Fusionen und Übernahmen aus Treasury-Sicht

13.05.14 09:00

Die M&A-Welle rollt wieder

Von Markus Dentz

Unternehmen haben viel Spielraum für M&A-Transaktionen – und nutzen diesen auch. Treasurer beobachten den Trend mit gemischten Gefühlen.

Unternehmen haben viel Spielraum für M&A-Transaktionen – und nutzen diesen auch.  Treasurer beobachten den Trend mit gemischten Gefühlen.

Thinkstock / Getty Images

Deutsche Unternehmen machen wieder durch große M&A-Deals von sich reden. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck greift nach der britischen Spezialchemiefirma AZ Electronic– der größte Deal seit der Millipore-Übernahme im Jahr 2010. Der Aromenhersteller Symrise stemmt gerade die milliardenschwere Übernahme des französischen Nahrungsmittelinhaltsstoffanbieters Diana. Unlängst schlug der Reifenkonzern Continental nach längerer Abstinenz beim US-Kunststoffhersteller Veyance zu. Und Bayer tätigt seinen größten M&A-Deal seit dem Kauf von Schering: Für 10,4 Milliarden Euro kauft der Leverkusener Dax-Konzern wie angekündigt das Consumer-Care-Geschäft von Merck & Co – dem US-Konzern wohlgemerkt. Laut Daten von Bloomberg lag das Volumen der geplanten Übernahmen in den ersten drei Monaten 2014 bei mehr als 750 Milliarden Dollar (580 Milliarden Euro).

Die Rahmenbedingungen für M&A-Transaktionen stimmen: Die Bewertungen sind für Verkäufer attraktiv. Viele Unternehmen stehen bilanziell äußerst solide da und können Übernahmen entweder mit ihren Banken oder über den Kapitalmarkt problemlos finanzieren. „Wegen der relativ niedrigen M&A-Aktivitäten und der zumindest für deutsche Unternehmen guten operativen Entwicklung in den letzten Jahren, haben eine Reihe von Corporates hohe Cashreserven und damit einhergehenden Finanzierungsspielraum unter Ratingaspekten“, sagt der Treasury-Chef eines Dax-Konzerns. Zum Teil werden die Unternehmen von ihren Anteilseignern unter Druck gesetzt, etwas mit dem Geld zu machen. Das führte in der Vergangenheit schon zu einem Herdentrieb.

Finanzielle Risiken bei M&A-Transaktionen

Treasurer beobachten die Entwicklung deswegen mit gemischten Gefühlen. Positiv, weil die Durchführung der Transaktionen häufig spannende Projekte mit sich bringen, bei denen besonders die Treasury-Abteilung gefordert ist: Der Kaufpreis ist zu finanzieren oder – bei Fremdwährungstransaktionen – zu hedgen. Weniger gern gesehen ist hingegen die aufwendige Integration neuer Konzernteile, die häufig uneinheitliche Systemlandschaften haben. Außerdem gehen mit jeder Übernahme auch finanzielle Risiken einher: Jeder Treasurer will nach den Erfahrungen der Finanzkrise Situationen wie bei den Mega-Deals von Schaeffler und Continental oder Porsche und VW tunlichst vermeiden.

Dentz@derTreasurer.de