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11.06.19
Persönlich & Personal

Hongkong ist der beliebteste Treasury-Hub

Mit einer Steuerinitiative hat Hongkong 2016 um die Ansiedlung lokaler Treasury-Center geworben. Das zeigt Wirkung: Die Sonderverwaltungszone hat den Wettbewerber Singapur klar abgehängt.

Hongkong ist der weltweit beliebteste Standort für regionale Treasury-Center. Das zeigt eine Umfrage der australischen Beratungsgesellschaft East & Partners unter 649 CFOs und Treasury-Chefs aus sieben Ländern, darunter auch Deutschland. Demnach unterhalten 27 Prozent der Befragten ein regionales Treasury Center in der chinesischen Sonderverwaltungszone. In Singapur haben dagegen nur 13 Prozent ihre regionalen Treasury-Aktivitäten angesiedelt. Damit rangiert der Stadtstaat hinter den Jungferninseln und weiteren Karibikstaaten (24 Prozent), den Kanalinseln (14 Prozent) und Großbritannien.

Für Hongkong spricht neben der Nähe zum für viele wichtigen chinesischen Markt vor allem ein aus Finanzsicht freundliches Steuerregime: 2016 hat die ehemalige britische Kronkolonie eine speziell auf Corporate Treasury Center (CTC) ausgerichtete Steuerinitiative verabschiedet. Seither können Unternehmen unter bestimmten Umständen Zinsausgaben für unternehmensinterne Darlehen von der Steuer abziehen. Die Gewinnsteuer für sogenannte qualifizierte CTCs wurde auf 8,25 Prozent halbiert.

Deutsche Firmen wollen neue Treasury-Hubs etablieren

Besonders beliebt ist Hongkong bei Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel. Die im Finanzsektor tätigen Befragten, bei denen es sich explizit nicht um Banken handelt, setzen dagegen eher auf die Karibik oder die Schweiz. Auch hier dürfte vor allem das Steuerregime den Ausschlag gegeben haben.

Welches die beliebteste Location der befragten deutschen Unternehmen ist, wollte East & Partner auf Nachfrage allerdings nicht beantworten. Nur so viel: 40 Prozent der Top-100 deutschen Konzerne hätten alle oder Teile ihrer Treasury-Aktivitäten an regionale Center ausgelagert. Damit rangiere Deutschland auf Platz 3 unter den befragten sieben Nationen (USA, Großbritannien, China, Australien, Singapur, Hongkong).

22 Prozent der befragten deutschen Unternehmen planen zudem, in den kommenden zwölf Monaten weitere regionale Treasury-Center in Betrieb zu nehmen, erklärte die Beratung. Damit liegen hiesige Firmen im Durchschnitt der Studie. An der Spitze rangieren chinesische Unternehmen. Dort will die Hälfte der Befragten ihr weltweites Treasury-Netzwerk ausbauen. Bei den britischen Firmen ist es immerhin jedes dritte Unternehmen. In beiden Fällen dürften regulatorische Themen wie Kapitalverkehrskontrollen beziehungsweise der geplante Austritt der Briten aus der EU eine entscheidende Rolle spielen.

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