M&A-Deal von ZF Friedrichshafen

19.09.14 08:00

Der ZF-Deal: Herausforderung für das Treasury

Von Markus Dentz

ZF Friedrichshafen will TRW Automotive übernehmen. Mit der Transaktion kommt einiges auf das Treasury-Team um Ulrich Rüger zu: So ist beispielsweise das Kapitalmarktdebüt mit neuen Bonds geplant.

ZF-Getriebewerk in Gray Court, South Carolina.

ZF

ZF-Getriebewerk in Gray Court, South Carolina, USA: Durch die TRW-Akquisition erhöht sich das US-Geschäft von ZF maßgeblich.

Mega-Deal in der Automotive-Branche:  ZF-Friedrichshafen hat zum Wochenstart die Übernahme von TRW Automotive bekanntgegeben. Für 12,4 Milliarden US-Dollar in bar übernehmen die Oberschwaben den US-Wettbewerber. Hinzu kommen noch Schulden in Höhe von zuletzt 961 Millionen US-Dollar. Die Kartellämter müssen der Transaktion noch zustimmen. Anschließend will ZF TRW von der Börse nehmen und als eigenständige Division weiterführen.

Besonders für CFO Konstantin Sauer und seine Treasury-Abteilung um Ulrich Rüger (früher Getrag) ist ein Deal dieser Art eine Herkulesaufgabe. Am Anfang steht die Finanzierung: Dafür hat ZF Zusagen von der Deutschen Bank und Citigroup erhalten, die eine milliardenschwere Brückenfinanzierung gewähren. Viele Banken hätten den Deal gerne begleitet, ZF gilt aber als sehr restriktiv und soll besonders zur Deutschen Bank gute Kontakte unterhalten. Citi ergänzt durch seine starke US-Präsenz.

Kredite durch Anleihe ablösen

In den nächsten sechs Monaten will ZF die Kredite durch Anleihen ablösen. Hierdurch kommen mehrere Unwägbarkeiten auf den Zulieferer zu. Die Bondmärkte müssen offen sein – in nur allzu schlechter Erinnerung ist noch die Schaeffler-Conti-Übernahme, bei der Brückenkredite unfreiwillig zu Langfristkrediten wurden. Inzwischen haben die Banken reagiert und entsprechende Step-up-Strukturen und Verlängerungsoptionen eingeführt. Im nächsten Schritt muss ZF kapitalmarktfähig werden. Momentan verfügt das Stiftungsunternehmen über kein öffentliches Rating. „Dieses wäre wohl eine Voraussetzung für Kapitalmarkttransaktionen dieser Größenordnung“, sagt ein Banker. Ohne Rating wären die Bonds im aktuell günstigen Umfeld wahrscheinlich platzierbar, allerdings nicht so einfach.

Kaufpreis-Hedging im volatilen Umfeld

Besonders kritisch dürfte auch das Hedging des Kaufpreises gewesen sein. Im volatilen Umfeld – der Euro gab in den letzten Wochen nach – könnte der Kaufpreis ohne geeignete Sicherungsmaßnahmen bei einem Verfall des Euro gegenüber dem US-Dollar deutlich teurer werden. ZF dürfte hier je nach Dealsicherheit auf Optionen oder Forwards gesetzt haben.

Nach dem Abschluss der Transaktion steht die Integration vor der Tür. Ein Treasurer, der bereits in US-Deals ähnlicher Größenordnung involviert war, empfiehlt eine schnelle Integration der Systeme und eine sofortige Übernahme der Treasury-Aktivitäten durch die Zentrale. Besonders Parallelwelten bergen größere Risiken. „Vor dem Closing sollte man sich die Zeit nehmen, die gegenseitigen Treasury-Prozesse zu verstehen und Differenzen zu erkennen“, sagt der Treasurer. „Ab Closing sollte es klare Vorgaben und eine schnelle Integration in die Konzernprozesse geben, ohne faule Kompromisse.“ Auch die neue Konzernwährung sei zu bedenken. „US-Unternehmen denken in US-Dollar – wir in Euro“, sagt der Treasurer.

Dentz[at]derTreasurer.de