Fraport als Frequent Issuer am Schuldscheinmarkt

Fraport

03.12.14
Persönlich & Personal

Fraport als Frequent Issuer am Schuldscheinmarkt

Michael Schütt, Head of Finance bei Fraport, über den sechsten Schuldschein des Flughafenbetreibers. Das Unternehmen kann schon fast als Frequent Issuer an diesem Markt gelten.

Der Flughafenbetreiber Fraport hat erneut das aktuell günstige Marktumfeld genutzt und einen neuen Schuldschein begeben. Insgesamt konnte das Frankfurter Unternehmen 350 Millionen Euro einnehmen. Damit ist die Emission eine der bisher größten Schuldscheinemissionen im laufenden Jahr in Deutschland.

Aufgrund der starken Nachfrage und der mehr als dreifachen Überzeichnung hat sich Fraport zudem dazu entschlossen, das Emissionsvolumen deutlich aufzustocken. Ursprünglich wollte der Flughafenbetreiber nur 200 Millionen Euro einsammeln. „Wir haben im Jahr 2015 eine Tilgungsfälligkeit, die wir mit dem aufgestockten Volumen jetzt zu einem höheren Teil vorfinanzieren können“, begründet Michael Schütt, Leiter Finanzierung der Fraport, diesen Schritt. „Damit reduzieren wir das Refinanzierungsrisiko und differenzieren gleichzeitig unser Tilgungsprofil.“ Der überwiegende Teil der 170 Orders kam Unternehmensangaben zufolge von Sparkassen und aus dem genossenschaftlichen Sektor.

Nur eine Laufzeit bei Fraports neuem Schuldschein

Das gesamte Emissionsvolumen verteilt sich auf nur ein Laufzeitenband: sieben Jahre. Das ist ungewöhnlich, aber für Fraport gab es zwei Aspekte, den Emissionserlös diesmal nicht mehr zu verteilen: „Wenn man sich unser Rückzahlungsprofil ansieht, erkennt man sehr schnell, dass wir 2021 noch eine Fälligkeitslücke hatten, die wir jetzt füllen konnten“, sagt Schütt. Damit kann der Flughafenbetreiber sein bisheriges homogenes Fälligkeitsprofil, mit Ausnahme von 2019, dem Jahr, in dem die Fraport-Anleihe fällig wird, um ein Jahr weiterschreiben.

„Auf der Marktseite treffen wir mit sieben Jahren Laufzeit zudem einen Punkt, mit dem sich die traditionell eher langfristig orientierten Anleger anfreunden können, wir aber auch gleichzeitig noch Anleger erreichen konnten, die sonst eher in Papiere mit fünf Jahren investieren“, ergänzt Schütt noch. Der neue Schuldschein wird mit 1,436 Prozent verzinst und ist damit günstiger als eine vergleichbare Anleihe. Der Risikoaufschlag von 0,7 Prozent über dem Referenzzinssatz lag Unternehmensangaben zufolge deutlich unter dem Aufschlag der letzten Emission im Jahr 2012. Als Covenants sind nur pari passu und Negativklärung in dem neuen Schuldschein enthalten.

Die BayernLB, die DZ Bank, die Helaba und HSBC haben die Transaktion begleitet. Fraport hat sich neben der kombinierten Platzierungskraft auch aus Relationshipgründen für diese Zusammensetzung entschieden.

Fraport-Schuldscheine: Gesamtvolumen bei fast 2 Milliarden Euro

Mit der jetzigen Emission hat Fraport seit 2008 insgesamt sechs Schuldscheine emittiert und ist damit fast schon ein Frequent Issuer. „Das Gesamtvolumen dieser Transaktionen geht in Richtung von fast 2 Milliarden Euro“, sagt Schütt weiter. „Damit zählen wir in dem Produktsegment sicher zu den großen Emittenten in Deutschland.“ Anleihen werden bei dem extern nicht gerateten Flughafenbetreiber zwar geprüft, aber kommen relativ selten zum Einsatz – das erste und bislang einzige Mal im Jahr 2009. „Sollten wir bei größeren Akquisitionen zum Zug kommen, würden wir über die Emission einer Anleihe nachdenken.“

Das vom Handels- und Touristikkonzern Rewe erst vor kurzem platzierte German Private Placement hat Schütt mit Interesse verfolgt. „Das German Private Placement ist eine relativ neue Alternative zum US Private Placement, die primär auf Investoren aus der Versicherungsbranche zielt.“ Grundsätzlich sei das auch für Fraport ein interessanter Investorenkreis, insbesondere dann, wenn es um längere Laufzeiten geht. „Da aber auch hier wieder Ratings eine gewisse Rolle spielen, wenn auch keine externen, steht diese Alternative für uns erst mal nicht an vorderster Stelle, solange andere Quellen noch günstiger sind.“

Fraport kauft verstärkt zu

Mit dem Emissionserlös finanziert der Flughafenbetreiber nicht nur eine Fälligkeit im Jahr 2015 zum Teil vor, sonder füllt auch seine strategische Liquiditätsreserve auf, die sich durch die geleisteten Kaufpreiszahlungen für die letzten Akquisitionen reduziert hatte. In den USA hatte Fraport Anfang August die Airmall-Gruppe übernommen, die Retail-Flächen an nordamerikanischen Flughäfen vermarktet, und im September hatte der Flughafenbetreiber die Mehrheit an der Betreibergesellschaft des Flughafens Ljubljana in Slowenien erworben. Ende November erhielt Fraport und das griechische Industrieunternehmen Copelouzos Group den Zuschlag für den Betrieb von 14 Regionalflughäfen Griechenlands.

Die nächste Finanzierung lässt schon grüßen: Nachdem Schütt die Liquidität im Rahmen der Fraport-Asset-Management-Strategie angelegt hat, beginnen bereits wieder die Vorüberlegungen zur Refinanzierung der noch verbliebenen Tilgung im kommenden Jahr. „Diese kann sich auch noch erhöhen – je nachdem, wie erfolgreich wir bei Akquisitionsprojekten sein werden“, sagt Schütt.

Paulus[at]derTreasurer.de

Seit 2005 arbeitet Michael Schütt beim Flughafenbetreiber Fraport als Head of Finance/Leiter Finanzierung mit neun Mitarbeitern.