Tagessatz für Interim-Treasurer liegt zwischen 1.000 und 1.600 Euro

17.06.14 08:01

Interimsmanager selten im Treasury

Von Sabine Paulus

Es gibt nur wenige Interim-Mandate für Treasurer. Aber diejenigen, die als Treasurer auf Zeit arbeiten, verdienen gut.

Interimsmanager selten im Treasury

Thinkstock / Getty Images

Interimsmanager sind in deutschen Treasury-Abteilungen immer noch die Ausnahme.

„Kein Anschluss unter dieser Nummer“, sagt die freundliche Stimme im Telefon. „Der alte Telefonanschluss wird einfach gekappt, und ein neuer liegt noch nicht vor – so etwas kann einem Interim-Treasurer bei einem Carve-out-Projekt schnell passieren“, sagt Hans-Peter Fekter.

Der gelernte Banker und ausgebildete Treasurer weiß, wovon er spricht: Seit 2007 ist er als Treasurer auf Zeit tätig und hat seitdem zahlreiche Projekte unter anderem bei Siemens, Daimler, Grohe und der M+W Group abgeschlossen. Zu seinem Spezialgebiet zählen Carve-outs. „Ausgründungen von Unternehmensteilen machen 80 Prozent meiner Mandate aus“, sagt Fekter. Für eine derartige Aufgabe sind Interimsmanager ideal, da sie direkt nach dem Closing zur Verfügung stehen, nicht gebunden sind und keine Kündigungsfristen einzuhalten sind.

Nachfrage nach Interim-Treasurer wird stagnieren

Dennoch ist das Interimsmanagement in deutschen Treasury-Abteilungen eher die Ausnahme und die Zahl der Spezialisten sehr gering. Experten zufolge liegt der Anteil der Treasurer an den rund 15.000 bis 20.000 Interimsmanagern in Deutschland im einstelligen Bereich. So dürfte es auch bleiben, auch wenn das Interimsmanagement zu den am schnellsten wachsenden Nischen am deutschen Arbeitsmarkt gehört.

Es gebe zwar Treasury-Mandate für Interimsmanager, aber sehr wenige, sagt auch der Personalvermittler Stilianos Tsikopoulos. „Gründe hierfür können sein, dass in den größeren Unternehmen das bestehende Treasury eine Vakanz mit den eigenen Ressourcen zu überbrücken versucht“, sagt der Spezialist von Robert Half. Manche scheuen sich aus Vertraulichkeitsgründen davor, Daten in fremde Hände zu geben.

Interim-Treasurer sind teuer

Hans-Peter Fekter, Interim-Treasurer

Hans-Peter Fekter

Ein anderer Grund dafür, dass das Interimsmanagement im Treasury bislang noch eine relativ untergeordnete Rolle spielt, mögen die hohen Kosten für die Unternehmen sein. Denn ein Interim-Treasurer ist teuer. „Interimsmanager im Treasury können pro Tag zwischen 1.000 und 1.300 Euro verlangen“, sagt Thomas Till, Geschäftsführer beim Personalvermittler Till & Faber.

Harald Linné vom Interimsmanagement-Provider Atreus spricht sogar von einem Tagessatz von 1.400 Euro bis 1.600 Euro. „Gute Leute kosten auch Geld, sind es aber auch wert, und es gibt nicht viele Interimsmanager, die sich auf das Treasury spezialisiert haben.“ In anderen Bereichen der Finanzabteilung sei Interimsmanagement wesentlich stärker ausgeprägt. „Die Bereiche Controlling, Werksleitung, Logistik sowie Generalmanagement-Funktionen stehen bei den Firmen im Vordergrund“, sagt Linné.

Doch gerade bei Vakanzen können Interimsmanger sinnvoll sein, da sie schnell und flexibel zur Verfügung stehen. „Unternehmen brauchen Interimsmanger, wenn ein Treasurer beispielsweise in Elternzeit geht oder kurzfristig wegen Krankheit ausfällt“, sagt Interimsmanager Fekter, der damit einen guten Teil seines Unterhalts bestreitet. Er strebt keine Festanstellung mehr an. Für ihn ist der Beruf des Interim-Treasurers inzwischen schon zur Berufung geworden: „Treasury ist für mich wie der Hausbau für einen Zimmermann“, sagt Fekter. „Ich baue das Treasury auf, aber ich ziehe nicht ein.“

Paulus[at]derTreasurer.de