Die Freenet-Zentrale in Büdelsdorf (Schleswig-Holstein): Der Mobilfunker hat seinen Konsortialkredit neu verhandelt und einen Schuldschein emittiert.

Freenet

17.01.19
Persönlich & Personal

Freenet-Treasury stellt Finanzierung um

Freenet hat einen Brückenkredit aus dem Sommer ausfinanziert. Dafür griff der Mobilfunker auf zwei vertraute Finanzierungsinstrumente zurück.

Der Telekommunikationskonzern Freenet hat im Dezember seine Finanzierungsstruktur neu justiert. Die Schleswig-Holsteiner haben hierfür ihren Konsortialkredit um 200 Millionen Euro auf nun 910 Millionen Euro aufgestockt. Außerdem hat Freenet einen Schuldschein über 100 Millionen Euro am Markt platziert. Es war das Debüt des früheren Treasury-Chefs Ingo Arnold in seiner neuen Funktion als CFO. Freenet hatte Arnold im Oktober 2018 zum Finanzchef berufen.

Mit dem Geld aus den beiden Transaktionen hat Freenet einen Brückenkredit über 278 Millionen Euro abgelöst, den der Konzern im Juli 2018 aufgenommen hatte, um einen 9,1-Prozent-Anteil an dem Elektronikfachhändler Ceconomy zu kaufen. Zudem wäre ein Schuldschein aus dem Jahr 2012 im Volumen von 55 Millionen Euro im kommenden Jahr fällig geworden. „Das Papier aus dem Jahr 2012 haben wir vorzeitig abgelöst“, sagt Rainer Bayer, Leiter Corporate Finance bei Freenet. Eine Klausel in den Verträgen erlaubte Freenet die vorzeitige Kündigung gegen eine geringe Ablösegebühr. Wie hoch diese genau war, möchte Bayer nicht offenlegen.

„Wir waren nicht verpflichtet, den Kredit zu refinanzieren. Aber wir wollten es relativ zeitnah tun“, erklärt Bayer. „Zum 30. September 2018 hatten wir Bruttofinanzmittel im Wert von über 200 Millionen Euro, von denen wir einen Teil zur Tilgung genommen haben.“

Freenet stockt revolvierenden Kredit auf

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Den Konsortialkredit hat das Finanzteam von Freenet nur leicht angepasst. Das endfällige Tilgungsdarlehen über 610 Millionen Euro blieb unberührt, die revolvierende Kreditfazilität hat das Treasury dagegen von 100 auf 300 Millionen Euro aufgestockt. „Mit der Erhöhung des Revolvers können wir bei Bedarf schnell auf Geld zurückgreifen“, erklärt Bayer. Da Freenet nur eine Bereitstellungsgebühr zahlt, steigt der Cash-Bestand des Konzerns nicht unnötig.

Der Konsortialkredit enthält weiterhin zwei Financial Covenants (EK-Quote und Verschuldungsgrad). Auch im Bankenkreis, der von BayernLB, Commerzbank, LBBW und Unicredit angeführt wird, gab es keine Veränderungen. Dieser besteht weiter aus zehn Instituten. 

Der neue Kreditvertrag läuft nun über fünf Jahre mit der zweimaligen Option zur Verlängerung („5+1+1“). Der Verlängerung müssen alle Beteiligten zustimmen. „Wir wollen die Verlängerung jeweils im definierten Zeitfenster beantragen“, erklärt Bayer.

Für den Kredit zahlt Freenet maximal eine Marge von 1,9 Prozent. Die Euribor-Komponente der Verzinsung ist mit einem Floor ausgestattet. „Außerdem ist die Marge über einen Margin Grid definiert. Diese verändert sich zusammen mit unserem Verschuldungsgrad.“ 

Der zweite Teil der jüngsten Finanzierung ist der Schuldschein: Diesen haben Neu-CFO Ingo Arnold und das Treasury-Team zur „Abrundung der Finanzierungsstruktur“ platziert. Die 100 Millionen Euro verteilen sich auf eine fünfjährige Tranche, die eine Marge von 1,2 Prozent über Euribor aufweist, und eine siebenjährige mit einer Marge von 1,3 Prozent im Jahr.

Rund drei Viertel des Volumens liegen in der kürzeren Schuldscheintranche. Die Emission wurde von DZ Bank, Helaba, LBBW und Unicredit begleitet. 

Freenet-Schuldschein mit mehreren Plattformen platziert

Bei der Platzierung haben drei der vier begleitenden Banken auf nicht näher genannte digitale Plattformen gesetzt, erzählt Bayer. „Es war sozusagen eine Multiplattformtransaktion.“ Alle Geldhäuser haben allerdings auch ganz klassisch auf bewährte Bankenplattformen gesetzt und die Investoren angerufen. „Unsere Geldgeber konnten sich dann aussuchen, auf welche Weise sie investieren wollen.“

Einen wirklichen Mehraufwand für das Freenet-Treasury gab es durch die Einbindung der digitalen Plattformen nicht: „Das haben die Arrangeure in Eigenverantwortung gemacht.“ Insgesamt steht Bayer den digitalen Plattformen eher skeptisch gegenüber: „Ich glaube eher nicht, dass eine Schuldscheinplatzierung ganz ohne den persönlichen Kontakt zum Investor funktioniert.“

„Ich glaube eher nicht, dass eine Schuldscheinplatzierung ganz ohne den persönlichen Kontakt zum Investor funktioniert.“

Rainer Bayer, Freenet

Ein besonderes Element an dem nun platzierten Schuldschein ist eine sogenannte Stepdown-Klausel. Was sich dahinter verbirgt? „Die Marge vermindert sich um 30 Basispunkte, wenn das Verhältnis der Nettofinanzverschuldung zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen unter einen gewissen Wert sinkt“, erklärt Bayer. Wo diese Schwelle liegt, möchte er nicht sagen. Nur so viel: Momentan liege Freenet über diesem Wert. „Wir arbeiten daran, in den kommenden Monaten darunter zu kommen.“

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