Minimum Cash-Level berechnen

01.12.16 08:10

Grammer-Treasury führt neue Kennzahl zur Liquiditätssteuerung ein

Von Desiree Backhaus

Thorsten Hadzik, Treasury Manager bei dem Automobilzulieferer Grammer, hat eine neue Kennzahl zur Liquiditätssteuerung entwickelt. Sie soll helfen, operative von strategischer Liquidität zu unterscheiden - gerade in Zeiten von Strafzinsen ist dies eine wichtige Information für Treasurer.

Treasury Manager Thorsten Hadzik meint, das Minimum Cash Level könne auch anderen Unternehmen bei der Liquiditätssteuerung helfen.

Wie viel Cash braucht das Unternehmen mindestens, um das operative Geschäft im kommenden Monat betreiben zu können? Diese Frage stellte sich Thorsten Hadzik vor ein paar Jahren, damals noch Treasury-Chef eines Schweizer Unternehmens, und erkannte anfangs: „Wir hatten nur Erfahrungswerte über die benötigte Höhe unserer operativen Liquidität, hatten sie aber nie ordentlich definiert und fundiert berechnet“, sagt Hadzik, der seit kurzem in der Treasury-Abteilung des Automobilzulieferers Grammer tätig ist. Gegenüber dem Management eine solche Kennzahl zu vertreten, sei deshalb schwierig gewesen.

Aber auch das Treasury selbst ist interessiert an der Höhe der operativen Liquidität. Sie hilft, kurzfristig zu erwartende Liquiditätsdefizite zu erkennen – und dient damit als Frühwarnsystem. Umgekehrt identifizieren Unternehmen aber auch, über wie viel überschüssiges Cash sie zur Geldanlage verfügen. In der Schweiz waren Negativzinsen damals schon ein heißes Thema, in Deutschland sind sie es heute auch. Deutsche Treasurer unterscheiden deshalb ebenfalls zunehmend zwischen operativer, die sie für das Tagesgeschäft benötigen, und strategischer Liquidität, die sie aus Sicherheitsgründen oder für Investitionen und M&A-Projekte vorhalten. Je genauer ein Unternehmen dies trennen kann, umso leichter fällt es, Strafzinsen zu vermeiden und die Rendite zu optimieren.

Thorsten Hadzik berechnet Minimum-Cash-Bestand

Doch wie ermittelt man den für das operative Geschäft notwendigen Cash-Bestand? Hadzik begann nachzuforschen, sah sich die Bewegungen und Salden auf sämtlichen Konzernkonten – immerhin eine dreistellige Zahl – an. Dann kam er zu dem Schluss: „Wenn man die Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Cash-Bestand innerhalb eines Monats ermittelt, dann bekommt man den maximalen Cash-Ausfluss – oder anders ausgedrückt, den Minimum Operational Cash Level.“ Der Treasurer errechnete diese Kennzahl auf Basis der einzelnen Konten für jede Landesgesellschaft sowie aggregiert für den Gesamtkonzern. Dabei wählte er jeweils eine Zwölf-Monats-Rückschau, um saisonale Schwankungen im Cashflow zu adressieren.

Woher die Daten kommen und welche Rolle die Kennzahl künftig bei Grammer spielen soll, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe unseres E-Magazins.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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