Thorsten Holten managt die Zahlungen

29.03.12 14:09

Doppelte Sichtweise bei Wirecard

Von Sabine Reifenberger

Thorsten Holten, Executive Vice President Treasury der Wirecard-Gruppe, muss gleich zwei Baustellen im Blick behalten. Er beaufsichtigt nicht nur die Finanzen des Konzerns, sondern auch die Kundeneinlagen bei der hauseigenen Bank.

In der Wirecard-Gruppe kümmert sich das Treasury nicht nur um die Finanzen des Konzerns. Auch Themen der hauseigenen Bank spielen im Tagesgeschäft eine wichtige Rolle. „Wirecard ist eines der wenigen Unternehmen, in dem es diese Konstellation gibt. Das macht die Arbeit als Treasurer sehr spannend“, sagt Thorsten Holten, der als Executive Vice President Treasury die gesamte Wirecard-Gruppe im Blick hat.

 

Der Zahlungsdienstleister mit Sitz im Münchener Außenbezirk Aschheim erwirtschaftete 2011 rund 325 Millionen Euro Umsatz. Zahlungsverkehrsthemen begegnen Holten auch auf der Produktseite: Wirecard wickelt für seine Kunden elektronische Zahlungen ab. 2011 hat Wirecard mit 500 Mitarbeitern Transaktionen für voraussichtlich 14 Milliarden Euro durchgeschleust. Das Treasury-Team besteht heute aus neun Leuten. Als er 2002 bei Wirecard anheuerte, war Holten noch allein für den Bereich zuständig.

Sicherheit vor Rendite

Thorsten Holten Wirecard

Thorsten Holten

Ein komplett neues Aufgabenfeld erhielt Holten, nachdem Wirecard die XCOM Bank gekauft und zum 1. Januar 2006 als Wirecard Bank in den Konzern integriert hatte, um zum Komplettanbieter im Bereich Online-Zahlungsabwicklung zu werden. „Die Integration der Bank war in den vergangenen zehn Jahren das prägendste Ereignis sowohl für die Gruppe als auch für das Treasury“, sagt Holten. Das Treasury war nun in manchen Bereichen auch Dienstleister für die Kunden der Bank und musste die aufwendigen regulatorischen Rahmenbedingungen erfüllen.

 

Mittlerweile managt Holten Geldanlagen von mehr als 200 Millionen Euro, knapp die Hälfte davon Kundeneinlagen. In der Anlagestrategie steht Sicherheit vor Rendite: „Unser Problem besteht zurzeit darin, überhaupt erstklassige Kontrahenten zu finden“, sagt Holten. Voraussetzung für eine Geldanlage ist eine Ratingeinstufung von mindestens A auf der S&P-Skala und eine positive Einschätzung der konzerninternen Risikoabteilung.

 

Für 2012 steht das Thema Sepa oben auf der Agenda. „Jetzt, wo das Enddatum für nationale Systeme feststeht, können wir die Umstellung endlich angehen“, sagt Holten. Lastschriften nutzt der Konzern weniger, die Umstellung von Überweisungen ist daher die größere Herausforderung. Das ehrgeizige Ziel: „Ende dieses Jahres wollen wir die Migration im Konzern abschließen.“

 

Dass er viele Themen sowohl durch die Corporate- als auch durch die Bankenbrille betrachten kann, macht für den gelernten Bankkaufmann Holten inzwischen den Charme des Wirecard-Treasury aus. „Die Mischung macht es besonders reizvoll“, sagt er. „Meinen Job mache ich jedenfalls nach zehn Jahren immer noch gern.“

Reifenberger[at]derTreasurer.de