Interview mit Georg Leykauf von Grammer

11.04.14 08:07

Konsortialkredit in Eigenregie

Von Sabine Paulus

Der Sitzsystemhersteller Grammer hat im vergangenen Jahr einen neuen Konsortialkredit abgeschlossen und seinen dritten Schuldschein platziert. Georg Leykauf, Vice President Group Finance and M&A von Grammer, über die Hintergründe des Club Deals und die Wachstumspläne des SDax-Unternehmens.

Konsortialkredit in Eigenregie

Grammer

In den vergangenen Monaten sind verstärkt Club Deals bei den frisch verhandelten Konsortialkrediten zu sehen gewesen. Unternehmen von Merck über Gea bis hin zu Dürr greifen auf diese Art der Arrangierung in Eigenregie zurück. Die Firmen verfolgen dabei oft einen Relationship-Ansatz: Sie suchen sich ihre Bankengruppe selbst aus. Dabei sind Bonität, Produkte und die geographische Präsenz der Banken die wesentlichen Auswahlkriterien.

Leykauf von Grammer: „Wir wollten Bieterprozess hervorrufen“

Georg Leykauf, Vice President Group Finance and M&A von Grammer

Georg Leykauf

So war es auch bei dem Sitzsystemhersteller und Automobilzulieferer Grammer im vergangenen Herbst, als das im SDax notierte Unternehmen einen Konsortialkredit verhandelt hat. „Wir haben unsere Vorstellungen an die Banken herangetragen und unsere Dokumentation mitgebracht“, sagt Georg Leykauf, Vice President Group Finance and M&A bei Grammer. Das selbst erstellte Term Sheet wurde dabei mehreren Banken gleichzeitig vorgelegt: „Wir wollten dadurch einen Bieterprozess unter den Konsorten hervorrufen, um eine Benchmark bei den Konditionen zu erzielen“, sagt Leykauf.

Das Ergebnis: „Die Konditionen des Konsortialkredits sind nun sehr günstig für uns“, sagt der Treasury-Chef von Grammer, auch wenn er sich zu den Kosten nicht näher äußert. Der neue Konsortialkredit hat einen Rahmen von 180 Millionen Euro, läuft fünf Jahre und enthält zwei einjährigen Verlängerungsoptionen. Insgesamt sechs Kernbanken sind daran beteiligt. Das Darlehen refinanziert vorzeitig den bisherigen dreijährigen Rahmenkreditvertrag über 110 Millionen Euro, der im Juli 2015 fällig gewesen wäre.

„Der große Vorteil des Konsortialkredits ist, dass es nur noch einen einheitlichen Kreditvertrag mit zentraler Verwaltung durch einen Agenten gibt“, sagt Ralph Defren, Partner bei der Kanzlei Hengeler Mueller, die Grammer bei dem Konsortialkredit beraten hat. Zuvor hatte der Autozulieferer mehrere bilaterale Linien mit gleichlaufenden Bedingungen, die in dem Rahmenkreditvertragzusammenfassend dokumentiert waren. Die Schwierigkeit war dabei, verschiedene Instrumente unter einen Hut zu bringen: Grammer nutzt neben dem Kredit auch noch einen Schuldschein. „Die Instrumente Konsortialkredit und Schuldschein müssen bei den wesentlichen Regelungen wie Undertakings und Financial Covenants gleich laufen“, sagt Defren. Das hat Grammer realisiert: Negativerklärung und Drittfälligkeitsklausel sind enthalten.

Grammer will in China und Serbien wachsen

Mit dem neuen Konsortialkredit und dem im Frühsommer platzierten Schuldschein ist Grammer für seine Wachstumspläne nun gut aufgestellt. Der Sitzsystemhersteller will in diesem Jahr in Schanghai in ein größeres Werk umziehen. In Serbien entsteht ein neues Werk und in den USA wird ein neuer Hauptsitz gegründet.

„Wir wollen auch anorganisch wachsen“, sagt der Bereichsleiter Konzernfinanzen und M&A von Grammer. Zur Finanzierung von M&A-Deals kann sich Leykauf auch eine Anleihe vorstellen. „Ein Bond ist zwar nicht zwangsläufig der nächste Schritt“, sagt der Treasury-Chef. „Aber als Emittent kann man nicht beliebig oft an seine Schuldscheininvestoren herantreten.“ Der 2013 platzierte Schuldschein war der dritte von Grammer im Laufe der Unternehmensgeschichte.

Auch eine Privatplatzierung in Euro ist für Leykauf denkbar. „Anleihe oder Private Placement sind durchaus möglich, wenn wir ein M&A-Target in einer gewissen Größenordnung haben.“ Doch diese Frage stellesich momentan noch nicht. Mit den im vergangenen Jahr abgeschlossenen Finanzierungen ist Grammer erst einmal gut aufgestellt.

Paulus[at]derTreasurer.de

Georg Leykauf ist seit September 2011 als Bereichsleiter Finanzen und M&A beim Sitzsystemhersteller Grammer. Davor hat er rund vier Jahre als Director Corporate Finance für den Pharma- und Chemiekonzern Merck und rund zehn Jahre für Daimler in verschiedenen Positionen gearbeitet.