Die beiden Treasurer Wolfgang Bohner (links) und Christian Große Erdmann haben die Hybridanleihe federführend für die Deutsche Bahn platziert.

Klaus Lange

22.11.19
Persönlich & Personal

Deutsche Bahn fährt mit erster Hybridanleihe los

Die Deutsche Bahn hat erstmals eine Hybridanleihe begeben. Treasury-Chef Wolfgang Bohner und Christian Große Erdmann sprachen mit DerTreasurer über die Hintergründe dieser Transaktion.

Bei der Deutschen Bahn ist derzeit einiges los: Die Frage, was mit der Nahverkehrstochter Arriva geschehen soll, sorgt für Streitigkeiten. Gleichzeitig will der Reise- und Logistikkonzern die im September angekündigte größte Investitionsoffensive in seiner Geschichte angehen. Bis 2030, so sieht es das Klimapaket der Bundesregierung vor, will der Staat als alleiniger Eigentümer der Bahn jährlich rund 1 Milliarde Euro zusätzliches Eigenkapital für Modernisierung, Ausbau und Elektrifizierung des Schienennetzes zur Verfügung stellen. Insgesamt 86 Milliarden Euro wollen Bund und Bahn investieren.

Deutsche Bahn will mit Hybridanleihe Kreditrating stützen

Um hierfür neben Bundesmitteln auch eigenes Geld in Personal, Infrastruktur und Züge investieren zu können, hat die Deutsche Bahn erstmals Mitte Oktober eine Hybridanleihe begeben. „Angesichts der größten Investitionsoffensive in unserer Geschichte wollten wir mit diesem Finanzierungsinstrument das Signal senden, dass wir unser Rating im AA-Bereich behalten wollen, um jederzeit zu guten Konditionen an den Kapitalmarkt gehen zu können“, sagt Wolfgang Bohner.

Der Bereichsleiter Finanzen und Treasury der Deutschen Bahn hat zusammen mit Christian Große Erdmann, Leiter der Abteilung Kapitalmarktfinanzierung und Risikomanagement, die Transaktion federführend begleitet.

Mit der Hybridanleihe kann die Bahn ihr Kreditrating stützen, denn sie zählt zu 50 Prozent zum Eigenkapital. Das ist nach der Methodologie der Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's so vorgesehen. Aus bilanzieller Sicht nach dem Rechnungslegungsstandard IFRS gelten sie sogar zu 100 Prozent als Eigenkapital, wenn die Laufzeit unendlich ist, was bei der Bahn-Anleihe der Fall ist.

Der Hybrid gliedert sich in zwei Tranchen, die jeweils ein Volumen von 1 Milliarde Euro haben. Die Tranche, die die Bahn nach fünfeinhalb Jahren das erste Mal kündigen kann, ist mit einem Kupon von 0,95 Prozent ausgestattet. Die zweite Tranche, bei der die Kündigungssperrfrist nach zehn Jahren endet, wird mit 1,6 Prozent verzinst. Damit weisen beide Tranchen für ihre jeweiligen Kündigungssperrfristen Unternehmensangaben zufolge die bisher niedrigste Emissionsrendite einer Euro-Hybridanleihe auf.

„Bei der Tranche mit der kürzeren Sperrfrist einen Kupon von unter 1 Prozent zu erreichen, haben wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet“, verrät Bohner. Nach Ablauf der Kündigungssperrfristen greift eine Step-up-Klausel, falls die Bahn den Hybrid zu diesem Zeitpunkt nicht zurückbezahlen wird. „Der Spread kann bei beiden Tranchen um maximal 1 Prozent steigen“, sagt Große Erdmann.

Bahn-Hybrid: besonderer Fall für Ratingagenturen

Rund drei Monate habe die Vorbereitung der Emission gedauert. Die beiden Finanzspezialisten Bohner und Große Erdmann haben während des Prozesses intensiv mit den Ratingagenturen kommuniziert: „Unsere Transaktion war für die Ratingagenturen kein Fall wie jeder andere“, sagt Bohner. Warum? Das erfahren Sie im E-Magazin 22/2019.

Paulus[at]derTreasurer.de

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