HeidelbergCement schließt Refinanzierung früh ab

20.03.14 08:00

Group Treasurer Böttcher über den syndizierten Kredit von HeidelCement

Von Sabine Paulus

Gute Nachrichten bei HeidelbergCement: Das Group Treasury konnte seine 2015 auslaufenden syndizierte Kreditlinie in Milliardenhöhe frühzeitig refinanzieren – zu deutlich besseren Konditionen. Group Treasurer Henner Böttcher erklärt gegenüber DerTreasurer die Vorteile der neuen Finanzierung – und hat bereits weitere Projekte im Auge.

Das Thema Refinanzierung ist bei HeidelbergCement hoch aktuell - und noch lange nicht abgeschlossen.

HeidelbergCement

Das Thema Refinanzierung ist bei HeidelbergCement hoch aktuell - und noch lange nicht abgeschlossen.

HeidelbergCement ist ein kleiner Befreiungsschlag gelungen: Der Baustoffhersteller, dessen Schuldenberg laut aktuell veröffentlichter Geschäftszahlen im vergangenen Jahr auf 7,5 Milliarden Euro angewachsen ist, hat das derzeit günstige Marktumfeld genutzt und eine neue syndizierte Kreditlinie in Höhe von 3 Milliarden Euro abgeschlossen. Mit dem neuen Kreditrahmen refinanziert das Unternehmen die bisherige Kreditlinie, die erst im Dezember 2015 abgelaufen wäre. „Es gab einige schlagende Argumente, den syndizierten Kredit so früh zu refinanzieren“, sagt Henner Böttcher, Group Treasurer von HeidelbergCement. „Die neue syndizierte Linie ist deutlich günstiger als die vorherige.“ Die Kreditmarge reduziere sich von 125 auf 95 Basispunkte. Doch das ist nicht alles: „Wir konnten auch noch die Sicherheiten ablösen“, sagt Böttcher. Auch die Garantien der Tochtergesellschaften seien nicht mehr Bestandteil des Vertrags.

Da der Kredit nun nicht mehr besichert ist, kommen auch die Anleihegläubiger in den Genuss einer Bonitätsaufwertung: Die Ratingagentur Moody‘s hat kurz nach dem Kreditabschluss die Medium Term Notes Ratings von HeidelbergCement von Ba2 auf Ba1 hochgestuft. „Die Anleiheinvestoren sind nun mit den Banken gleichgestellt“, sagt Böttcher. Der Baustoffhersteller hat zudem für die kommenden fünf Jahre Finanzierungssicherheit. Die syndizierte Kreditlinie dient als Liquiditätsreserve und kann für Barziehungen und Avale genutzt sowie in verschiedenen Währungsoptionen gezogen werden.

Treasurer Böttcher: „Nach der Finanzierung ist vor der Finanzierung“

Henner Böttcher ist seit 2006 im Amt

Henner Böttcher ist seit 2006 im Amt.

Trotz all dieser Veränderungen und Neuerungen ist eines bei der von HeidelbergCement selbst arrangierten Kreditlinie gleich geblieben: der Bankenkreis. Das ist ungewöhnlich, haben doch einige Unternehmen ihr Konsortium in der jüngeren Vergangenheit auf den Prüfstand gestellt. „Mit den 19 Banken haben wir schon vor der Restrukturierung und Refinanzierung
zusammengearbeitet“, sagt Böttcher. „Wir sind seit 2010 mit diesen Banken im Konsortium und haben denjenigen, die uns auch in schwierigeren Jahren die Stange gehalten haben, Exklusivität versprochen. Zudem wollten wir unseren Kernbanken nicht das Zusatzgeschäft inflationieren.“

Nach dieser umfassenden Kreditrefinanzierung ist das Thema Finanzierung bei HeidelbergCement aber noch nicht abgeschlossen. „Nach der Finanzierung ist vor der Finanzierung“, sagt Böttcher schmunzelnd. „Wir haben mehr als 1 Milliarde Euro an Kapitalmarktrefinanzierungen. Deswegen müssen wir die Märkte kontinuierlich beobachten.“ Direkt nach dem Abschluss des Kredits platzierte HeidelbergCement eine weitere Anleihe über 500 Millionen Euro. Das Papier läuft bis März 2019 und wird mit jährlich 2,25 Prozent verzinst.

HeidelCement geht neue Wege in der Finanzierung

Neben den klassischen Finanzierungsarten wie Kredite und Anleihen geht HeidelbergCement aber auch neue Wege. Erst vor kurzem hat der Baustoffhersteller eine innovative Finanzierung in Indien auf die Beine gestellt. Die indische Tochter emittiert einen Bond, die Mutter ist die einzige Zeichnerin. „Wir sind die Ersten, die solch eine Transaktion gemacht haben“, sagt Böttcher. „Darüber mussten wir schon eine Zeitlang nachdenken.“ Mit der jetzt realisierten Finanzierungsart konnte HeidelbergCement die strukturelle Nachrangigkeit weiter reduzieren.

Auch in Afrika, insbesondere in Ghana und Togo, ist der Baustoffhersteller stark engagiert und betritt dort auch in der Konzernfinanzierung Neuland. „Wir haben dort immer wieder Pilotprojekte“, sagt Böttcher.

Paulus[at]derTreasurer.de