Rolle des Treasurers sprachen Alexander Vocelka (Leiter der Business Unit Accounting, Treasury und Risk Management) und Christian Million (Experte für Treasury und Capital Management) von Horváth & Partners.

Herr Vocelka, Horváth & Partners war bisher vor allem für Controlling bekannt. Seit Mitte 2013 forcieren Sie die Treasury-Beratung. Was waren die Beweggründe dafür?
Vocelka: In den vergangenen 20 Jahren haben sich viele Finanzverantwortliche sehr auf das Controlling, Reporting und Rechnungswesen konzentriert. Das Thema Liquidität ist in letzter Zeit aber stärker in den Vordergrund gerückt. Mit der Finanzkrise hat sich dieser Effekt noch verstärkt. Daher war uns klar, wenn wir den CFO umfänglich unterstützen möchten, müssen wir auch in diesem Bereich aktiv werden.

Million:
Darüber hinaus haben sich  einige Mittelstandsunternehmen bislang nur rudimentär mit Treasury-Themen beschäftigt, so dass für diese Unternehmen noch Entwicklungsbedarf besteht.

Wo sehen Sie besonderen Nachholbedarf?
Million: Im Allgemeinen kann man sagen, dass beispielsweise im Bereich der Liquiditätsplanung und -steuerung vor allem die vollständige systemtechnische Integration immer noch nicht erreicht ist. Excel ist nach wie vor das vorherrschende Tool. Die Integration zu anderen Unternehmensfunktionen wie Accounting,  Controlling oder Unternehmensplanung ist häufig ebenfalls noch verbesserungswürdig. Und die neuen regulatorischen Themen stellen für die Unternehmen immer wieder eine Herausforderung dar.

„Der Treasurer übernimmt für den CFO eine immer wichtigere Rolle als Businesspartner“

Wie wirkt sich die zunehmende Bedeutung des Treasury auf das Zusammenspiel mit anderen Bereichen der Finanzabteilung aus?
Vocelka: Wir spüren, dass der Treasurer für den CFO eine immer wichtigere Rolle als Businesspartner übernimmt. Bei großen Konzernen merken wir schon, dass der Treasurer beim CFO ein- und ausgeht und erster Ansprechpartner ist, wenn es um das Thema Liquidität geht – egal ob im Alltagsgeschäft oder bei der Vorbereitung großer M&A-Transaktionen.

Es gibt allerdings einige Themen, wie das Working Capital Management oder die Liquiditätsplanung, bei denen häufig unklar ist, ob sie überhaupt im Treasury verortet sind – oder nicht eher im Controlling oder Rechnungswesen. Wie schätzen Sie das ein?
Vocelka: Aus meiner Sicht ist das Working Capital Management heute und perspektivisch noch stärker im Treasury verortet. Wir sehen aber auch, dass zwar viele darüber sprechen, aber wenige es wirklich anpacken. Besonders bei den Lagerbeständen tun die Unternehmen noch zu wenig. Viele hoffen, dass ihre Zahlen einigermaßen innerhalb der Benchmarks liegen und nutzen das dann als Vorwand, nichts zu machen. Dabei könnten Unternehmen auch durch ein stärkeres Zusammenspiel mit Kunden und Lieferanten noch mehr erreichen.

Wie meinen Sie das genau?
Vocelka: Vorstellbar ist, dass Unternehmen ihre Liquidität beispielsweise über Unternehmensgrenzen hinweg poolen. Ich halte sogenanntes Peer-to-Peer-Lending für gut möglich. Damit übernehmen Unternehmen die Aufgaben von den Banken und können Gebühren und Zinsen sparen.

„Hochkomplexe Systeme werden wieder zurückgefahren oder abgelöst“

Das ist ein spannender Ansatz, der zum Teil auch schon praktiziert wird. Ein anderes Thema, das viele Treasurer bewegt, ist ihre Systemlandschaft: Viele Prozesse müssen automatisiert werden. Sie haben die letzten Jahre im Computerkonzern IBM gearbeitet. Welche Trends sehen Sie im Bereich der Software?
Vocelka: Wir stellen fest, dass Unternehmen verstärkt wieder auf Standardtools setzen und nicht mehr den Maßanzug bevorzugen. Hochkomplexe Systeme werden wieder zurückgefahren oder abgelöst.

Million
: Dabei muss man sagen, dass das, was man heute unter Standard versteht, ein ganz anderes Niveau als früher hat. Unternehmen fragen sich stärker: Was macht Sinn, auf was kann man verzichten? Dabei stellen Sie fest, dass Softwaremodule vorhanden sind, die sie überhaupt nicht nutzen. Manchmal stellt man dann auch fest, dass fast alles mit dem bestehenden System möglich gewesen wäre. 

„Der Cloud-Gedanke hat sich inzwischen festgesetzt“

In den letzten Jahren hat sich besonders der Cloud-Markt weiterentwickelt. Welche Rolle spielen derlei Ansätze, die es in verschiedensten Ausprägungen gibt, in den Planungen von Unternehmen?
Vocelka: Aus unserer Sicht hat sich der Cloud-Gedanke inzwischen festgesetzt. Das Mieten von Servern kann zum Beispiel eine Ausprägung sein. Wir sehen, dass Unternehmen im Bereich der Software-as-a-Service-Dienstleistungen einen hohen Bedarf haben.

Seit der NSA-Affäre gibt es allerdings starke Sicherheitsbedenken – gerade wenn die Server nicht unbedingt in Europa liegen…
Vocelka: Ja, die gibt es sicherlich. Ich glaube aber nicht, dass die NSA-Daten für wirtschaftliche Zwecke missbraucht werden – ohne es allerdings genau zu wissen.

Million
: Darüber hinaus haben viele Anbieter bereits darauf reagiert und stellen ihre Server in Europa beziehungsweise in Deutschland auf, um den Kunden die Angst vor Datenmissbrauch zu nehmen. Private-Cloud-Lösungen sind eine weitere Möglichkeit, die ungewollte Datenverbreitung einzuschränken.

Dentz[at]derTreasurer.de